Australian Open

18. Januar 2018 07:00; Akt: 17.01.2018 20:17 Print

Ist Sabalenka die neue Extrem-​​Stöhnerin?

Ignorieren. Den Ton abstellen. Wegzappen. Was, wenn man den schreienden und stöhnenden Tennis-Stars im Stadion ausgesetzt ist? Melbourne zeigt, was sich nicht gehört.

Powertennis und Powerstimme: Alina Sabalenka. (Video: Tamedia/7Tennis)

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Es gehört dazu. Es nervt. Es grenzt an Lärmbelästigung. Es ist schlicht unerträglich. Auch Rafael Nadal und Novak Djokovic tun es, aber die heftig diskutierten Beispiele zum exzessiven Stöhnen und Schreien im Tennis sind bei den Frauen auszumachen.

Wie sich das Publikum am Dienstagabend gegenüber der 19-jährigen Arina Sabalenka aus Weißrussland verhielt, gehört sich nicht. Lokalmatadorin als Widersacherin – sie spielte gegen die Australierin Ashleigh Barty – hin oder her.

Die Fans verspotteten die Weißrussin, die den ersten Durchgang mit 7:6 für sich entschieden hatte, indem sie zwischen den Ballwechseln ihre Laute imitierten. Barty, die am Ende in drei Sätzen gewann, wurde während der Partie dabei beobachtet, wie sie sich an ihre Box wandte – das Zitat «Sie ist so laut» wurde ihren Lippen entnommen.

«Habe mich darauf vorbereitet»

Wie kanadische Forscher vor Jahren herausgefunden haben wollen, verunsichert das exzessive Stöhnen sehr wohl. Es soll die Fehlerquote beim Gegenüber erhöhen und zu einer verlangsamten Reaktion führen. Fliegt ein Ball nach einem «gestöhnten» Schlag mit 80 km/h heran, empfindet ihn die Spielerin um 60 Zentimeter näher, als er es in Wirklichkeit ist.

Verunsichern nein, beschäftigen ja. «Ich wusste es und habe mich darauf vorbereitet. Während den ersten paar Games gewöhnt man sich daran», offenbarte die 21-jährige Australierin. Barty hatte sich weder während der Partie bei der Schiedsrichterin noch nach ihrem Sieg negativ über den permanent lauten Geräuschpegel beschwert.

Gegen Ende des zweiten Durchgangs schritt dann aber die Unparteiische ein. «Ladies and gentlemen, please, during the rally, do not scream», forderte sie das Publikum auf. Insofern eine unglückliche Wortwahl, weil es Sabalenka war, die während der Ballwechsel für Lärm sorgte. Ihrem Gesichtsausdruck zu entnehmen, war ihr unmittelbar bewusst, was als Antwort von den Rängen folgte: Gelächter. Die Zuschauer legten noch einen drauf – und kriegten im Nachgang öffentlich Zuspruch.

Die neue Scharapowa

Die Experten sind sich weitgehend einig: Die Powerfrau aus Minsk ist äußerst talentiert, ihr Geräuschpegel aber ein Graus. Der ehemalige australische Tennisprofi Todd Woodbridge ist der Ansicht: «Sie ist eine tolle Spielerin, aber gegen den Lärm muss etwas unternommen werden.» Ähnliches gab Pam Shriver, eine ehemalige amerikanische Spielerin, auf Twitter von sich: «Sabalenka hat 347 verschiedene Geräusche drauf. Was für ein Talent.»

«Wir müssen uns wohl an eine weitere Scharapowa oder Asarenka gewöhnen», meinte Steve Pearce, der die Partie für das Turnier-Radio begleitete. Beide gehören zu den bekanntesten Vertreterinnen, genauso die mittlerweile 37-jährige Venus Williams und ihre Schwester Serena. Die Diskussionen hatte 1992 aber Monica Seles lanciert.

Im Wimbledon-Halbfinale beschwerte sich Martina Navratilova bei der Schiedsrichterin über die Lautstärke der damals 18-jährigen Serbin. Nach ihrem Sieg nahm sich Seles vor, den Pegel im Finale gegen Steffi Graf zu senken. Sie verlor 2:6, 1:6 und schrieb später in ihrer Biografie: «Das war eines der wenigen Dinge, die ich im Leben bereut habe.» Sie stöhne nicht, um ihr Gegenüber zu verunsichern.

(L'essentiel)

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