Willkommenskultur und Respekt

18. November 2019 11:42; Akt: 18.11.2019 11:43 Print

Kosovo feiert England – trotz Niederlage

Im EM-Qualifikationsspiel zwischen Kosovo und England ist das Geschehen auf dem Platz nur nebensächlich.

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Die Qualifikation für die EM 2020 hatte die Mannschaft von Bernard Challandes bereits vor dem letzten Spieltag verpasst. So verkam das Duell gegen den Tabellenführer der Gruppe A aus England zur Nebensache. Am Ende resultierte für die «Three Lions» ein deutlicher 4:0-Sieg, der eigentlich nicht groß der Rede wert wäre. Wäre da nicht der überaus freundliche Empfang der Gäste von den heimischen Fans, der die besondere Beziehung der beiden Länder zelebrierte.

Tagelange hatten sich die Fans in Pristina auf die Gäste von der Insel gefreut. Schon eine Woche vor Anpfiff waren in der Hauptstadt des Kosovo zahlreiche Banner gesichtet worden, «Welcome & Respect»-Schriftzüge, verziert mit den Fahnen beider Länder sowie dem einer roten Mohnblüte, mit der die Briten ihre Unterstützung für die Armee und die Erinnerung an gefallene Soldaten ausdrücken, säumten die Straßen. In einem Geschäft im Zentrum prangte ein Poster des englischen Stürmer Raheem Sterling, «Welcome bro» war darauf zu lesen.

Auswärtsspiel in Pristina, Begrüssung durch die Fans. (Bild: Keystone)

20 Jahre nach dem Kosvo-Krieg

«Wir tun dies aus Anerkennung für unsere Freunde, die uns bei der Gründung unseres eigenen Staates sehr geholfen haben», erklärte Agim Ademi, der Präsident des kosovarischen Fußballverbands KFF, die Aktion am Tag vor dem England-Spiel gegenüber der «Deutschen Welle». «England und sein damaliger Premierminister Tony Blair haben dabei eine Schlüsselrolle gespielt.»

Vor zwanzig Jahren war Großbritannien ein Teil der Nato-Streitkräfte, die im Kosovo-Krieg gegen Serbien eingriffen und sich für eine Unabhängigkeit der 2-Millionen-Einwohner-Republik einsetzten. Berühmt ist jenes Bild, das einen britischen Soldaten zeigt, der seine Patrouille unterbricht, um mit kosovarischen Kindern Fußball zu spielen.

Ein Zeichen gegen Rassismus

Doch die Banner hätten noch einen weiteren, viel aktuelleren Grund gehabt. Bei früheren Spielen in Osteuropa war den Engländern ein offen zur Schau gestellter Rassismus entgegen geschlagen, als dunkelstes Kapitel blieb jüngst das Auswärtsspiel in Bulgarien in Erinnerung, als Zuschauer auf der Tribüne Affenlaute und Beleidigungen von sich gaben sowie den Hitlergruß zeigten. «Wir wissen, wie es sich anfühlt, diskriminiert zu werden. Wir haben es schließlich selbst lange genug am eigenen Leib erlebt. Aber viele unserer Landsleute waren im Ausland und haben andere Kulturen und Religionen kennengelernt», so Ademi. «Daher: Albaner sind keine Rassisten!»

Beim Anpfiff im Stadion, als der Speaker die Startelf der Gäste verkündet, hallt bei jedem Engländer sein Nachname durch den Nachthimmel von Pristina, jeder Heimfan hält eine englische Flagge hochgestreckt und versucht, die Hymne mitzusingen.

Es ist nicht alles rosig

Die Gastfreundschaft gegenüber den englischen Spielern, Fans und dem Land, aus dem sie kommen, sie ist echt. Und wird nicht nur von oberster Verbandsebene, sondern auch von der Bevölkerung gelebt. Dennoch gilt es festzuhalten, dass das Verhältnis der Kosovo-Albaner gegenüber anderen Nationen oder Bevölkerungsgruppen im eigenen Land auch von Diskriminierung und Benachteiligung geprägt ist. Im Netz und in den sozialen Medien kursieren Videos wie das folgende, das kosovarische und englische Fans verbündet zeigt, wie sie gemeinsam «Serbians are bastards» singen.

Die serbische Minderheit im Kosovo, rund 13.000 Menschen, sieht sich auch 20 Jahre nach dem Friedensschluss im Kosovo-Krieg, einer ablehnenden Haltung der kosovarischen Bevölkerung gegenüber. Und so ist nicht immer alles so rosig, so anti-rassistisch und gastfreundlich wie an jenem Samstagabend, an dem sich England den ersten Platz in der Gruppe A sichert.

(L'essentiel/erh)

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