Spitzenspiel

26. Mai 2020 13:10; Akt: 26.05.2020 13:33 Print

Lewandowski oder Haaland – wer ist besser?

Das Spitzenspiel zwischen Bayern und Dortmund ist auch ein Duell der derzeit torgefährlichsten Stürmer. Beide können ein Spiel entscheiden. Aber kann man sie vergleichen?

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Wird heute Abend die deutsche Meisterschaft entschieden? Während die Protagonisten diese Frage verneinen, sind viele Fans anderer Meinung. Gewinnt Bayern München das Duell, hätte der Rekordmeister ganze sieben Punkte Vorsprung auf Verfolger Dortmund, und die Borussen würden wohl den Anschluss verlieren.

Die ganze Fußballwelt schaut demnach gespannt auf das Spitzenspiel und dabei vor allem auch auf zwei Akteure: Robert Lewandowski und Erling Haaland. Es ist das erste Aufeinandertreffen der Ausnahmekönner, die die Partie beide entscheiden können. Doch so talentiert wie beide Stürmer sind, so unterschiedlich sind sie in anderen Punkten. Hier der Versuch, einen Vergleich in sieben Punkten anzustellen:

Trefferquote

Das Wichtigste bei den Stürmern zuerst: Beide treffen wie am Laufband. Beide sind in der Form ihres Lebens. Mit insgesamt 27 Treffern führt Lewandowski die Torschützenliste vor RB-Leipzig-Spieler Timo Werner (24 Treffer) an. Erling Haaland liegt mit seinen zehn Treffern nur auf Platz zwölf. Ein Indiz? Mitnichten. Schließlich kam der Norweger erst im Winter zum BVB in die Bundesliga. Und seither erwies er sich als äußerst lohnenswertes Investment. Zehn Ligaspiele, zehn Tore. Zwei mehr als Lewandowski, der in der Rückrunde wegen einer Verletzung nur achtmal auflief, aber auch achtmal traf. Die Torquote von beiden beträgt damit 1,0. Wer ist also besser im Erzielen von Toren? Schwierig zu sagen. Kommt dazu, dass beide in dieser Saison – in allen Wettbewerben zusammen – 41 Treffer in 35 Spielen erzielten.

Punkt für Haaland. Er ist jünger als der Pole und seine Trefferquote ist für seine jungen Jahre einfach beeindruckend.

Haaland: 1 – Lewandowski: 0

Spielart

Haaland trifft vorzugsweise mit seinem starken linken Fuß und macht 30 Prozent seiner Tore nach Kontern, einer BVB-Spezialität. Heißt: Mit dem Norweger haben die Dortmunder viele Optionen im Angriff. Sie können den Ball halten und dann in die Tiefe, in die Schnittstelle spielen oder es auch mit Flanken auf den 1,94 Meter großen Hünen versuchen. Und Lewandowski? Der Pole ist die personifizierte Torgefahr, besitzt er doch praktisch keine Schwächen, ist ein kompletter Stürmer. Beweis dafür: Der 31-Jährige ist auf dem besten Weg, seine bereits fünfte Torjägerkanone in Deutschland zu sichern.

Punkt für Lewandowski. Der Pole ist einfach der komplettere Stürmer – und das seit vielen Jahren.

Haaland: 1 – Lewandowski: 1

Physis

Keine Frage: Beide Stürmer sind topfit, ihre fantastischen Werte aus dieser Saison bestätigen ihr Leistungsvermögen. Haaland ist mit seinen 1,94 Meter jedoch zehn Zentimeter größer, und auch auf die Waage bringt er rund zehn Kilo mehr als Lewandowski (rund 90 Kilo gegenüber etwa 80 Kilo). In Sachen Statur hat der Dortmunder die Nase also vorn. Was das Alter betrifft, haben indes beide ihre Vor- und Nachteile: Während der 19-jährige Haaland einigen noch zu jung ist, ist der 31-jährige Lewandowski für manche bereits etwas in die Jahre gekommen.

Punkt für Haaland. Die Statur des jungen Norwegers ist beachtlich. Um ihn stoppen zu können, müssen die Verteidiger ihr gesamtes Können zeigen.

Haaland: 2 – Lewandowski: 1

Erfahrung

Auf den ersten Blick ist das ganz klar die Kategorie für Lewandowski. Der Pole hat in seiner Karriere 315 Bundesliga-, 86 Champions-League- und 112 Länderspiele absolviert. Gleich in seiner ersten Bundesliga-Saison (mit Dortmund, für das er 187 Partien bestritt) holte er den Meistertitel. Für den Leistungsträger folgten sechs weitere Titel (fünf davon mit Bayern), 2018 führte er Polen als Kaptän zur WM. Haaland dagegen steht bei zehn Bundesliga-, acht Champions-League- und zwei Länderspielen. Aber … Nein, es gibt kein «Aber». Auch auf den zweiten Blick geht diese Kategorie klar an den 31-Jährigen. Dafür hat Haaland eine goldene Zukunft vor sich. Wenn es so weitergehen sollte wie bisher, wird er im selben Alter wie Lewandowski mehr Erfahrungen im Gepäck haben.

Punkt für Lewandowski. Er ist erfahrener und abgebrühter, gewann schon zig Titel.

Haaland: 2 – Lewandowski: 2

« Haaland kann ein zweiter Lewandowski werden. »

Bedeutung im Titelkampf

Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc sagte vor dem Spitzenspiel: «Wenn wir um die Meisterschaft mitspielen wollen, sollten wir gewinnen.» Und für den Sieg brauchen die Dortmunder dringend Tore von Haaland, zumal Marco Reus ausfällt. Aber auch die Bayern sind abhängig von ihrem Offensivjuwel. Ist Lewandowski doch der einzige «richtige» Stürmer im Kader. Zwar können auch Thomas Müller oder der Youngster Joshua Zirkzee auf seiner Position spielen. Das Problem: Es ist nicht Müllers Lieblingsposition, und Zirkzee ist sehr jung. Somit: Lewandowski und Haaland haben alle beide eine enorme Bedeutung für ihr Team im Titelkampf.

Punkt für Lewandowski. Ohne den Polen hätte Bayern schon oft Probleme gehabt. Lewandowski ist die Lebensversicherung der Münchner.

Haaland: 2 – Lewandowski: 3

Das sagen die Trainer

Ottmar Hitzfeld, ehemaliger Trainer von Bayern und Dortmund, sagte dem «Kicker»: «Haaland kann ein zweiter Lewandowski werden.» Ganz dieser Meinung ist Bayern-Coach Hansi Flick nicht. Es sei «zu früh» für einen Vergleich. Haaland stünde in der Bundesliga noch am Anfang, sagt er. Und: «Robert hat die letzten Jahre immer auf Weltklasse-Niveau agiert.» Auch BVB-Trainer Lucien Favre lobte Lewandowski schon etliche Male: «Er ist im Strafraum brandgefährlich.» Sind die Trainer also überzeugter vom Polen? Überhaupt nicht. Nach seinem grandiosen Start in die Bundesliga im Januar überschütteten mehrere Trainer auch Haaland mit Lob. Und Favre huldigte ihn auch an der Pressekonferenz vor dem Gipfeltreffen – zumindest indirekt: «Wir sind besser geworden. Wir haben im Winter zwei Spieler verpflichtet und haben eine andere Präsenz», sagte er.

Punkt für beide. Flick und Favre loben ihre Stürmer. Beide Trainer wissen, was sie an ihren Stürmern haben.

Haaland: 3 – Lewandowski: 4

Das sagen sie selbst

Haaland ist in Interviews nicht sehr gesprächig. Bestes Beispiel: Sein Geister-Interview nach dem 4:0-Derbysieg gegen Schalke. Mit insgesamt acht englischen Worten und ohne jedes Anzeichen von Mimik «beantwortete» der norwegische Jungstar die vier Fragen eines mehr und mehr verzweifelnden Reporters. Anders Lewandowski. Er zeigt sich in Interviews gesprächiger – zumindest ein wenig. Mit dem Polen können die Journalisten zumindest richtige Gespräche führen. Ein Vorteil für die Bayern ist das aber nicht. Schließlich liegt die Wahrheit auf dem Platz.

Punkt für beide. Schließlich spielt es überhaupt keine Rolle, wie sich die Stürmer in Interviews geben.

Haaland: 4 – Lewandowski: 5

(L'essentiel/nh/li)

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