Missbrauch in 1. Liga

05. April 2018 15:42; Akt: 05.04.2018 15:44 Print

Junge Fußballer zu Sex genötigt – für gute Schuhe

Argentiniens Fußballwelt wird von Missbrauchsvorwürfen erschüttert. Jungspieler sollen zur Prostitution gezwungen worden sein – für bessere Sportausrüstung.

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Sie träumten wohl alle davon, eines Tages so wie ihr Vorbild Lionel Messi zu sein – für einige Fußballspieler aus der Nachwuchsabteilung zweier argentinischer Erstliga-Klubs wurde der Traum jedoch zum Alptraum. Mehrere Jugendliche sollen beim Verein River Plate zu sexuellen Handlungen gedrängt worden sein, im Klub Independiente habe es sogar ein Netzwerk von Kinder-Prostitution gegeben. Im Gegenzug seien den jungen Spielern Geld, der Aufstieg in andere Mannschaften oder Sportausrüstung wie Fußballschuhe versprochen worden.

Die Fälle kamen erstmals ans Licht, als Mitte März zwei Independiente-Jugendspieler im Alter von 14 und 19 Jahren dem Vereinspsychologen davon erzählten. Bei River Plate war es eine ehemalige Team-Ärztin, die vom Missbrauch im Internat des Klubs zwischen 2004 und 2011 erfahren hatte. Kurz danach erstattete die Kinderhilfsorganisation Avivi Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Buenos Aires.

Sechs Menschen in Haft — darunter ein Schiedsrichter

«Wir untersuchen die Zeugenaussagen von Familien, deren Kinder Opfer eines Pädophilennetzwerks wurden», sagte Staatsanwältin Maria Soledad Garibaldi vor einigen Tagen. 53 Jugendspieler sollen demnächst von der Justiz befragt werden, wie Diario Perfil berichtet. Inzwischen sind sechs Personen verhaftet worden — darunter ein Schiedsrichter und ein Veranstalter von Jugendturnieren.

Die Täter sollen die Situation der Kinder und Jugendlichen in den Internaten der Klubs ausgenutzt haben, lautet der Vorwurf der Behörden. Viele Nachwuchsspieler stammen aus ärmeren Provinzen im Landesinneren, sind von ihren Familien getrennt – und stehen unter einem enormen Druck. Nur zwei bis drei Prozent schaffen den Sprung in die erste Liga.

Der Fall zieht weitere Kreise

Noch zeichnet sich nicht ab, welches Ausmaß die Untersuchung annimmt. Laut Infobae habe es nicht nur sexuellen Missbrauch von Fußballspielern gegeben, sondern auch von Volleyballspielerinnen. Die Behörden befürchten, dass auch weitere Klubs betroffen sein könnten.

«Leider überrascht mich das nicht», sagte Independiente-Trainer Ariel Holan zu Infobae. Sexueller Missbrauch sei etwas, «was im Verborgenen geschieht und ein gesamtgesellschaftliches Problem ist – wie Drogen- und Alkoholmissbrauch oder Menschenhandel.»

(L'essentiel/kle)

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