Rassismus-Vorwürfe

07. September 2017 19:51; Akt: 07.09.2017 19:53 Print

Polizist bedroht schwarzen Football-​​Star mit Pistole

Der Football-Spieler Michael Bennet hat genug vom Rassismus in den USA. Er tritt mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit.

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Der Rassismus gegen Schwarze in den USA ist omnipräsent. Davon ist nicht nur der zurzeit vertragslose Quarterback Colin Kaepernick überzeugt. Der 29-Jährige geriet bereits letztes Jahr in die Schlagzeilen, weil er sich beim Abspielen der US-Nationalhymne an NFL-Spielen hinkniete, statt zu stehen. Damit wollte er auf die Missstände in den USA aufmerksam machen, denn es kam und kommt noch immer zu brutalen Polizeiaktionen und sozialen Ungerechtigkeiten, speziell gegen Schwarze.

Diese Vorwürfe untermauert nun Michael Bennet. Der Spieler der Seattle Seahawks wandte sich per offenen Brief via Twitter an die Öffentlichkeit. Darin beschreibt er einen Vorfall, der ihm nach dem Megafight Mayweather gegen McGregor widerfuhr. Als er die Halle in Las Vegas verließ und auf dem Weg zu seinem Hotel war, hätten mehrere hundert Personen etwas gehört, das wie Pistolenschüsse klang. «Wie die meisten Menschen, die anwesend waren, rannte ich vor dem Geräusch der Schüsse davon und suchte Schutz», schreibt der Defensive End.

«Meinen verdammten Kopf wegblasen»

Da hätten ihn plötzlich Polizisten ausgewählt und mit ihren Pistolen auf ihn gezielt. «Und das nur dafür, dass ich nichts gemacht habe, außer dass ich schwarz bin und zur falschen Zeit am falschen Ort war.» Ein Polizist forderte ihn auf, sich auf den Boden zu legen. Obwohl Bennet tat, wie ihm befohlen worden war, habe der Polizist seine Pistole in die Nähe von Bennets Kopf gehalten und gesagt, dass «er mir meinen verdammten Kopf wegblasen werde, wenn ich mich bewege».

Dann sei ein zweiter Officer dazugekommen und habe ihm sein Knie mit voller Kraft in den Rücken gedrückt, so dass Bennet nur schwer atmen konnte. Dann klickten die Handschellen. Hilflos habe er am Boden gelegen und um sein Leben gefürchtet, so Bennet weiter. Er habe sich gefragt: «Werde ich sterben, nur weil ich schwarz bin und meine Hautfarbe offenbar eine Bedrohung darstellt?»

Was hat er denn getan?

Immer wieder habe er die Polizisten gefragt, was er denn getan habe. Er wurde konstant ignoriert, die Officer hätten nur zu ihm gesagt, er solle still sein. Später sei er zu einem Polizeiwagen gebracht worden, «wo ich mich hinsetzen musste. Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an.» Dann habe die Polizei offenbar gemerkt, wer er war. «Sie realisierten, dass ich kein Gangster oder normaler schwarzer Mann war, sondern Michael Bennet, ein berühmter Football-Profi.» Nachdem er seine Identität bestätigt hatte, durfte er auf der Stelle gehen, eine Begründung für das übertrieben aggressive Anhalten durch die Beamten blieb aus.

Für Bennet ist nun noch klarer geworden, dass in den USA keine Gleichheit herrsche. Er habe sich deshalb auch schon zuvor – ähnlich wie Kaepernick – bei der Nationalhymne hingesetzt. «Egal, wie viel Geld du verdienst, welchen Arbeitstitel du hast oder wie viel du gibst, wenn du wie ein ‹Nigger› aussiehst, wirst du wie einer behandelt.» Der Fall werde nun untersucht, so der 31-Jährige abschließend.

Kameras waren nicht eingeschaltet

Gegen Bennets Behauptungen steht die Aussage von Vize-Sheriff Kevin McMahill des Polizeidezernats Las Vegas: «Ich kann Ihnen sagen, dass ich keine Beweise dafür sehe, dass die Hautfarbe bei diesem Vorfall irgendeine Rolle gespielt hat.» Er bestätigte interne Untersuchungen. Zwar haben die involvierten Polizisten bei der Aktion Kameras auf Mann getragen, nur seien die nicht eingeschaltet gewesen. «Ich weiß nicht warum, aber das wird Teil der Untersuchungen sein», sagte McMahill.

Auch Quarterback Kaepernick meldete sich zu Wort. Er antwortete zu Bennets Tweet: «Dieser Übergriff auf meinen Bruder Michael Bennett ist widerlich und ungerecht. Ich stehe an der Seite von Michael, und ich stehe an der Seite der Menschen.»

(L'essentiel)

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