Zum 60. Geburtstag

30. Oktober 2020 13:52; Akt: 30.10.2020 15:13 Print

Diego Armando Maradona – Mehr als nur ein Leben

An diesem Freitag wird Diego Maradona 60 Jahre alt. Sein Leben spielte sich immer zwischen den Extremen ab: Zwischen Himmel und Hölle, zwischen Genie und Wahnsinn.

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Seit dem WM-Finale 1990 trägt sein damaliger Gegenspieler Guido Buchwald den Spitznamen «Diego». (Bild: DPA/Frank Kleefeldt)

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Diego Armando Maradona, was gibt es über diesen Menschen noch zu erzählen? Wie er seine Gegenspieler reihenweise narrte, wie er sogar den Tod gerade noch umdribbelte? Wie er mit einem Luftgewehr auf Journalisten schoss oder sogar eine Kirche nach ihm benannt wurde? Als Fußballer war Maradona so unbeschreiblich gut wie vielleicht niemand davor oder danach. Als Mensch war er viele Jahre später mal so dick, dass er kaum sprechen konnte. Diego Armando Maradona: Dieser Name steht für ein Leben zwischen den Extremen, zwischen Himmel und Hölle, zwischen Genie und Wahnsinn. Trotzdem hat Maradona es geschafft, dass er an diesem Freitag 60 Jahre alt wird.

Er wird seinen Geburtstag wohl in Argentinien verbringen. Seit dem vergangenen September trainiert Maradona den Erstligisten Gimnasia y Esgrima La Plata. Auch auf Instagram ist er seit einiger Zeit aktiv. Dort sieht man ihn mit einem kleinen Hund auf dem Arm, mit einer Taktiktafel im Garten oder mit einer einem Astronautenhelm ähnelnden Spezialmaske zum Schutz vor dem Coronavirus auf dem Kopf. Auf den Fotos sieht Maradona meist schlank und gesund aus, einmal trägt er sogar eine modische Brille. Die Botschaft: Es geht ihm gut. «Man muss anmerken, dass er seine Lebenskrise, die da entstanden ist nach dem Fußball, anscheinend gemeistert hat», sagt Günter Netzer.

Für den Ex-Nationalspieler ist Maradona so wie für viele Menschen ein Mythos geblieben. Die Legende beginnt in der Siedlung Villa Fiorito am Rande von Buenos Aires, wo «El Pibe de Oro» (der Goldjunge) früh vom Erstligisten Argentinos Juniors entdeckt wird. Als zwölf Jahre alter Balljunge soll er den Zuschauern mit seinen Kabinettstückchen während der Halbzeitpausen schon mehr Unterhaltung als die erste Mannschaft geboten haben. Im Alter von 15 Jahren gibt er sein Debüt in der ersten Liga, mit 16 ist er Nationalspieler, mit 17 Torschützenkönig und als 19-Jähriger erstmals Südamerikas Fußballer des Jahres.

« Ich bin Maradona, kein neuer Irgendwas »

Ob er der neue Pelé ist, wollen argentinische Reporter damals von ihm wissen. «Ich bin Maradona, kein neuer Irgendwas. Ich will einfach nur Maradona sein», antwortet der junge «Diegito». Und das ist ihm ohne Zweifel gelungen: dass sein Lebensweg unvergleichlich ist. Am Anfang geht noch Vieles gut. 1982 wechselt Maradona für eine Rekordablösesumme zum FC Barcelona, zum Halbgott steigt er aber erst zwei Jahre später auf. Für eine weitere Rekordablöse geht es weiter zum SSC Neapel, also nicht zu den großen Clubs im Norden Italiens, sondern zum verspotteten Fast-Absteiger in den verachteten Süden. «Kloake Italiens», tönen Juve- oder Milan-Fans beim direkten Duell.

Hier beginnt die Verwandlung. Maradona steigt höher und höher, 1987 und 1990 führt er Neapel zu den bis heute einzigen Meisterschaften der Vereinsgeschichte. Schon bei seiner Begrüßung hatten mehr als 70.000 Fans ihn im Stadio San Paolo empfangen, später lungern die Menschen immer wieder vor seiner Haustür herum. Einmal soll eine Krankenschwester eine Blutprobe von ihm gestohlen und in die Kirche gebracht haben. Die Neapolitaner verehren ihn wie einen Heiligen. Maradona kommt mit dem Hype klar, so lange er Fußball spielt, auf dem Rasen wird er besser und besser.

« Diego hatte ein Leben wie ein Traum. Und wie ein Alptraum »

«Auf dem Platz wird das Leben unwichtig. Die Probleme, all das wird unwichtig», sagt er in der Amazon-Dokumentation «Diego Maradona». Mit Argentinien wird er 1986 Weltmeister, 1989 gewinnt er mit Neapel auch noch den Uefa-Pokal. Abseits des Platzes wird er genauso unkontrollierbar wie für seine Gegenspieler. Er verfällt dem Kokain («Eine Line - und ich fühlte mich wie Superman»), zieht zum Teil von Sonntagabend bis Mittwoch um die Häuser, um danach bis zum nächsten Spiel am Wochenende wieder alles auszuschwitzen. Seine Nationalmannschaftskarriere endet bei der WM 1994 wegen einer zweiten, monatelangen Doping-Sperre durch die Fifa.

«Diego hatte ein Leben wie ein Traum. Und wie ein Alptraum», sagte sein langjähriger Fitnesstrainer Fernando Signorini. Unvergessen sind die «Hand Gottes», mit der er bei der WM 1986 gegen England getroffen hatte, oder sein Jahrhunderttor nach einem unfassbaren Dribbling im selben Spiel. Unvergessen sind aber auch die Jahre später erschienenen Bilder vom kugelrunden Maradona mit schrillblonden Haaren. Er scheiterte als TV-Moderator und argentinischer Nationalcoach, verbrachte Wochen in Krankenhäusern, ließ sich den Magen verkleinern und schrammte mehrmals knapp am Tod vorbei. All das war und ist auch: Diego Armando Maradona.

«Ich glaube, er hält sich für einen Gott, und das könnte einer der Gründe für seine Probleme sein», sagte vor vielen Jahren mal der Leiter der Klinik Güemes in Buenos Aires, Héctor Pezzella, wo Maradona 2007 in Behandlung war. Nun scheint es ihm aber deutlich besser zu gehen. Zumindest sieht es auf seinen Fotos in den sozialen Netzwerken danach aus. «Im Alter wird man ja auch schon ein bisschen weiser», sagt der frühere Nationalspieler Guido Buchwald, der Maradona im WM-Finale 1990 ausgeschaltet hatte. «Ich glaube schon, dass er gesünder und normaler lebt. Eskapaden braucht er sicher nicht mehr.»

(L'essentiel/dpa)

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