Neue Technik

04. August 2021 14:23; Akt: 04.08.2021 15:29 Print

Das Geheimnis der Olympia-​​Wunderzeiten

Die Olympischen Spiele in Tokio liefern nicht nur Spektakel, sondern auch jede Menge Rekorde in der Leichtathletik. Dafür verantwortlich sind mehrere Faktoren.

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Die Unterstützung von euphorischen Fans im Stadion fehlt den Olympioniken bei den Sommerspielen in Tokio bekanntlich. Doch auch ohne den Fan-Support purzelt in Japan gerade in der Leichtathletik ein Rekord nach dem anderen.

Ein wesentlicher Faktor für die Superzeiten ist dafür die neue Unterlage der Tokioer Tartanbahn. Die italienische Firma Mondo entwickelte in der Vergangenheit bereits zwölf olympische Laufstrecken und tüftelte nun knapp drei Jahre an der Unterlage für die Olympischen Sommerspiele in Japan.

Bahn «wie ein Trampolin»

Andrea Vallauri, Bahndesigner von Mondo, gab gegenüber der «New York Times» zu Protokoll, dass in die Bahn dreidimensionale Gummikörnchen eingebaut wurden, die eine Oberfläche ergeben, die Schläge absorbiert und die Energie «wie ein Trampolin» zurückfedere. «Wir hatten eine spezielle Ambition, mit etwas Neuem hierher zu kommen», meint Vallauri, der sich bei seiner Arbeit auch vom Feedback der Sportlerinnen und Sportler beeinflussen ließ: «Das Feedback war bei allen Athleten das gleiche: Wir wollen diese Bahn!»

«Sobald man auf der Bahn steht, lassen sie ihrer Magie freien Lauf. Das ist schon Wahnsinn», meinte zuletzt die deutsche 200-Meter-Läuferin Lisa Marie Kwayie. US-Hürden-Star Sydney McLaughlin teilte die Begeisterung ebenfalls und sagte: «Man spürt die Federung richtig. Manche Bahnen nehmen den Aufprall und deine Bewegungen einfach nur auf. Diese hier regeneriert die Energie und gibt sie dir zurück.»

Revolution der Schuh-Hersteller als weiteres Erfolgsrezept

Laut dem Turiner Tartan-Experten mache die neue Unterlage bis zu zwei Prozent schneller, weil die Bahn auf jeden Schritt mehr Rückenergie gewähre als Vorgängerbahnen. Neben der schnellen Unterlage dürften auch die neuen Schuhe einen wesentlichen Anteil an den immer schneller werdenden Zeiten in der Leichtathletik haben. Der technische Fortschritt der Spike-Treter wird traditionell vor allem in Hinblick auf Großanlässe wie Olympia vorangetrieben und ist auch in Tokio ein Grund für die vielen verbesserten Rekordmarken.

Die Schuhfabrikanten kombinierten in den letzten Jahren einen reaktiven Schaumstoff mit einer Karbonplatte. Das führte zuerst zu einer Revolution beim Marathon und danach auch bei den Bahnläufen. Der Weltverband World Athletics erließ mit Verzögerung ein Schuhreglement, das die Innovationen der Hersteller prinzipiell als konform festlegte.

Auf den kürzeren Distanzen sind momentan Sohlen bis zu einer Dicke von 20 Millimeter erlaubt. Die eingebaute Karbonplatte ist ebenfalls legal. Bei Schuhen für Straßenläufe sind sogar Sohlen mit einer Dicke von 40 Millimetern erlaubt. Die neuen Treter sorgen einerseits für ein ökonomischeres Laufen, was dazu führt, dass die Athleten weniger schnell müde werden. Anderseits geben die neuen Kunststoffe in den Sohlen viel Energie zurück.

Rekord-Flut in den Sprint-Disziplinen

Besonders für Aufsehen hatte der Norweger Karsten Warholm gesorgt, der über 400 Meter Hürden seinen eigenen Weltrekord in einer Fabelzeit von 45,94 fast um acht Zehntel pulverisierte. Noch nie war es zuvor jemandem gelungen, in dieser Disziplin unter 46 Sekunden zu bleiben.

100-Meter-Olympiasieger Lamont Marcell Jacobs knackte in 9,80 Sekunden bei seinem Gold-Lauf den Europarekord und das, obwohl er es bis zur letzte Saison nie geschafft hatte, die Königsdistanz unter der magischen Marke von 10,00 Sekunden zu laufen.


(L'essentiel/Florian Gnägi)

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