Die wichtigsten Antworten

30. Juli 2020 21:40; Akt: 30.07.2020 21:45 Print

Was bedeutet das Verfahren für Fifa-​​Boss Infantino?

Für Gianni Infantino als Fifa-Präsidenten wird es eng. Die Schweizer Staatsanwaltschaft eröffnet ein Strafverfahren gegen ihn. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.⚽????️

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Was ist eigentlich los?

Viel ist los. Denn die Lage ist eskaliert. So hat die Staatsanwaltschaft – nur zwei Tage nach der Kündigung von Michael Lauber – gegen den scheidenden Bundesanwalt Lauber ein Strafverfahren eröffnet. Sie beantragt daher bei den zuständigen Kommissionen des National- und des Ständerats, Michael Laubers Immunität aufzuheben.

Okay, nicht gut. Doch was hat das jetzt mit dem Fifa-Boss Gianni Infantino zu tun?

Nun, Lauber ist nicht der Einzige, gegen den ein Strafverfahren eröffnet wird. So wird auch gegen einen Schulfreund Infantinos, den Walliser Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold, ermittelt – respektive ein Strafverfahren eröffnet. Und gegen den Fifa-Präsidenten selber, gegen Gianni Infantino.

Aber warum denn?

Das ist eine lange Geschichte, und sie ist ein wenig kompliziert. In dem Verfahren geht es um geheime Treffen zwischen Infantino und Michael Lauber, dem scheidenden Leiter der Bundesanwaltschaft. Die Vorwürfe sind happig. Sie lauten: Anstiftung zum Amtsmissbrauch, Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses und Anstiftung zur Begünstigung. Und das ist nicht alles. So heißt es in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft, dass weitere Straftatbestände und Verfahrenseröffnungen jederzeit möglich seien. Derzeit gelte aber die Unschuldsvermutung.

Geht es noch genauer?

Sicherlich. Lauber, Infantino und Arnold hatten sich mehrmals zu Geheimtreffen verabredet, obwohl Laubers Bundesanwaltschaft in mehreren Verfahren rund um die Fifa ermittelte. Und das Beste: Eines dieser Treffen wollen alle Beteiligten sogar vergessen haben. Dass das abwegig ist, sagte auch erst vor wenigen Tagen ein Schweizer Gericht. Lauber hatte daraufhin seinen Rücktritt eingereicht. Die geheimen Treffen fanden 2016 und 2017 statt, während die Bundesanwaltschaft gegen die Fifa wegen Korruption ermittelte. Bei diesen Ermittlungen geht es unter anderem um die Vergaben der Fußball-WM 2018 an Russland und 2022 an Katar.

Was bedeutet das Strafverfahren für den Fifa-Boss?

Na ja, nichts Gutes. Laut den Fifa-Statuten müsste die Fifa Infantino bis zum Abschluss des Strafverfahrens suspendieren. Ein ähnlicher Fall hatte im Jahr 2016 Infantinos Vorgänger Sepp Blatter das Amt gekostet. Der Fifa-Boss gerät also immer stärker unter Druck.

Kann aber auch nichts passieren?

Ja. Ähnlich wie damals bei Blatter liegt es nun im Ermessen der Ethikkommission, ob Infantino und das Strafverfahren der Institution Fifa schadet oder nicht. Sie kann Maßnahmen ergreifen. Muss aber nicht. Wie sie entscheidet, ist derzeit absolut unklar.

Was sagt Infantino?

Er weist die Vorwürfe zurück. Bei den fraglichen Treffen mit Bundesanwalt Michael Lauber sei er seiner «wesentlichen Aufklärungspflicht auch im Sinne der Fifa» nachgekommen, sagte Infantino einer Mitteilung des Fußball-Weltverbands zufolge. Das werde er auch weiter tun. «Dieses war immer mein Anspruch und davon lasse ich mich nicht abbringen.» Und: «Lassen Sie es mich noch einmal klarstellen: Die Treffen mit dem Bundesanwalt sollten zur lückenlosen Aufklärung beitragen.»

Er wird also keine Konsequenzen von sich aus ziehen?

Nein. Vermutlich nicht. Infantino hat sich die vergangenen Jahre ein Reich gebaut, das ihn möglichst lange
auf dem Thron hält. Er hat kleinere und größere Skandale durchgestanden, er hat sich die Ethikkommission zurechtgeschneidert. Und: Er ist bis 2023 gewählt.

Und die Fifa, was sagt sie?

Wie Infantino weist der Weltverband die Anschuldigungen zurück. Man werde «umfassend mit den Behörden kooperieren». Bereits anfangs Juni hatte die Fifa sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen. Der Fifa-Boss «hat sicherlich nichts falsch gemacht, indem er Herrn Lauber getroffen hat. Es ist kein Vergehen, den Bundesanwalt zu treffen, und solche Treffen sind nicht ungewöhnlich. Gianni Infantinos Motivation war, den Schweizer Behörden jegliche Unterstützung anzubieten», hieß es damals.

Welche Strafen drohen denn den Beteiligten?

Bei den Tatbeständen handelt es sich um schwere Delikte, die laut Strafgesetzbuch mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden. Das Ding ist: Es wird schwierig sein, den Fall aufzuklären. Denn wie will die Staatsanwaltschaft herausfinden, was an den Treffen besprochen wurde? Daher ist auch absolut denkbar, dass das Strafverfahren irgendwann eingestellt wird. Ohne Ergebnis. Ohne dass irgendjemand bestraft wird.

Hat sich Sepp Blatter auch gemeldet?

Ja. Er fordert Konsequenzen. «Der Fall ist klar. Jetzt muss auch die Fifa-Ethikkommission ein Verfahren gegen Gianni Infantino einleiten und ihn suspendieren», sagte Blatter gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Was ist die Meinung des Webs zu der ganzen Sache?

Im Web wird Infantino veräppelt. Die Reputation von ihm ist noch tiefer gesunken. Zumindest scheint es so.

(L'essentiel/Nils Hänggi)

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