Fans gegen Superliga

19. April 2021 09:53; Akt: 19.04.2021 09:58 Print

«Fußball schafft sich gerade selbst ab»

Zwölf Topclubs haben sich zusammengeschlossen und wollen eine europäische Superliga gründen. Es geht um viel Geld – und angeblich auch um die Fans. Doch die wüten im Netz.

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Real Madrid und der FC Barcelona wollen sich der neuen Superliga anschließen. (Bild: AFP)

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Teilnehmer, Modus, Finanzen: Zwölf Clubs aus drei Ländern haben sich so konkret wie nie und erstmals in aller Öffentlichkeit zu ihren Plänen für eine neue Superliga bekannt und dem europäischen Fußball damit mächtig vors Schienbein getreten. Angeführt von Real Madrid, Juventus Turin und Manchester United, deren Vertreter den Vorstand der erlösträchtigen Vereinigung bilden sollen, sind insgesamt sechs Clubs aus England (Arsenal, Manchester United, Liverpool, Tottenham Hotspur, Chelsea und Manchester City) und je drei aus Spanien (FC Barcelona, Atlético Madrid und Rekordmeister Real Madrid) und Italien (AC Milan, Inter Mailand, Juve) in der Nacht von Sonntag zu Montag aus der Deckung gekommen. Interessant: Aus Deutschland ist kein Club dabei. Und auch PSG aus Frankreich nicht.

Als die Ankündigung kam, da schliefen die meisten europäischen Fans bereits – im Gegensatz zu Anhängern in den lukrativen Märkten in Nordamerika und Asien. Doch als die Fußball-Fans in Europa aufstanden und von den Superliga-Plänen hörten, da waren viele fassungslos. Ja, sie wüteten im Netz. «Endlich zeigt der ganze Zirkus und sein wahres Gesicht. Zwölf Clubs gründen Super League: Bekanntgabe erschüttert europäischen Fußball», schreibt etwa ein User auf Twitter. Andere zweifeln an ihrem Verstand. So fragt ein User: «Hatte ich nicht überall gelesen, dass die #Corona-Pandemie demütiger, bescheidener macht???», ein anderer schreibt einfach nur: «Der Fußball schafft sich gerade selbst ab.»

Und dann gibt es noch die Fans, die versuchen, das Ganze mit Humor zu nehmen. «Schalke 04 hat sich gegen die Beteiligung an der Superliga entschieden», schreibt jemand auf Twitter. «FC Bayern München und PSG sind nur nicht dabei, weil sie da nicht jahrelang ungefährdet Meister werden können», mutmaßt ein anderer und versieht seinen Post mit vielen lachenden Smileys. Manche denken auch an die vielen Spieler und Trainer und fragen sich: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass das alle Trainer und Spieler der großen Clubs so geil finden…»

Ebenso mit viel Humor und Ironie nimmt es der FC Lugano. Auf Twitter schreiben die Tessiner: «Sehr geehrte Gründungsmitglieder der #SuperLeague Wir prüfen Ihren Vorschlag zur Teilnahme an diesem neuen Wettbewerb sorgfältig. Trotz einiger Zweifel an dem Projekt werden wir Ihnen in den kommenden Tagen eine endgültige Antwort geben.»

«Das ist ein krimineller Akt gegen die Fans»

Scharfe Kritik gab es auch vom europäischen Fan-Netzwerk Football Supporters Europe (FSE). «Dieser geschlossene Wettbewerb wird der letzte Nagel im Sarg des europäischen Fußballs sein und alles zerstören, was ihn so beliebt und erfolgreich gemacht hat», hieß es in einer Erklärung am Sonntag. «Diese Pläne sind von Grund auf illegitim, unverantwortlich und gegen jeglichen Wettbewerb. Mehr noch, sie werden ausschließlich aus Gier vorangetrieben.» Und auch der ehemalige Fußballprofi Gary Neville verurteilte die geplante Gründung einer europäischen Super League in einem emotionalen Statement scharf. «Ich bin Manchester-United-Fan, ich bin das seit 40 Jahren – aber ich bin empört, total empört», sagte der 46-Jährige. «Das ist kriminell. Das ist ein krimineller Akt gegen die Fans! Das ist eine Schande.»

Ohne die Superliga beim Namen zu nennen, brachte der Weltfußballverband Fifa noch in der Nacht in einer Stellungnahme seine «Missbilligung» zum Ausdruck über alle Pläne, welche die «Grundprinzipien Solidarität, Inklusivität, Integrität und gleichberechtigte finanzielle Umverteilung» nicht widerspiegeln. Die Uefa will gar sämtliche Clubs von allen weiteren Wettbewerben ausschließen. Und: Die Spieler dürfen nicht mehr für ihre Nationalmannschaftem spielen.

Man darf also gespannt sein, wie es weitergeht. Die Uefa tagt jedenfalls am Montagmorgen. Denn eigentlich wollten die Uefa-Bosse eine Reform der Champions League beschließen. So sollen von der Saison 2024/25 an, 36 statt bislang 32 Teams an der Champions League teilnehmen. Nun – jetzt werden die Bosse mit absoluter Sicherheit noch mindestens ein Traktandum mehr haben.

(L'essentiel/Nils Hänggi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • lorenz jeff am 19.04.2021 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Denen Aasgeieren gett ett wei de Franzousen, dei lescht joer jo vun canal+ bei Telefoot gewiesselt sin vir meih Geld ze verdingen.....Aus die maus no 10 meint .....

  • Joseph FRANCOIS am 19.04.2021 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle Klubs haben zuviel Geld aus dem Fenster geschmissen. Nun soll eine Geld Organisation von Fussball Klubs und Vereine die FIFA und UEFA umgehen. Die Fans sind jetzt mehr denn je gefordert etwas zu unternehmen. Ohne Fans kein Geld ohne Geld keine Super League.

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  • lorenz jeff am 19.04.2021 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Denen Aasgeieren gett ett wei de Franzousen, dei lescht joer jo vun canal+ bei Telefoot gewiesselt sin vir meih Geld ze verdingen.....Aus die maus no 10 meint .....

  • Joseph FRANCOIS am 19.04.2021 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle Klubs haben zuviel Geld aus dem Fenster geschmissen. Nun soll eine Geld Organisation von Fussball Klubs und Vereine die FIFA und UEFA umgehen. Die Fans sind jetzt mehr denn je gefordert etwas zu unternehmen. Ohne Fans kein Geld ohne Geld keine Super League.