Strafen für Paraden

20. Juni 2019 15:36; Akt: 20.06.2019 15:42 Print

So absurd ist die neue Elfmeter-​​Regel für Torwarts

Die WM der Frauen zeigt: Im Extremfall fliegen Torhüter künftig im Elfmeterschießen vom Platz.

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Es war der Moment für eine Heldentat. 3:0 hatten die Schottinnen gegen Argentinien geführt, sie schienen bereits für die Achtelfinales der Weltmeisterschaft qualifiziert. Aber dann dieses Aufbäumen der Argentinierinnen! 74. Minute, Milagros Menendez, 1:3. 79., Florencia Bonsegundos Schuss geht via Latte an den Rücken von Schottlands Torwart Lee Alexander und ins Tor – 2:3. Und schließlich: Elfmeter für Argentinien in der 92. Minute!

Wieder stehen sich Bonsegundo und Alexander gegenüber. Die Argentinierin läuft an, Alexander spekuliert auf einen flachen Schuss, springt nach rechts. Sie wehrt den Elfmeter ab, sie hält den Nachschuss aus kürzester Distanz. Sie hält Schottland in den Achtelfinales.

1. Elfmeter bei Argentinien - Schottland
Quelle: Fifa

Oder doch nicht? Nein. Die neuen Regeln des Weltfußballverbandes Fifa machen den Schottinnen einen Strich durch die Rechnung. Der Video-Assistent (VAR) muss sich den Elfmeter noch einmal anschauen. Und er stellt fest: Alexander hatte die Torlinie knapp vor der Schussabgabe mit beiden Füßen verlassen.

Jetzt bleibt Schiedsrichterin Hyang-Ok Ri keine andere Wahl: Sie muss den Elfmeter wiederholen lassen. Und sie ist gezwungen, Alexander die gelbe Karte zeigen.

Die zweite Gelegenheit lässt sich Bonsegundo nicht mehr nehmen. Sie trifft zum 3:3. Argentinien hat noch Chancen auf das Achtelfinale. Die Schottinnen sind nur noch ein Häufchen weinendes Elend.

Eigentlich wollten die Regelhüter des Internationalen Boards (Ifab) den Torwarts ja mit einer Reform helfen. Bislang mussten die Torhüter mit beiden Füßen auf der Torlinie stehen. Neu dürfen sie einen Fuß nach vorne bewegen, bevor der Elfmeterschütze den Ball gespielt hat.

2. Elfmeter bei Italien - Jamaika
Quelle: Fifa

Doch was eine Erleichterung sein sollte, wird aber mit der neuen Regelauslegung zu einer absurden Bestrafung der Torwarts. Bislang wurde die Regel sehr liberal ausgelegt. Es wurde nur dann ein Elfmeter wiederholt, wenn sich ein Keeper extrem früh von der Linie bewegt hatte.

Jetzt aber hat die Fifa ganz offensichtlich die Praxis geändert. Bereits drei Elfmeter wurden an der laufenden WM wiederholt, weil sich die Torhüterinnen bei Schussabgabe ein paar Zentimeter vor der Linie befunden haben.

Ändert die Fifa ihre Haltung nicht noch nach der WM, dürften ab diesem Sommer auch bei den Männern sehr viele Elfmeter wiederholt werden. Auch in der Schweiz, wo der Video-Assistent in der bevorstehenden Saison der Super League seine Premiere erleben wird. Schließlich gelten die neuen Regeln und ihre Auslegung weltweit.

Trotzdem gibt es bereits erste Abweichler. So hat sich die englische Schiedsrichter-Kommission entschieden, in der kommenden Saison den Video-Assistenten nicht einzusetzen, um die Fußstellung der Torwarts bei Elfmetern zu prüfen. Das berichtet die Times. Wie die Regel in der Schweiz angewandt wird, ist noch offen.

3. Elfmeter bei Frankreich - Nigeria
Quelle: Fifa

An der WM war die krasseste Entscheidung jene bei der Partie Frankreich gegen Nigeria. Da durfte Wendie Renard ihren Elfmeter wiederholen, obwohl sie sogar neben das Tor geschossen hatte – und nur auf dem Standbild zu erkennen war, dass Chiamaka Nnadozie beide Füße vor der Linie hatte.

Gänzlich absurd wird die Regelauslegung aber dadurch, dass Torwarts zwingend verwarnt werden müssen, wenn die Schiedsrichter den Elfmeter wiederholen lassen. Im Extremfall könnten Torhüter so demnächst in einem laufenden Elfmeterschießen mit Gelb-Rot vom Platz fliegen. Vielleicht sogar schon an dieser WM.

Torwarts, die keine Verwarnung oder gar einen Platzverweis riskieren wollen, werden künftig viel passiver agieren. Die sowieso schon geringen Chancen auf eine Parade werden weiter minimiert. Was kaum im Sinn der Erfinder der Regeln gewesen sein dürfte.

Und nein, Torwarts können sich auch nicht dadurch behelfen, dass sie ihre Parade von hinter der Torlinie starten. In den Regeln steht nämlich explizit, dass sie beim Anlauf des Schützen AUF der Linie stehen müssen. Nicht davor – und auch nicht dahinter.

Eines ist jedenfalls sicher: Mit der verschärften Beobachtung der Torwarts sind Heldentaten wie jene von Jerzy Dudek im Finale der Champions League 2005 nicht mehr möglich.

Jerzy Dudek gegen die AC Milan
Quelle: Youtube

An der laufenden WM der Frauen wären alle Elfmeter wiederholt worden, die die AC Milan 2005 verschoss. Und Liverpools Held Dudek wäre nach seiner Parade gegen Andrea Pirlos Elfmeter mit Gelb-Rot vom Platz geflogen.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr Crabs am 21.06.2019 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dei ganz wm as een witz. wat ech gescht eröm gesin hun,gaaanz schwaaach.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mr Crabs am 21.06.2019 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dei ganz wm as een witz. wat ech gescht eröm gesin hun,gaaanz schwaaach.