Leroy Sané

12. Juni 2019 10:51; Akt: 12.06.2019 11:04 Print

Er kann jede Abwehr ins Chaos stürzen

Für die WM reichte es nicht, doch inzwischen prägt der Hochgeschwindigkeitsdribbler Leroy Sané das deutsche Spiel.

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Sie diskutieren in Deutschland oft und gerne auch emotional über Leroy Sané. Ist der Hochbegabte einfach nur übermäßig cool, oder hat er die Grenze zur Arroganz bereits überschritten? Welche Extravaganzen leistet er sich diesmal? Übertreibt er es nicht mit seinen Sololäufen? Was hätte Deutschland an der WM mit ihm erreichen können? Und, sehr aktuell: Kommt er tatsächlich zum FC Bayern?

Gerade die letzte Frage umtreibt derzeit die Fußballgrößen im Land des vierfachen Weltmeisters. Alles-Kommentierer Lothar Matthäus glaubt fest an einen Wechsel von Manchester City nach München. Für Nationalteam-Manager Oliver Bierhoff und Dortmund-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke käme das einer Aufwertung der Bundesliga gleich. Oliver Kahn, einstiger Weltklasse-Torwart und designierter Vorstandsvorsitzender des FC Bayern ab 2021, findet einen dreistelligen Millionenbetrag für Sané durchaus angemessen.

Guardiola überzeugt

Mittlerweile versuchen auch Sanés Kollegen aus der Nationalmannschaft, den 23-Jährigen von der einen oder eben der anderen Option zu überzeugen. Serge Gnabry und Joshua Kimmich, beides Angestellte des FC Bayern, hätten ihn liebend gerne in ihrem Team. Ilkay Gündogan, Angestellter von Manchester City, hätte ihn liebend gerne weiterhin in seinem Team.

Einige spielerische Höhepunkte von Sané in der abgelaufenen Saison. Video: Youtube

Dass sich so viele Menschen Gedanken zu ihm machen, darf Sané als Kompliment verstehen: Sie alle sehen in dem jungen Mann einen außergewöhnlichen Spieler, einen Hochgeschwindigkeitsdribbler für die linke Außenbahn, der dank seiner Stärke im Eins-gegen-Eins jede Abwehr ins Chaos stürzen kann.

Die Bayern hatten schon im Sommer 2016 Interesse am damaligen Schalker, und sie hätten wohl auch gute Chancen gehabt, hätte ihr Trainer noch Pep Guardiola geheißen. Der Katalane war jedoch nach Manchester gezogen, und so waren es am Ende die Citizens, die rund 50 Millionen Euro nach Gelsenkirchen überwiesen. Sané sagte: «Er hat mich überzeugt, hierherzukommen. Ich habe Pep schon bei Barcelona und Bayern verfolgt. Er arbeitet hervorragend mit jungen Spielern und kann mich zu einem kompletteren Spieler machen.»

«Der Beste der Welt, wenn es um Läufe in die Tiefe geht»

In England fasste Sané schnell Fuß, schon in der Rückrunde seiner ersten Saison wurde er zum Stammspieler. Es ging in diesem Stil weiter, trotz der reichlich vorhandenen Prominenz im Kader. In der zweiten Saison kürte ihn die Premier League zum Nachwuchsspieler des Jahres. In der dritten allerdings folgten nach der Winterpause mehrere Dämpfer, gerade in den wichtigen Partien dieses Frühlings saß Sané meist auf der Bank. Im Champions-League-Viertelfinale gegen Tottenham kam er in beiden Partien zusammen auf sieben Minuten, im FA-Cupfinale gegen Watford auf 17.

Guardiola hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Flügelstürmer herauszufordern, er kritisiert ihn auch immer wieder öffentlich. Dahinter mag Kalkül stecken, der Fußballbesessene hat selber gesagt, er tue das, weil er so viel von Sané halte und ihn weiterbringen wolle. «Er ist der beste Spieler der Welt, wenn es um Läufe in die Tiefe geht», hat Guardiola einmal geschwärmt. Sané aber missfällt die Rolle des Edelreservisten, weshalb überhaupt erst Wechselgerüchte aufkamen.

Gesicht des Aufschwungs

Allerdings lässt sich nicht von der Hand weisen, dass der Sohn des früheren Bundesliga-Stürmers Souleymane Sané immer wieder Anschubhilfe benötigt. Gündogan sagte im vergangenen Jahr, Sané brauche «manchmal einen Tritt in den Allerwertesten». Toni Kroos, der deutsche Ballverteiler von Real Madrid, fand vor dem Start der Nations League im September, Sané bringe zwar alles mit, um «absolute Weltklasse» zu werden. «Aber man hat das Gefühl, dass er gesagt bekommen muss, was zu tun ist, um das zu werden.»

Kroos' Aussagen fußten auf den Erfahrungen im Kreis der Nationalmannschaft, in der Sané lange nicht den erhofften Einfluss hatte. Das kostete ihn schließlich die Teilnahme an der WM in Russland. Dennoch verstanden manche Experten und Laien die Entscheidung von Joachim Löw nicht. Und als die Deutschen dann nach drei biederen Auftritten in der Gruppenphase scheiterten, sahen sich die Kritiker in ihrer Meinung bestätigt: Ein unberechenbares Element wie Sané wäre Gold wert gewesen.

Löw hatte immerhin in Aussicht gestellt, nach der WM den Umbruch voranzutreiben und dann wieder auf Sané zu setzen, was er auch tat. Die Verjüngung hat der Mannschaft gutgetan, und der Ballartist ist eines der Gesichter des beschleunigten deutschen Spiels. Sané hat in vier der letzten fünf Länderspiele getroffen, zuletzt am Samstag beim 2:0 in der EM-Qualifikation gegen Weißrussland, als er einen gegnerischen Verteidiger ins Leere laufen ließ und den Ball mit links ins Tor schlenzte. «Sané beweist sein universell nutzbares Talent», schrieb die Süddeutsche Zeitung.

(L'essentiel)

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