Generationenwechsel

09. August 2020 16:23; Akt: 09.08.2020 16:38 Print

Darf Froome überhaupt zur Tour de France?

Der viermalige Tour-Champion Chris Froome ist scheinbar außer Form, seine Nominierung für die Frankreich-Rundfahrt scheint fraglich. Viele junge Fahrer drängen ins Rampenlicht.

storybild

Der vierfacher Toursieger Chris Froome fährt bisher seiner Form hinterher. (Bild: DPA/Martin Rickett)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Betreuer des britischen Super-Radrennstalls Ineos mussten wieder lange warten, bis sie Chris Froome in Empfang nehmen konnten. Mehr als zwölf Minuten hinter der Spitze trudelte der viermalige Tour-de-France-Champion auf der Bergetappe am Samstag bei der Tour de l'Ain ins Ziel ein, auch am Sonntag war der Rückstand groß. «Ein Debakel», wie die französische Sportzeitung L'Equipe schrieb. Froome habe erneut mit Abwesenheit geglänzt. Und so halten sich drei Wochen vor dem Start der Frankreich-Rundfahrt hartnäckig die Gerüchte, dass der Brite gar nicht nominiert wird.

Laut der italienischen Gazzetta dello Sport sollen sieben der acht Plätze im Team vergeben sein. Um das letzte Startrecht kämpfen demnach Froome, der seit seinem schlimmen Sturz vor über einem Jahr nicht mehr so recht in Form kommt, sowie Tao Geoghegan Hart und Neuzugang Andrey Amador. Letzterer wäre der ideale Helfer für seinen südamerikanischen Kollegen und Tour-Sieger Egan Bernal, der sich mit dem slowenischen Ex-Skispringer Primoz Roglic ein Duell um den Sieg bei der Tour de l'Ain lieferte, was schon ein Vorgeschmack auf den Radsport-Höhepunkt in Frankreich gewesen sein könnte. Am Ende gewann Roglic mit 18 Sekunden Vorsprung.

Bernal steht für die Zukunft

Die starken Leistungen von Bernal und Roglic waren fast schon exemplarisch für das Wochenende. Die neue Generation übernimmt das Kommando. Bernal, 23 Jahre jung, scheint noch stärker als im Vorjahr und symbolisiert die Zukunft - zumal Froome auch das Team verlässt. Und Roglic, zwar schon 30, aber erst seit etwas mehr als vier Jahren im Profizirkus dabei, ist ein echter Anwärter auf den großen Coup.

Auch anderswo brillierten die Jungstars. Bei Mailand-Sanremo feierte der 25-jährige Wout van Aert eine Woche nach dem Triumph beim Schotterrennen Strade Bianche seinen ersten Klassiker-Sieg. Und bei der Polen-Rundfahrt legte der erst 20-jährige Remco Evenepoel, der in seiner belgischen Heimat als der neue Eddy Merckx gefeiert wird, eine beeindruckende 51-Kilometer-Solofahrt auf der Königsetappe hin.

Zeit für eine Hommage an Jakobsen

Evenepoels Vorsprung war so groß, dass er in aller Ruhe die Startnummer 75 aus seiner Rückentasche kramen und damit an seinen am Mittwoch schwer gestürzten Teamkollegen Fabio Jakobsen erinnern konnte. «Fabio war die ganze Zeit in meinem Kopf. Die Schmerzen, die ich heute hatte, sind nicht vergleichbar mit denen von Fabio. Er hat mir Kraft gegeben», sagte Evenepoel, der für die Tour noch nicht vorgesehen ist.

Remco Evenepoel widmet seinen Sieg bei der Polen Rundfahrt seinem Landsmann Fabio Jakobsen (Bild: DPA)

Jakobsen war im Sprint von seinem niederländischen Landsmann Dylan Groenewegen ins Absperrgitter gedrängt worden und hatte schwere Gesichtsverletzungen erlitten. Nach einer fünfstündigen Operation ist der Sprinter inzwischen wieder bei Bewusstsein.

Schwerer Sturz beschäftigt Fahrer in Italien

Der schlimme Sturz in Polen hatte auch das Peloton in Italien beschäftigt, zumal van Aerts Teamkollege Groenewegen der Verursacher war. «Die Stimmung war schlecht im Bus, als diese Nachricht eintraf. Umso erleichterter waren wir, als es in den letzten Tagen positivere Meldungen vom Heilungsverlauf von Fabio gab», sagte van Aert, der in Sanremo den französischen Vorjahressieger und Tour-Helden Julian Alaphilippe besiegte. «Er kann einfach alles. Er kann klettern, er kann sich auf seinen Sprint verlassen, er ist einfach enorm vielseitig», sagte sein Helfer Timo Roosen der dpa.

Van Aert sah dies ähnlich: «Bis auf die großen Rundfahrten kann ich bei allen anderen Rennen vorn sein. Ich bin auch gar nicht so schlecht im Zeitfahren.» Seine Grenzen kenne er selbst noch nicht. «Es macht mir große Freude zu entdecken, was ich noch alles leisten kann. Ich komme vom Cyclocross, und jetzt gewinne ich auf dem höchsten Niveau auf der Straße. Heute habe ich mein erstes Monument gewonnen, letztes Jahr meine erste Tour-de-France-Etappe. Mein Traum ist es, eine Karriere mit vielen verschiedenen Erfolgen zu haben», sagte van Aert. Womöglich warten in der Zukunft große Duelle mit Bernal oder Evenepoel - mit dem 35-jährigen Froome wohl eher weniger.

(L'essentiel/dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.