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13. Februar 2020 07:23; Akt: 13.02.2020 07:28 Print

Klinsmann bezeichnet Abgang als «fragwürdig»

Nach seinem plötzlichen Rücktritt als Trainer von Hertha Berlin wollte der Deutsche für Klarheit sorgen. Das gelang nicht ganz.

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Jürgen Klinsmann wollte am Mittwoch doch nur Aufräumen. Denn beim «Big City Club» aus dem deutschen Tabellenkeller liegt seit dem plötzlichen Abgang seines Trainers vieles in Trümmern. Am Dienstag trat der 55-Jährige für viele überraschend nach nur rund elf Wochen als Cheftrainer zurück. Das mediale Echo: enorm. Der Imageschaden für Club und Klinsmann: immens.

In Berlin wollen sie seit dem Einstieg von Investor Lars Windhorst zu den ganz Großen gehören. Von der Champions League war die Rede. Und zwar bald. Stars sollen zur Hertha kommen – weil sie unbedingt zur Hertha wollen. In die «Big City». Soweit die Utopie.

Die Realität: Platz 14 in der Bundesliga. 12 Punkte aus den 9 Spielen unter Klinsmann. Abstiegskampf. Dies auch nachdem 51 Millionen Euro im Winter für neue Spieler investiert wurden. Und jetzt nach Klinsmanns Rücktritt das absurde Theater. Zumindest das ist schon eines Großclubs würdig.

Fragen klären! Oder aufwerfen?

Klinsmann wollte am Mittwochabend sein Image wieder aufbessern – und ein bisschen auch das des Vereins. Sachen klären und erklären, das war sein Ziel. Und so setzte er sich daheim vor seinen Laptop, stellte die Webcam auf und startete einen 12-minütigen Monolog auf Facebook: «Die Art und Weise war natürlich fragwürdig.» Er meint seinen Rücktritt. Vielleicht hätte er sich mehr Zeit mit der Entscheidung lassen sollen, «das alles besser aufarbeiten». Aber so sei er halt, fährt er fort, einer «mit Ecken und Kanten». Die Entscheidung sei aber bereits seit Wochen in ihm gereift.

Zur Erinnerung: den Trainerposten hat er erst Ende November übernommen – das war vor elfeinhalb Wochen.

Dann schwenkt der Monolog Klinsmanns über zu seinen Problemen mit dem Verein: er habe sich bis zuletzt bei den Berlinern in einem vertragslosen Zustand befunden. Der Grund? Er und Geschäftsführer Michael Preetz wurden sich über die Verteilung der Kompetenzen nicht einig. Klinsmann wollte mehr, Preetz keine abgeben. Aber ums Geld, «wie so oft geschrieben wurde», um das gehe es ihm nicht, sagt der ehemalige deutsche Nationaltrainer.

«Ich wollte das englische Management-Modell. Ich bin nicht gewohnt, dass ein Manager (Preetz) auf der Bank sitzt. Die alle reden mit, in der Kabine auf der Bank», so Klinsmann. Er habe während seiner aktiven Karriere in Italien, Frankreich und England andere Modelle kennengelernt. So auch zuletzt als Nationaltrainer der USA. «Da hast du nur einen Boss. In der Bundesliga ist das nicht so.» Dass Klinsmann als Profi und auch Trainer bereits in der deutschen Liga gearbeitet hat, das lässt er unerwähnt. «Ich habe gemerkt, dass es nie zu diesem Vertrag kommt. Dann bin ich ins Büro und habe meine Entscheidung mitgeteilt.»

Ziele seien «realistisch»

Dann macht er den Hertha-Fans doch noch Mut: «Es ist nicht wahnsinnig, davon zu reden, dass wir in vier Jahren Champions League spielen.» Und der Klassenerhalt, der sei mit Sicherheit spätestens im April gesichert. Das ist sich der ehemalige Stürmer sicher, denn: «Michael Preetz hat die Millionen von Lars Windhorst super umgesetzt. Wir haben einen tollen Kader, der auch seinen Wert weiter entwickeln wird.» Die Berliner Utopie lebt weiter, auch in ihm. Er schließt den Monolog mit den Worten: «Ich danke euch für zehn schöne und intensive Wochen.»

Klinsmanns Aufräumaktion ist damit – für ihn – beendet, das Berliner Theater aber noch nicht. Der abgetretene Trainer ist immer noch Aufsichtsratsmitglied und die rechte Hand von Investor Windhorst im Gremium. Ob er dies auch weiterhin bleibt? Morgen Donnerstag hat der Club zu einer Pressekonferenz geladen. Dann soll weiter aufgeräumt werden. Oder es wird noch mehr in die Brüche gehen.

(L'essentiel)

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