Homophobie im Fussball

19. Dezember 2018 16:33; Akt: 19.12.2018 16:35 Print

Sie fordert Toleranz und erhält Morddrohungen

Warum die lesbische schwedische Fußballerin Nilla Fischer jeglichem Hass trotzt.

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Nilla Fischer hat einen Traum. Irgendwann soll die sexuelle Orientierung einer Spielerin oder eines Spielers auf dem Fußballplatz egal sein. Komplett egal. Sie stellt sich vor, wie das so wäre mit 22 toleranten Menschen, umgeben von noch viel mehr toleranten Fans. Aber Fischer weiß: Auch im Jahr 2018 ist das noch immer utopisch.

Als Bestätigung reicht der Griff zum Smartphone. Wenn Fischer ihre Profile in den sozialen Medien scannt, dann registriert sie eines immer wieder: Hass. Sie hat schon vieles über sich lesen müssen. Dass sie sterben solle, unter anderem. Die Nachrichten schmerzen. Doch noch keine, mögen sie noch so pietätlos gewesen sein, hat bisher bewirkt, dass sie ihren Kampf aufgeben würde. Ihren Kampf für eine tolerantere Fußball-Welt.

Fischer, das ist eine 34-jährige Schwedin, die in erster Linie Bekanntheit erlangte, weil sie ziemlich gut Fußball spielen kann. Schwedische Meisterschaft, Bundesliga, Deutscher Cup, Champions League – alles hat die Verteidigerin schon gewonnen. An der Weltmeisterschaft 2011 erreichte sie mit dem Nationalteam Rang 3, an den Olympischen Spielen 2016 Rang 2.

Für sie war ihr Coming-out nichts Besonderes

So souverän sie seit Jahren als Innenverteidigerin spielt, so intensiv kämpft sie mittlerweile gegen Homophobie. Vor Jahren sagte sie einem schwedischen Journalisten nebenbei, dass sie eine Frau liebe. Für Fischer war das damals keine große Sache, für die schwedische Medienlandschaft schon. «Da habe ich gemerkt, dass es nicht als normal angesehen wird. Das war für mich das Zeichen, mich zu engagieren», erzählte Fischer einmal im Norddeutschen Rundfunk.

Wenn Fischer heute öffentlich redet, geht es selten wirklich um Fußball. Viel öfter erzählt sie Episoden aus ihrem Leben. Wie Menschen ihr schreiben, dass sie es nicht verdient habe, zu leben. Aber auch wie junge Leute auf sie zugingen und ihr für ihr Engagement danken. Oft spricht Fischer auch von Visionen. Sie sieht sich als Botschafterin der Vielfalt, kämpft für Toleranz und gegen Diskriminierung. Oder eben: für ihren Traum vom Fußballplatz, auf dem die sexuelle Orientierung nebensächlich ist.

Dem Fußballmagazin «11 Freunde» erzählte sie jüngst: «Wenn ich auch nur eine einzige Person mit meinem Engagement stärke, würde mich das sehr glücklich machen.» Fischer spricht nicht nur offen über die Frau, die sie 2013 heiratete, sondern auch über den gemeinsamen Sohn Neo. «Es ist wichtig, offen zu sein und der Öffentlichkeit zu zeigen, dass es okay ist. Ich bin sehr glücklich mit meinem Leben und jede andere Person kann das auch sein», sagte sie dem Guardian.

Ihr Kampf wird wohl nie enden

Fischer spricht nicht nur, sie lässt auch Taten folgen. Seit März 2017 trägt die Spielführerin des VfL Wolfsburg eine regenbogenfarbene Captain-Binde. Irgendwann fand sie, dass das doch alle Spielführer im Verein tun sollten. Die Idee kam an. Nur einer manövrierte sich ins Abseits: Profi-Fußballer Josip Brekalo. Er unterstrich öffentlich seine christlichen Werte und sagte: «Ein spezielles Symbol für die Einstellung anderer Leute muss und möchte ich nicht tragen.»

Brekalos Reaktion bezeichnet Fischer gegenüber 11Freunde als «blöd». «Die Regenbogenfahne ist kein Zeichen für Homosexualität, sondern unterstützt und zelebriert die Vielfalt von Lebensformen.»

Sie wünscht sich, dass sich mehr bekannte Fußballer öffentlich gegen Homophobie aussprechen. Mit ihrer Reichweite könnten sie einiges bewegen, glaubt die Fußballerin. Und doch weiß sie auch, dass ihr Kampf womöglich nie enden wird. Sie sagt: «Ein erster Schritt ist jetzt da, dass alle VfL-Mannschaften mit der Regenbogen-Binde spielen und der Club da auch viel tut. Aber wenn wir jetzt sagen, wir haben etwas geschafft und jetzt ist alles locker – das können wir vergessen.»

(L'essentiel/cst)

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