Elektronische Pfeife

29. Juni 2020 09:26; Akt: 29.06.2020 09:33 Print

Wird der Pfiff per Knopfdruck bald zum Alltag?

Pfeifen mit viel Luft und Speichel scheint in Pandemiezeiten nicht mehr zeitgemäß. Gehört die Zukunft einer elektronischen Pfeife? Die Skepsis bei Schiedsrichtern ist noch groß.

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Sind ihre Tage gezählt? Die klassische Pfeife bekommt Konkurrenz von einer elektronischen Variante. (Bild: Foto: Imago)

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In fast jeder Sportart ist sie ein wichtiger Bestandteil. Egal, ob in der Champions League oder beim Grümpelturnier. Die Pfeife ist immer dabei. Bereits vor über 100 Jahren kam sie erstmals im Sport zum Einsatz. Seither ist sie nicht mehr wegzudenken. Der Schiedsrichter setzt mit ihr die Regeln durch, startet und beendet das Spiel mit einem Pfiff. Doch damit könnte nun schon bald Schluss sein. Die Zeit der klassischen Pfeife könnte sich dem Ende zu neigen. Denn eine elektronische Pfeife macht ihr Konkurrenz.

Fox 40 ist eine der führenden Pfeifenfirmen der Welt mit etwa 15.000 verkauften Pfeifen pro Tag. Vor zehn Jahren brachte sie die elektronische Pfeife auf den Markt. Wie eine kleine Taschenlampe sieht sie aus und ist größer und schwerer als das klassische Pendant. Das Signal, das in etwa dieselbe Lautstärke hat wie ein normaler Pfiff, wird mittels Drücken des Knopfs gegeben. Zu Beginn war die elektronische Pfeife kein Kassenschlager, doch seit Mai habe die Firma mehr als 50.000 Bestellungen erhalten, schätzt der Firmengründer und ehemalige Schiedsrichter Ron Foxcroft.

Denn die Hygiene und damit die Sicherheit auf Sportplätzen kann durch die elektronische Pfeife verbessert werden. Mit jedem Pfiff werden unzählige Tröpfchen in die Luft geschleudert. Schiedsrichter fassen verschwitzte Spieler an, danach ihre Pfeife, die sie wieder in den Mund nehmen. All das geschieht nicht mehr, wenn die elektronische Pfeife verwendet wird.

Was hält die elektronische Pfeife aus?

Das Eishockey führt coronabedingt sowieso gerade eine Hygienediskussion. Der US-Teilverband USA Hockey hat Gesichtsschilder aus Plexiglas erwägt. Und als eine der ersten Organisationen überhaupt erklärte nun der kanadische Teilverband Hockey Québec die elektronische Pfeife für obligatorisch. Der Rückkehrplan aufs Eis sieht vor, dass sowohl Schiedsrichter als auch Trainer auf die klassische Pfeife verzichten und dafür eine elektronische Alternative verwenden.

Doch es gibt noch offene Fragen bezüglich der elektronischen Pfeife: «Funktioniert sie im Regen und im Schnee?», äußerte Steve Shaw, Koordinator der Schiedsrichter im College Football, seine Bedenken. Pfeifen kommen bei allen Bedingungen zum Einsatz: bei minus 20 Grad im Schneegestöber in Green Bay, bei über 35 Grad in Brasilien oder bei Wasserschlachten wie derjenigen bei der Fußball-EM 2008 in Basel. Kann eine elektronische Pfeife das aushalten? Und: «Müssen wir eine Ersatzbatterie herumtragen?», fragte Shaw. Diese Fragen müssen beantwortet werden, bevor die elektronische Pfeife eingesetzt werden kann.

Den Schiedsrichtern bleibt weniger Zeit

Wird sie dann aber eingesetzt, haben die Schiedsrichter keine Zeit mehr, ihre Entscheidungen zu überdenken. Die klassische Pfeife muss, nachdem die Entscheidung gefällt worden war, an den Mund geführt und geblasen werden. In dieser kurzen Zeit kann der Spielleiter seinen Entscheid noch revidieren. Bei der elektronischen Pfeife liegt der Finger immer gleich neben dem Knopf. Sobald entschieden wurde, folgt der Pfiff. Die kurze Verzögerung fällt weg, und der Schiedsrichter folgt seinem ersten Impuls.

Durch die geringe Distanz zwischen Finger und Knopf können aber unbeabsichtigte Pfiffe zu einem Problem werden. «Die Schiedsrichter haben das Ding in der Hand und kommen aus Versehen auf den Knopf», kann sich Donnie Eppley, langjähriger Basketball-Schiedsrichter vorstellen. Doch trotz aller Bedenken sieht Shaw die elektronische Pfeife als gute Alternative zum klassischen Modell. Für eine flächendeckende Einführung ist die Skepsis vielerorts aber wohl noch zu groß.

(L'essentiel/es)

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