Fans dürfen rein

31. Juli 2020 17:09; Akt: 31.07.2020 17:10 Print

Die Snooker-​​WM wird zum riskanten Corona-​​Testlauf

Hunderte Zuschauer fiebern im Crucible Theatre mit, wenn die besten Snooker-Spieler um den Weltmeistertitel kämpfen – das löst bei vielen Unverständnis aus.

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Es gab in den letzten Jahrzehnten nicht viele Dinge, die Ronnie O’Sullivan aus der Ruhe bringen konnten. Der Engländer gilt als einer der besten Snooker-Spieler der Geschichte, er holte sich insgesamt fünf Mal den WM-Titel. Einmal räumte er innerhalb fünfeinhalb Minuten alle Kugeln in der perfekten Reihenfolge für ein Maximum-Break ab – da war er gerade mal 21 Jahre alt.

Er zelebrierte seine Kunst oft mit einem neckischen Lächeln auf dem Gesicht, und wenn ihm mal langweilig wurde, dann spielte der Rechtshänder einfach ein paar Minuten mit links. Doch nun hat O’Sullivan seine Coolness verloren.

Wenn die Snooker-WM in diesen Tagen bis zum 16. August in Sheffield über die Bühne geht und sich die besten Spieler mit ultimativer Präzision am grünen Tisch messen, dann werden auf der Tribüne auch einige Hundert Zuschauer sitzen und mitfiebern – mit nur wenigen Metern Abstand zu den Profis.

Testlauf für neues Hygienekonzept

Ganz zum Ärger vieler Spieler, allen voran O’Sullivan. Der 44-Jährige sagt: «Ich halte es für ein unnötiges Risiko. Ich glaube einfach nicht, dass Menschenleben in Gefahr gebracht werden sollten.» Und das Ausnahmetalent poltert weiter und spricht davon, dass er und seine Kollegen wie «Laborratten» behandelt würden, aber irgendwo müsse «man ja anfangen, dann halt bei den Snooker-Spielern».

Die strengen Worte von O’Sullivan haben ihren Grund. Die Snooker-WM soll in England als eine Art Testlauf für ein ausgeklügeltes Hygienekonzept während Sportveranstaltungen dienen, damit auch bald wieder Darts-Turniere und Fußballspiele im großen Stil durchgeführt werden können.

250 bis 350 Zuschauern soll in Sheffield jeden Tag Einlass in die Snooker-Arena gewährt werden. An den Eingängen stehen Desinfektionsmittel-Spender, auf den Gängen müssen Masken getragen und auf den Zuschauerrängen soll Abstand gehalten werden.

Angst? Stolz!

Die Organisatoren des Events sehen bei alldem keine Probleme. Im Gegenteil, sie sind stolz darauf, dass die Snooker-WM einer der ersten Sportevents im Land sein wird, bei denen wieder Andrang und Stimmung herrschen wird. Barry Hearn, Chef der World Snooker Tour, sagt: «Wir hoffen, dass dieses Ereignis unter diesen Umständen nie wieder stattfinden wird. Aber bei dieser Gelegenheit wird es die Erfahrung noch einzigartiger und besonderer machen. Und die Fans können sicher sein, dass alle Gesundheits- und Sicherheitsrichtlinien der Regierung befolgt werden.»

Unter den Spielern herrscht jedoch wenig Zuversicht, bei gewissen sogar großes Misstrauen. Noch deutlicher als O’Sullivan sagt es die Weltnummer 48, Anthony Hamilton, der selber unter einer Asthma-Erkrankung leidet: «Ich finde es lächerlich. In einen Raum mit 300 Leuten zu gehen, geht mir gegen den Strich. Ich werde mich dort persönlich nicht wohlfühlen.» Und der 49-Jährige sagte weiter: «Wenn nur ein Mensch im Crucible krank wird und dann stirbt, dann ist es ein Mensch, der ohne jeglichen Grund gestorben ist – nur für die Unterhaltung.»

(L'essentiel/Tobias Müller)

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