Buchveröffentlichung

23. Januar 2020 17:46; Akt: 23.01.2020 18:02 Print

So ausgefeilt wurde im Radsport gedopt

Mit einem Buch über Dopingpraktiken im Radsport sorgt Rudy Pevenage für Wirbel. Mit ausgeklügelten Methoden ging der frühere T-Mobile-Teamchef und Mentor von Jan Ullrich zu Werke.

storybild

Jan Ullrich und Rudi Pevenage haben beim Team-T-Mobile zusammengearbeitet. (Bild: Gero Breloer)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Doppelwandige Cola-Dosen, Blutbeutel in Milchpaketen oder Codenamen für Doping-Kuriere: Was das Zeug für einen Spionage-Streifen hätte, beschreibt lediglich die ausgeklügelten Doping-Praktiken im Radsport. Rudy Pevenage, langjähriger Mentor von Jan Ullrich, hat ausgepackt. In seiner am Donnerstag erschienenen Biografie «Der Rudy» räumt der Belgier langjährige Dopingpraktiken ein und berichtet ausführlich über die düsteren Machenschaften zu jener Zeit.

«Ich möchte niemanden verletzen, erzähle aber die Wahrheit darüber, was ich mitgemacht und gesehen habe», schrieb Pevenage, der Ullrich in seiner gesamten Profikarriere als Teamchef, Trainer und Betreuer begleitet hatte. 1997 gewannen sie zusammen die Tour de France, drei Jahre später krönte sich Ullrich zum Olympiasieger, dazu gewann er zweimal den Weltmeister-Titel im Einzelzeitfahren, ehe 2006 im Zuge des Skandals um Dopingarzt Eufemiano Fuentes der tiefe Fall und schließlich auch das wenig ruhmreiche Karriereende folgte.

Zwei Jahre Sperre

Der deutsche Radstar wurde 2012 vom Internationalen Sportgerichtshof Cas wegen seiner Verwicklung in den Skandal zu einer zweijährigen Sperre verurteilt. Ein Jahr später gab Ullrich in einem Focus-Interview zu, Fuentes-Behandlungen in Anspruch genommen zu haben. Ullrich war zu einer Stellungnahme am Donnerstag nicht zu erreichen.

Pevenage berichtet in seinem Buch, wie er vor dem Tour-Start 2004 in Lüttich ein Hotelzimmer im nahen Kelmis mit einem Extra-Kühlschrank angemietet hat. Die Blutbeutel wurden in leeren Milchkartons verpackt. Ein früherer Mountainbiker mit dem Codenamen Ali Baba diente als Kurier und brachte die Pakete den Fahrern ins Hotel. «Am folgenden Abend kamen auch (die Ärzte) José Luis Merino und Eufemiano Fuentes zu uns. Es wurde eine Liste mit Fahrern erstellt, die Ali Baba als Träger besuchen musste. (...) Die Blutbeutel wurden sorgfältig in leere Milchkartons verpackt und mit einem Code versiegelt. Der Plan war, sie dem richtigen Fahrer gleich nach dem Abendessen in den jeweiligen Hotels zu übergeben», schrieb Pevenage.

Falsche Cola-Dose als Versteck

Mitunter wurde es auch brenzlig, wie etwa bei einer Razzia 2001 in Italien, als Pevenage schnell eine Insulinspritze zerbrach und die Toilette hinunterspülte. Vergessen hatte er nur die raffiniert präparierte Cola-Dose - offenbar ohne Folgen. «Die Dose war doppelwandig, und man konnte sie oben aufschrauben, um Medikamente einzufüllen und aufzubewahren. Sehr praktisch. Durch die Doppelwand blieb der Inhalt kühl und war von außen nicht von einer echten Dose Cola zu unterscheiden», erklärte Pevenage.

So perfekt ging es nicht immer zu. Die Verbindungen zwischen Fuentes und Ullrich wurden auch durch eine Handy-Panne von Pevenage während des Giro d'Italia 2006 aufgedeckt. Als Ullrich das Einzelzeitfahren gewann, wollte Pevenage dies vor lauter Freude Fuentes mitteilen. Die Telefonkarte seiner Freundin sei aber leer gewesen, daher habe er sein eigenes Handy benutzt. «Das war nicht so schlau, sie haben ihn abgehört. So hatten die Ermittler und die spanischen Polizei plötzlich meine Nummer», schrieb Pevenage, der auch Dopingpraktiken während seiner aktiven Karriere einräumte.

Der Skandal um Fuentes war 2006 im Zuge der Operacion Puerto aufgeflogen. Zahlreichen Radprofis wurden die beim Arzt gelagerten Blutbeutel per DNA-Abgleich zugewiesen, darunter auch Ullrich. Pevenage wurde vom T-Mobile-Team entlassen. Eine Rückkehr in den Radsport gab es für ihn nicht mehr.

(l'essentiel/dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.