Ada Hegerberg

05. Dezember 2018 12:41; Akt: 05.12.2018 12:49 Print

Von ihrer Quote träumen auch Messi und Ronaldo

Wer ist die Weltfußballerin, die gefragt wurde, ob sie twerken könne? Eine famose Stürmerin, die in ihrer Heimat Norwegen für mehr Respekt kämpft.

Die Frage, die Ada Hegerberg mehr Berühmtheit verschaffte, als sie sich wohl gewünscht hat. Video: AP

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Idealerweise wäre Ada Hegerbergs Abend so abgelaufen: Sie wäre nach Paris geflogen, hätte den Preis als beste Spielerin der Welt abgeholt, wäre das Gesicht des Frauenfußballs gewesen, dem dank der Zeremonie vom Montagabend eine etwas höhere Aufmerksamkeit zuteil geworden wäre. Dann wäre die 23-jährige Norwegerin zurück nach Lyon gereist und hätte in den Tagen darauf das Training wieder aufgenommen.

Tatsächlich ist Hegerberg am Dienstag Thema Nummer 1, ihr Name ist öfters zu lesen als jener von Luka Modric, dem Gewinner bei den Männern. Doch das kommt dem Frauenfußball nicht unbedingt zugute. Denn der Abend von Hegerberg lief nicht so ab, wie sie es sich wohl gewünscht hatte. Als ihr der Preis überreicht wurde, wurde sie von DJ Martin Solveig gefragt, ob sie twerken könne.

Es war also diese Frage, die Hegerbergs Bekanntheitsgrad vervielfachte, es waren nicht ihre fußballerischen Leistungen. Hegerberg selbst schüttelte die zum Skandal aufgebauschte Bemerkung zwar lässig ab, doch die Worte von Solveig waren nicht mehr aufzuhalten. Push-Nachrichten, Shitstorms, Entschuldigungen – das volle Programm folgte. Sogar Tennisspieler Andy Murray schaltete sich auf Twitter ein.

Wer ist Ada Hegerberg überhaupt?

Bei diesem ganzen Tohuwabohu bleibt aber jemand auf der Strecke: Ada Hegerberg. Sie ist das Gesicht des Skandals, aber wer ist diese Frau? Hegerberg ist, das wissen wir seit Montag, die beste Fußballerin der Welt. Am 10. Juli 1995 kam sie in Sunndalsora zur Welt. Aus diesem 4030-Seelen-Dorf, eingeklemmt zwischen Hügeln und der Mündung des Flusses Driva, der in das europäische Nordmeer fließt, schaffte sie den Weg an die Weltspitze des Fußballs.

Mit ihrer älteren Schwester Andrine spielte sich Ada Hegerberg durch die Juniorinnenligen, vor allem gegen Jungen. 2011 wechselte sie in die norwegische Toppserien, die höchste Spielklasse des Landes. Kolbotn IL war ihr Verein, da spielte zu diesem Zeitpunkt auch ihre Schwester. Mit 16 erzielte sie ihren ersten Hattrick, in der gleichen Saison war sie Torschützenkönigin. Adas Qualitäten im Sturm waren so groß, dass der nächste Karriereschritt immer sogleich erfolgte.

Mit Schwester Andrine, mittlerweile bei den Frauen von Paris Saint-Germain unter Vertrag, wechselte Ada noch zum Stabaek FK und dann nach Deutschland, zu Turbine Potsdam.

Eine sagenhafte Quote in Lyon

Die Schwestern Ada und Andrine hielt es nicht lange in Deutschland. Das lag bei der heute 25-jährigen Andrine daran, dass sie sich nicht durchsetzen konnte und nach nur vier Spielen nach Dänemark wechselte. Ada hingegen schaffte 2014 den Sprung an die absolute Weltspitze im Frauenfußball. Olympique Lyon holte sie, als sie 19 Jahre alt war.

Hegerberg gewann die Champions League dreimal in Folge. 2016 wurde sie mit 21 zu Europas Fußballerin des Jahres gekürt. Seit der Einführung hatten vor ihr nur deutsche Spielerinnen diesen Preis gewonnen.

Der Rücktritt aus dem Nationalteam

Bis dahin hat Hegerberg in nur 95 Spielen 120 Tore für Lyon erzielt, eine Quote, an die nicht mal Cristiano Ronaldo und Lionel Messi herankommen. In ihren jungen Jahren hat Hegerberg 66 Länderspiele bestritten, allerdings nur bis im Sommer 2017. Da beendete sie ihre Karriere in Norwegens Nationalteam vorläufig. Nach dem Ausscheiden bei der EM 2017 zeigte sie sich enttäuscht darüber, wie wenig Respekt dem Frauenfußball in ihrem Land entgegengebracht wird.

Hegerberg sagte zu ihrem Rücktritt: «Wir haben aufgehört, über Entwicklung zu sprechen und andere Länder haben uns überholt.» Fußball sei der wichtigste Sport für norwegische Mädchen, dennoch hätten Männer und Frauen nicht annähernd die gleichen Möglichkeiten. Darauf reagierte der Verband im Oktober 2017: Er verdoppelte die Prämien bei den Frauen, so dass diese jetzt gleich viel verdienen wie die Männer.

Hegerberg spielt trotzdem nicht mehr mit. Zu groß ist das Zerwürfnis mit dem Verband. Am Montag sagte sie, sie habe keine Absichten, eine Entscheidung zu überdenken, die sie traf, um ihre «Authentizität und ihre Werte als Person und Fußballerin zu wahren». Sie finde, der Respekt für sich selbst und ihre Kolleginnen fehle immer noch. Die beste Fußballerin der Welt wird bei der Weltmeisterschaft 2019 wohl fehlen.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MrCrabs am 06.12.2018 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naischt geint fraaenfussball,mais do huet sech an denen leschten joer naischt gedoen.den niveau as ganz schwaach.

Die neusten Leser-Kommentare

  • MrCrabs am 06.12.2018 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naischt geint fraaenfussball,mais do huet sech an denen leschten joer naischt gedoen.den niveau as ganz schwaach.