Mono-Kultur

12. Dezember 2019 08:16; Akt: 12.12.2019 08:34 Print

So macht die Champions League keinen Sinn mehr

Die Königsklasse ist langweilig geworden. In den Achtelfinals sind nur Clubs aus den Top-5-Nationen.

In der Champions League vermöbeln die Großen wie hier Paris St-Germain die Kleinen – hier Galatasaray. Und das Publikum soll das spannend finden.

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Es geht gerade wieder ein Gerücht um. Florentino Pérez, der Präsident von Real Madrid soll sich laut New York Times mit Fifa-Präsident Gianni Infantino getroffen haben, um mal wieder über eine Super-Liga mit europäischen Groß-Clubs zu diskutieren. Spätestens seit Mittwochabend stellt sich die Frage: Wozu machen sich die zwei eigentlich die Mühe? Schließlich ist die Champions League ja schon jetzt ein Ort, an dem nur noch die Riesen der Branche willkommen sind.

Am Ende hat es auch noch Dinamo Zagreb und Schachtar Donezk erwischt. Die beiden waren die letzten Vertreter der kleineren Ligen, die sich vor der letzten Runde der Gruppenphase wenigstens noch zaghafte Hoffnungen auf die Achtelfinales machen durften. Sie verloren die entscheidenden Spiele gegen Manchester City (Zagreb) und Atalanta Bergamo (Schachtar) mit dem Gesamttorverhältnis von 1:7.

Damit ist es so weit: Erstmals seit der aktuelle Modus auf die Saison 2004/05 eingeführt wurde, stehen 16 Teams aus den fünf größten Ligen Europas in den Achtelfinals.

«Große» werden belohnt

Die Königsklasse ist zur Mono-Kultur der Riesen geworden. Ganz nach dem Geschmack jener Vereine, die immer wieder damit drohen, die Champions League zu verlassen. Um mit einer eigenen Super-Liga noch mehr Geld verdienen zu können. Vom europäischen Fußballverband Uefa sind sie für diese Erpressungsversuche mit immer weiter gehenden Zugeständnissen belohnt worden.

Mit dem aktuellen Modus hat zum Beispiel Real Madrid vor dem ersten Anpfiff 34 Millionen Euro mehr verdient als der OSC Lille. Weil 585 Millionen Euro unter den 32 Teilnehmern der Gruppenphase so verteilt werden, dass jene mehr bekommen, die schon in der Vergangenheit erfolgreich waren. Warum das so ist? Nun, im europäischen Fußball muss offenbar zwingend dem mehr gegeben werden, der sowieso schon viel hat.

Ausreißer Ajax

Letzte Saison durften Fußball-Anhänger bis und mit Halbfinale noch mit Ajax Amsterdam einem Traum nachhängen: Dass es weiterhin möglich ist, auch als Club aus einer kleineren Liga mit den Großen mitzuhalten. Aber der Graben zwischen den Superreichen und dem Rest wird mit jeder Saison größer. Und wer wie Ajax mal einen Ausreisser nach oben hat, der wird im nächsten Sommer leergekauft.

Nein, es ist kein Zufall, dass die Kleinen in diesem Durchgang der Königsklasse einen Totalabsturz erlebt haben. Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache. Im Schnitt haben die 13 Clubs aus den kleineren Ligen aus ihren jeweils sechs Gruppenspielen nur gerade 4,6 Punkte geholt. Nicht einmal einen Zähler pro Spiel!

Top-Clubs erkaufen sich Vormachtstellung

So etwas Ähnliches wie Spannung kommt so höchstens noch dort auf, wo gleich drei Clubs aus den großen Ligen in eine Gruppe gelost werden. Oder wo sich ein eher kleiner Verein aus einer großen Liga den Platz in der Champions League ergattert. So, wie Bergamo oder Lille.

Grundsätzlich aber gilt: Die Gruppenphase der Champions League in ihrer jetzigen Form kann getrost abgeschafft werden. Sie ist für die Großen ein reines Warmlaufen. Für neutrale Beobachter ist sie stinklangweilig. Und für die kleineren Ligen schafft sie nur Probleme. Weil ihre Vertreter im Vergleich mit den Top-Clubs mit Peanuts abgespiesen werden und weil die Prämien aber trotzdem immer noch so hoch sind, dass sich die Top-Clubs in den nationalen Ligen eine Vormachtstellung erkaufen können.

Gibt es bald Auf- und Absteiger?

Es gäbe eine Möglichkeit, die Monotonie zu durchbrechen: eine solidarische Verteilung der Milliarden, die mit der Champions League eingenommen werden. Aber das werden die Großclubs nie zulassen. Viel wahrscheinlicher ist ein neuer Modus mit drei europäischen Ligen, in denen es Auf- und Absteiger geben wird.

Die Kleinen werden sich dann bloß noch draußen an den Schaufenstern die Nasen plattdrücken können. Und sich über all das Geld und all den Pomp in der Elite-Klasse wundern.

(L'essentiel)

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