Widersprüche

04. Juni 2019 14:28; Akt: 04.06.2019 14:28 Print

Der Fall Neymar wird immer diffuser

Der brasilianische Superstar sieht sich mit einem Vergewaltigungsvorwurf konfrontiert. Die Ereignisse überschlagen sich.

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Eine Frau aus Neymars Heimat Brasilien behauptet, er habe sie in alkoholisiertem Zustand mit Gewalt zum Sex gezwungen. Der Vorfall habe sich Mitte Mai in Paris ereignet, aber sie sei zu aufgewühlt und verängstigt gewesen, um vor Ort Anzeige zu erstatten.

Der Fall nimmt zunehmend diffuse Züge an. Denn am Dienstag meldete der brasilianische TV-Sender Globo, dass die Anwälte des möglichen Opfers die Zusammenarbeit aufgrund widersprüchlicher Aussagen der jungen Frau beendet hätten. Dem Sender liegt ein entsprechendes Schreiben der Kanzlei Fernandes e Abreu vor. Diesem zufolge gab die Mandantin zuerst an, schon vor der betreffenden Nacht eine Beziehung mit Neymar gepflegt zu haben. Gegenüber der Polizei habe sie dann jedoch eindeutig von Vergewaltigung beim vermeintlich ersten Treffen gesprochen.

Neymars Marketingfirma NJR hatte bereits in einem am Montag publizierten Comminuqué darauf hingewiesen, dass der Anzeige der Frau (wegen Vergewaltigung) ein Erpressungversuch über einen Anwalt in São Paulo vorausgegangen sei.

Blutergüsse als mögliche Beweise

Die Frau hinterlegte am 31. Mai in São Paulo Anzeige gegen den PSG-Stürmerstar. Medien hatten dies am vergangenen Wochenende publik gemacht. Der weltberühmte Profi reagierte umgehend darauf und veröffentlichte Auszüge aus dem Chatverlauf mit der Frau in einem Video auf seinem Instagram-Account. Deshalb ermittelt die brasilianische Polizei nun nicht nur wegen des Vergewaltigungsvorwurfes gegen Neymar, sondern auch wegen mutmaßlicher Verletzung der Intimsphäre der Frau.

Sie hatte dem 96-fachen Nationalspieler Nacktbilder in lasziven Posen geschickt, wobei er die intimsten Stellen zwar vor der Veröffentlichung verpixeln ließ. Kommissar Pablo Sartori will sich aber nun «die Dinge ansehen, bevor sie bearbeitet und ins Internet gestellt wurden». Neymar löschte das brisante Video inzwischen. Schon am Montag sollen Beamte ihn 45 Minuten lang dazu befragt haben.

Laut dem Internetportal UOL Esporte soll die Frau den Ermittlern «Bilder und Dokumente» überreicht haben, auf denen angeblich zu sehen sei, dass sich Neymar vor dem mutmaßlichen Verbrechen aggressiv verhalten habe. Blutergüsse an ihrem Körper sollen dies beweisen. Und ein Arzt habe Tage nach dem Übergriff Stresssymptome, Hämatome an Beinen und Gesäss, Magenprobleme und Gewichtsverlust festgestellt.

Rückendeckung von Teamkollege und Coach

Sponsor Nike hat inzwischen mit einer Erklärung an die brasilianische Presse auf die Vorwürfe der Frau reagiert. «Wir sind zutiefst besorgt über diese Anschuldigungen und werden die Situation weiterhin genau beobachten», hält die Marke schriftlich fest. So hatte die US-Firma auch reagiert, nachdem im vergangenen Herbst ein Vergewaltigungsvorwurf gegen Juve-Star Cristiano Ronaldo erhoben worden war.

Derweil bemühen sich Neymars Teamkollegen, die Situation zu entschärfen. «Dies wird die Gruppe nicht vergiften, wir wissen sehr gut, was für ein Mensch Neymar ist», sagte Mittelfeldspieler Fernandinho (Manchester City). Er sei sicher, dass sich Neymars Unschuld erweisen werde. Nationalcoach Tite berief eine am Dienstag vorgesehene Pressekonferenz bereits am Montag ein. Der 58-Jährige versicherte, Neymar nicht vorverurteilen zu wollen. «Technisch gesprochen ist er unverzichtbar», sagte Tite. Allerdings gab er auch zu bedenken, dass niemand unersetzlich sei. «Die Seleção steht über allem», betonte der Coach abschließend. Weil die Mannschaft am Sonntag in Porto Alegre ihr letztes Vorbereitungsspiel vor der Copa América gegen Honduras bestreitet, hat der brasilianische Fußballverband CBF beantragt, dass Neymar erst am Montag gegenüber der Polizei aussagen soll. Das Verhör war ursprünglich auf Freitag angesetzt worden.

PSG hält an seinem Star fest

Offen ist, wie sich der Vergewaltigungsvorwurf auf Neymars Zukunft bei PSG auswirkt. Zuletzt wurde über einen möglichen Abgang des Brasilianers spekuliert. Real Madrid soll interessiert an ihm sein, er selber habe sich beim FC Barcelona angeboten. Medienberichten zufolge sei Neymar sogar bereit, den Prozess über eine von Barça zurückgehaltene Bonuszahlung in der Höhe von 26 Millionen Euro zu beenden. Sein Ex-Club hat offenbar in Paris eine Anfrage platziert, soll damit aber abgeblitzt sein. Für PSG scheint Neymar unverkäuflich zu sein und ein Transfer wird daher ausgeschlossen.

Sorgenfrei dürfte Neymar jedenfalls am Samstag, 15. Juni, nicht mit der Seleção gegen Bolivien in der Heimat in die Südamerika-Meisterschaft starten. Außer, bis dahin hat sich Vieles geklärt.

(L'essentiel/ddu)

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