Olympische Spiele

17. März 2020 13:35; Akt: 17.03.2020 13:39 Print

«Home office» für Leistungssportler – nur wo?

Viele Athleten suchen momentan nach Trainingsplätzen. Wie man sogar unter Ausgangssperre-Bedingungen trainieren kann, erklärt Ironman Jan Frodeno.

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Jan Frodeno lebt mit seiner Familie mittlerweile überwiegend in Spanien – unter Ausgangssperre. Er hat es aber noch relativ leicht, sich fit zu halten. (Bild: DPA/Marius Becker)

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Zwischendurch muss Jan Frodeno sich mal kurz den beiden Kindern widmen, die im Hintergrund ein bisschen Lärm machen. So ist das, auch für Hochleistungssportler im Home office. Training in Zeiten der Coronavirus-Pandemie fordert auch Athletinnen und Athleten einiges mehr ab. «Es geht jetzt darum, ein gewisses Niveau zu halten und dann zu schauen, wie es weitergeht», sagt Frodeno in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Der 38 Jahre alte dreimalige Ironman-Weltmeister ist besonders betroffen von der Coronavirus-Pandemie – Frodeno lebt mit seiner Familie im spanischen Girona. Das bedeutet: Ausgangssperre.

Soweit ist es in Deutschland noch nicht gekommen. Dennoch wachsen vor allem bei denjenigen die Sorgen, die sich auf die Olympischen Spiele vorbereiten, die - Stand jetzt - am 24. Juli in Tokio beginnen sollen. «Du kannst als Sportler versuchen, deine Tage zu strukturieren und zu planen. Aber das ist nicht immer ganz so einfach, denn häufig passieren Dinge, die du nicht planen kannst», schreibt Gina Lückenkemper bei Instagram. Die 23 Jahre alte Sprinterin wollte mit ihrem Coach eigentlich nach Florida ins Trainingslager. Sonne, gute Laune, Top-Bedingungen. Hinfällig. «Wo ich stattdessen trainieren kann? Das ist eine gute Frage! Da, wo man mich aktuell überhaupt noch trainieren lässt.»

Lückenkemper ist diesbezüglich in Gesprächen. Sie ist kein Einzelfall. Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler reiste nach einer Nacht am Flughafen noch rechtzeitig von Belek in der Türkei zurück nach Deutschland. «Was uns hier jetzt erwartet? Wir dürfen nicht die Augen vor der Realität verschließen. Nicht nur wir Sportler werden uns auf weitere Einschränkungen gefasst machen müssen», sagte der 28-Jährige aus Jena. Röhlers Arbeitsgerät blieb noch in der Türkei, es soll am Freitag mit dem Rest der Athleten mitkommen.

Die Hoffnung vieler Athleten: ein «Team-D»-Trainingszentrum

Planung, in einem erfolgreichen Sportlerleben einer der wichtigsten Faktoren, ist in diesen Tagen und Wochen und womöglich Monaten fast unmöglich – weil die Durchführung letztlich offen ist. Unsicherheit macht sich breit mit Blick auf Olympia, und damit sind nicht mal die Spiele selbst gemeint. «Wenn sie sechs Wochen lang nicht trainieren, brauchen wir sie nicht mehr zu entsenden», sagte beispielsweise die Leiterin des geschlossenen Olympiastützpunkts Hamburg/Schleswig-Holstein, Ingrid Unkelbach, der dpa. Sie hat einen Antrag auf eine Sondergenehmigung gestellt, damit die Athletinnen und Athleten wieder ihr Training für die Olympischen Spiele aufnehmen können.

Eine Hoffnung: Ein «Team-D»-Trainingszentrum in Kienbaum bei Berlin. Viele Fragen sind noch offen, darunter, wann es beginnen soll und wie die Bedingungen sein werden. Der Deutsche Olympische Sportbund habe die Initiative aber gestartet, «um möglichst vielen Fachverbänden zu helfen», sagte Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe aus Potsdam. Doch wird - wie überall derzeit - vieles auch von der weiteren Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 abhängen.

Sport- und Trainingshallen geschlossen

Während Triathlon-Superstar Frodeno, dessen Saisonhöhepunkt die Ironman-WM auf Hawaii im Oktober sein soll, auf dem Laufband und auf der Rolle laufen und radeln kann und mit Seilzügen die Schwimmbewegungen nachahmt, wird es für Sportler mit der Trainingssimulation schwerer, die auf einen direkten Gegner angewiesen sind.

Nach einer entsprechenden Verbandsanweisung dürfen die deutschen Ringer vorerst zwei Wochen nur individuell üben. Frank Stäbler, 30 Jahre alter deutscher Ausnahme-Ringer, arbeitet nach der Schließung von Sporthallen und Trainingsarenen daher im umgebauten Hühnerstall auf dem elterlichen Hof. «Wir sind komplett auf uns allein gestellt», sagte er. Home office für Hochleistungssportler – eine Alternative mit großen Einschränkungen.

(L'essentiel/dpa)

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