Ärger mit Erdogan

13. Januar 2020 12:53; Akt: 13.01.2020 13:00 Print

Türkischer Fußballheld ist jetzt Uber-​​Fahrer

Einst ließ er mit seinen Toren die ganze Türkei jubeln, heute lebt er mittellos in der USA, fährt Taxi und verkauft Bücher. Er hat sich mit den Falschen angelegt.

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2002 führte er die Türkei sensationell zu Platz 3 an der WM in Japan und Südkorea, in 112 Länderspielen glänzte er mit 51 Toren. Er spielte in Italien, England und in der Champions League. Hakan Sükür, der «Löwe vom Bospurus», war ein gefeierter Volksheld in der Türkei – ehe er in die Politik ging und sich später mit Staatspräsident Recep Tayip Erdogan anlegte.

Es kam zum offenen Streit zwischen den beiden «Partei-Freunden», Sükür zog sich aus der Politik zurück – und lebt heute in den USA, muss sich mit Uberfahren und dem Verkauf von Büchern über Wasser halten. Sein Vermögen in der Türkei ist eingefroren.

«Erdogan nahm mir alles», klagt der 48-jährige Ex-Stürmer Sükür im Interview mit der Bild. «Mein Recht auf Freiheit, das Recht, mich zu erklären, mich zu äußern, das Recht auf Arbeit. Ich habe in der Türkei Besitz im Wert von Dutzenden Millionen Dollar. Aber es wurde alles konfisziert. Sie haben sogar meinen Vater eingesperrt.»

Vater eingesperrt, Kinder belästigt

2015 trat Sükür den Weg ins Exil in die USA an. «Die Boutique meiner Frau wurde mit Steinen beworfen, auf der Straße wurden meine Kinder belästigt», erinnert er sich an die letzten Tage in seiner Heimat zurück. «Nach jeder Äußerung, die ich gemacht hatte, erhielt ich Drohungen.»

Seine Eltern musste er zurücklassen, sein Vater wurde kurz darauf eingesperrt. «Er bekam im Gefängnis Krebs, seine Halsschlagader war verengt, nur deswegen wurde er entlassen. Der Prozess gegen ihn läuft weiter, er steht jetzt unter Hausarrest.» Auch seine Mutter sei an Krebs erkrankt, so Sükür weiter.

«Verräter und Terrorist»

Erdogan wirft Sükür vor, ein «Verräter und Terrorist» zu sein und beim Putsch 2016 eine Rolle gespielt zu haben. Ein Vorwurf, den der ehemalige Fußball-Held, der selbst aus seinem Club Galatasaray, für den er 13 Jahre stürmte, ausgeschlossen wurde, nicht gelten lässt: «Ich bin gegen jede Art von bewaffnetem Putsch», erklärt er.

Benutzt Erdogan den Sport für seine Politik? «Ja», ist sich Sükür sicher.» Gerade der Fußball ist in der Türkei, wie viele andere Bereiche auch, nicht frei und nicht autonom.»

(L'essentiel/ak/tzi)

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