Luxemburger Basketballer

08. Mai 2018 10:45; Akt: 23.05.2018 16:04 Print

Vom Klosterschüler zu «Mister 110 Prozent»

TRIER – Thomas Grün spielt für die Gladiators Trier. Der Luxemburger Basketballer erzählt über Mamas Starthilfe, schwierige Schritte und den Traum vom Profitum.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

3000 Fans flippen total aus. Die Halle steht Kopf. Es sind mehr Glücksgefühle unterwegs als in der letzten Arbeitsstunde vor einem langen Wochenende. Der Auslöser dieser Minuten der reinen Ekstase ist ein Luxemburger – und der wird von seinen Mitspielern fast erdrückt. Man muss sich kurz Sorgen um Thomas Grün machen. Doch irgendwann schält sich der Basketballer von Zweitligist Gladiators Trier mit heiler Haut aus dieser Menschentraube heraus. «Das war sicherlich der emotionalste Moment für mich in dieser Saison. Der Spielzug verlief ja nicht nach Plan. Dass der Wurf dann noch reingeht, war schon Wahnsinn», sagt Grün rückblickend auf seinen Buzzer-Beater beim 84:83-Erfolg seines Teams gegen die Hamburg Towers Mitte Februar.

Dass Grün nun vor tausenden Zuschauern als Profi auf dem Basketballplatz steht, hat er seiner Mutter zu verdanken. Denn die machte ihrem Sohn Beine, als der in jungen Jahren die meiste Zeit daheim saß. «Meine Mutter meinte, ich soll doch mal etwas machen, wie andere Kinder in meinem Alter auch. Da war ich fünf Jahre. In Zolwer gab es ein Basketballteam. Das war zu meinen Elternhaus in Differdingen am nächsten. Also bin ich da halt hin», erzählt der 23-Jährige grinsend. Mit Basketball hatte er bis dahin überhaupt nichts am Hut. Sein Talent zeigte sich jedoch schnell. Bei der U16-Europameisterschaft in Estland war er für Luxemburg dabei, obwohl er zum jüngeren Jahrgang gehörte. Das war die endgültige Initialzündung. Für ihn stand nun fest: «Ich will Profi werden.»

Nach dem Turnier in Tallinn erhielt er vier Anfragen aus Deutschland und Frankreich. «Vorher war es ein normaler Kindheitstraum. Dann wurde es plötzlich konkreter», sagt der Flügelspieler. Er entschied sich für das Basketball-Internat vom Team Ehingen Urspring, das in der Nähe von Ulm beheimatet ist. Mit 16 Jahren sagte er Luxemburg und seinem Heimatverein Zolwer «Äddi». Das war nicht immer einfach. «Ich war vorher schon einigermaßen selbstständig. Das habe ich hinbekommen. Aber meine Familie und Freunde habe ich schon vermisst», gesteht der bodenständige Differdinger. Drei Jahre lief er für das Jugendteam des Zweitligisten auf, machte daneben sein Abitur. «Wir wohnten in einem alten Kloster. Das stand mitten im Wald. Da gab es sonst nichts. Also konnte man sich ganz auf Basketball und die Schule konzentrieren», berichtet Grün.

Plan B gibt es nicht

2014 folgte der nächste Schritt für seinen Traum vom Profidasein. Grün schloss sich dem Nachwuchsteam des französischen Erstligisten SLUC Nancy an. Dort machte er mit 19 Jahren nochmals einen Sprung. Doch für die starke erste Mannschaft war der zu groß. Ein Wechsel musste her, sonst würde der Profitraum ins Stocken geraten. «Natürlich macht man sich oft Gedanken darüber, wie es weitergeht. Aber einen Plan B hatte ich nicht», verrät der Nationalspieler. Den brauchte er auch nicht. Denn die Gladiators Trier klopften schon recht früh bei ihm an. Der deutsche Zweitligist suchte nach Spielern aus der Umgebung. «Der Verein kommunizierte klar, dass jeder eine Chance bekommen würde.»

Seine Chance hat Thomas Grün genutzt. Er ist ein Arbeiter, der sich nicht schont. Mister 110 Prozent wird er genannt. Ein sympathischer Typ, der nur auf dem Platz abhebt. Das kommt bei den Fans in Trier gut an. Bereits in seiner ersten Saison stand er im Schnitt 16 Minuten auf dem Platz. Mehr als er sich erhoffte. Der Lohn folgte prompt: Sein Vertrag wurde zwei weitere Jahre bis 2019 verlängert. In der abgelaufenen Saison schaffte es Trier abermals in die Playoffs. Durch das 3:2 in der «best-of-five»-Serie gegen Heidelberg in Runde eins zogen sie sogar ins Halbfinale ein und standen dicht vor dem Aufstieg in die Bundesliga. «Wir haben Trier kurzfristig in Euphorie versetzt», sagt er lächelnd. Gegen Crailsheim gab es dann aber eine 1:3-Pleite. Damit endete eine gute Saison für Trier und Grün. Er stand über 18 Minuten pro Spiel auf dem Platz, erzielte im Schnitt 4,2 Punkte – und sorgte für ein Highlight, das die Arena Trier erbeben ließ.

(Henning Jochum/L'essentiel)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.