Champions League

30. September 2021 15:55; Akt: 30.09.2021 16:01 Print

Nur Malmö ist schlechter als der FC Barcelona

Barça steckt in einer historischen Krise. Das zeigt sich in der Königsklasse deutlich.

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Seit Superstar Lionel Messi nicht mehr für Barcelona spielt, geht es mit den Katalanen auch noch spielerisch bergab – steil bergab. Barça befindet sich in einer immer größer werdenden Krise, das widerspiegelt sich in diversen Punkten.

In der Königsklasse ist nur Malmö schlechter

Dass bei Barcelona aktuell der Wurm drinsteckt, zeigt sich in der Königsklasse ganz deutlich: Nur ein einziges von 32 Teams steht nach zwei Spieltagen noch schlechter da als die Katalanen. Barça hat zweimal verloren, 0:3 am Mittwoch in Lissabon und 0:3 vor zwei Wochen zuhause gegen die Bayern. Der fünffache Champions-League-Gewinner steht also bei 0 Punkten, hat 0 Tore erzielt, aber 6 kassiert. Diese negative Torbilanz kann nur noch Malmö toppen. Die Schweden stehen mit der Bilanz von 0:7 Toren da.

«Ein unerträglicher Albtraum, ein echtes Fußballdrama, eine unerträgliche Qual», schreibt die Zeitung «Sport» zum Abend in Lissabon. «Versenkt! Eine weitere schwarze Nacht für Barcelona in Europa», meint die «AS». «El Pais» schreibt: «Koeman sprengt sich in Lissabon in die Luft.» Und die «Sport» bestätigt: «Eine radikale Veränderung ist nötig. Und die sollte ohne Zweifel auf der Trainerbank beginnen.»

Trainer unter Druck, Entlassung wird teuer

Damit wären wir bei Trainer Ronald Koeman. Dieser sagte nach der ersten Pleite Barças bei Benfica seit 60 Jahren: «Es ist hart, das zu akzeptieren. Ich finde nicht, dass das Resultat mit dem Spiel, das wir gesehen haben, übereinstimmt. Trotz des frühen Rückstands haben wir bis zum 0:2 gut gespielt». Diese Aussage, auch wenn sie stimmt, stärkt dem 58-Jährigen jedoch nicht den Rücken. Koeman steht ein weiteres Mal stark in der Kritik.

«Es macht natürlich keinen Sinn, das jetzige Team mit dem von vor ein paar Jahren zu vergleichen. Das ist so klar wie Wasser. Ich kann Ihnen nur eine Einschätzung über meine Arbeit hier geben – und ich fühle mich durch meine Spieler und ihre Einstellung unterstützt», meinte Koeman. Aktuell scheinen auch seine Spieler ihm den Rücken zu stärken. Es sei «keine Lösung, jetzt den Coach zu wechseln. Es sind noch genügend Spiele, um weiterzukommen. Wir müssen diese Situation gemeinsam durchstehen und hart arbeiten», sagte Koemans Landsmann Frenkie de Jong.

Nichtsdestotrotz spekulieren spanische Medien schon länger mit der Trainerentlassung. Diese könnte in der kommenden Länderspielpause anfangs Oktober erfolgen, heißt es weiter. Mit Barça-Legende Xavi, dem Italiener Andrea Pirlo (aktuell vereinslos) und dem belgischen Nationaltrainer Roberto Martinez sollen bereits Nachfolger für Koeman, der seinen Job im August 2020 angetreten hatte, bereitstehen. Eine Entlassung Koemans könnte Barcelona aber teuer zu stehen kommen: Es wird berichtet, der Noch-Trainer erhielte dann eine Abfindung von bis zu 14 Millionen Euro. Doch genau das Thema Finanzen ist das größte Problem bei Barcelona.

Tiefe Gehaltsobergrenze, Jungstars vor dem Absprung

Der katalanische Club sitzt aktuell auf Schulden von 1,3 Milliarden Euro. Im TV-Sender 8tv wird aktuell berichtet, dass ein Unternehmen aus Dubai ein Darlehen von 1,6 Milliarden Euro in Aussicht stellt. Dieser Zustupf würde Barcelona vorerst retten und der Club wäre flexibler auf dem Transfermarkt. Doch welchen Preis müssten die Katalanen für dieses Darlehen bezahlen? Das ist bisher unklar.

Sollte dieses Darlehen nicht eintreffen, ginge es den Barça-Starspielern an den Kragen. Wegen der hohen Schulden wurde dem Club von der spanischen Liga eine Gehaltsobergrenze, auch Salary Cap genannt, aufgebrummt. So darf Barça für die aktuelle Saison nur 105 Millionen Euro an Gehaltskosten ausgeben – im Vergleich sind es bei Real Madrid rund 800 Millionen Euro. Wie reagieren wohl Stars wie Memphis Depay, Gerard Piqué oder Frankie de Jong, die sicher besser dotierte Verträge erhielten, die jetzt aber wohl auch Lohneinbussen hinnehmen müssen? Und wie will Barcelona mit einem so tiefen Salary Cap Jungstars wie Pedri, Ansu Fati oder Ousmane Dembélé mit so einer Gehaltsgrenze halten können? Bei all diesen Jungstars läuft der Vertrag im kommenden Sommer aus. Sollte sich Barcelona aktuell nicht an die Gehaltsobergrenze halten, drohen in der Liga Punktabzüge oder Geldstrafen – beides würde Barça wehtun.

In der Liga nur Remis gegen Abstiegskandidaten

Denn auch in LaLiga läuft es bei den Katalanen alles andere als zufriedenstellend. Zwar hat der 26-fache spanische Meister in dieser Saison noch nie verloren, doch aus sechs Partien auch nur drei gewonnen. Aktuell steht Barça in der Liga nur auf Platz 6, hat aber ein Spiel weniger ausgetragen als Leader Real Madrid. Ein 1:1 gegen Granada und ein 0:0 gegen Cádiz ist kein sonderlich starker Leistungsausweis für einen Club, der weitaus höhere Ansprüche hat.

Am Samstag steht das Duell gegen Meister Atlético Madrid an, nach der Länderspiel-Pause folgen die Partien gegen Valencia und den spanischen Rekordmeister Real Madrid – alles keine einfachen Aufgaben. Es werden wegweisende Spiele für die kriselnden Katalanen.

(L'essentiel/Adrian Hunziker)

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