Tour de France

19. Juli 2019 09:18; Akt: 19.07.2019 09:29 Print

Fahrräder sind viel besser, die Fahrer kaum schneller

1989 ereignete sich in Paris das berühmteste Zeitfahren der Geschichte. Wie hat sich die Disziplin bis heute entwickelt?

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In Versailles, vor den Toren von Paris, startete Greg LeMond als Gesamtzweiter zur letzten Etappe der Tour 1989. Als er nach 26:57 Minuten auf den Champs-Élysées ankam, so stellte sich später heraus, hatte er damit das Rennen gedreht, Leader Laurent Fignon im letzten Moment um 8 Sekunden den Sieg weggeschnappt.

Vor 30 Jahren ereignete sich dieses legendärste aller Tour-Zeitfahren. Wie sich die Disziplin seither entwickelt hat, wird nirgendwo deutlicher als beim Vergleich der Zeitfahrfahrräder von damals und heute. 1989 waren Stahlrahmen üblich, die Fahrräder aus aerodynamischen Überlegungen mit einem kleineren Vorderrad ausgestattet. LeMond ging für das Abschlusszeitfahren noch einen Schritt weiter und ließ sich einen Triathlonlenker montieren – ein Novum im Radsport. So überflügelte er Fignon auf der Zeitfahrstrecke um 58 Sekunden. Die Differenz nur dem Fahrer zuzuschreiben, wäre aber etwas vermessen – Fignon war handikapiert und konnte kaum im Sattel sitzen.

Enorme Entwicklungsfortschritte

Unterschiedliche Laufradgrößen sind heute nicht mehr erlaubt. Dafür hat die Fahrradentwicklung bei den Rahmen in den 30 Jahren enorme Fortschritte gemacht: Die heute verwendeten Carbonrahmen sind ein Vielfaches steifer und aerodynamischer.

Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass LeMonds Stundenmittel von 54,545 km/h bis heute das viertschnellste Zeitfahren der Tour-Geschichte ist. Nur Rohan Dennis, Chris Boardman und David Zabriskie gelang es, das Tempo des Amerikaners zu übertreffen, aber allen um weniger als 1 km/h.

Jean-Claude Leclercq klassierte sich 1989 auf Rang 107, 3:40 Minuten verlor er auf LeMond. Leclercq sagt über den damaligen Exploit: «Ich habe das Gefühl, wenn wir LeMonds Wattzahlen von damals kennen würden, würden wir keinen großen Unterschied zu jenen sehen, die die Besten heute produzieren.»

Als Dennis noch lächelte

Zeitfahrweltmeister Dennis mag sich nicht auf das Gedanken­experiment einlassen, ob er am Freitag mit seiner Zeitfahrmaschine LeMonds Marke übertreffen würde. «Da gibt es zu viele Variablen, die man einbeziehen müsste. Die Straßenbeschaffenheit, die Kurven, der Wind. Aber klar: Es ist sehr hart, knapp 27 Minuten mit 55 km/h zu fahren.» Dann fügt er noch an: «Es kommt auch darauf an, was ­LeMond damals sonst noch machte. Die Zeiten haben sich seither geändert ...»

Ein anderer großer Unterschied ist der Stellenwert, den die Zeitfahren vor 30 Jahren innerhalb der Tour hatten. Damals gab es drei Einzel- und ein Teamzeitfahren, über total 182,5 Kilometer. Heute sind es – der Spannung zuliebe – gerade noch 54,8 Kilometer.«Das wäre definitiv etwas für mich gewesen, da hätte ich den Gesamtsieg angestrebt», sagt Dennis grinsend am Mittwochmorgen.

Das Lachen vergeht ihm tags darauf. Der Australier gibt die Tour in der Verpflegungszone auf.

(L'essentiel/Emil Bischofberger)

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