Umdenken

04. August 2020 14:52; Akt: 05.08.2020 07:37 Print

Kommt für Fußballer eine Gehaltsobergrenze?

Eine große Ausrede zur Gehaltsobergrenze ist weg: Zwei Rechtsgutachten kommen zur Erkenntnis, dass ein Lohndach doch mit EU-Recht vereinbar ist. Dennoch winkt Uli Hoeneß ab.

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Robert Lewandowski gilt als bestverdienender Spieler der Bundesliga. (Bild: Stuart Franklin/Getty Images)

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Das Ergebnis zweier Rechtsgutachten hat in der Bundesliga für Aufsehen gesorgt. Eine Gehaltsobergrenze im Fußball sei durchaus möglich und mit dem EU-Recht vereinbar, heißt es in den Schreiben. Voraussetzung, um den Millionenlöhnen eine Grenze zu setzen, sei aber die Einführung eines sogenannten Salary Cap durch die Uefa. Bisher hatte das Argument, die Gehaltsbegrenzung sei nicht mit dem EU-Recht vereinbar, die Debatte meist schnell beendet.

Die Rechtsgutachten wurden vom Vizepräsidenten des deutschen Bundestags, Thomas Oppermann, an die Wissenschaftlichen Dienste in Auftrag gegeben. Die Gutachten sollen den Clubs der 1. und 2. Bundesliga am Dienstag auf der Liga-Mitgliederversammlung vorgestellt werden. Bei den 36 Vereinen dürfte die Nachricht in Zeiten der Existenzängste Hoffnung wecken.

So viel Unterstützung für die Idee wie noch nie

Oppermann, der auch dem Ethikkomitee des Deutschen Fußball-Bundes vorsitzt, will für eine solche Obergrenze – auch international – werben. «Das ganze Geschäftsmodell des Fußballs stand durch die Corona-Krise mit einem Schlag auf der Kippe», sagte Oppermann gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Im Herbst wolle er bei einer Tagung in Brüssel die Chancen ausloten, «eine entsprechende Regelung europarechtlich abzusichern».

Spitzenvertreter aus dem Fußball hatten sich zuletzt skeptisch geäußert. Der sozialdemokratische Politiker aber ist von der Idee überzeugt. Die Chance darauf sei nun «schwarz auf weiß» dokumentiert: «So viel Rückenwind für eine vernünftige Regelung des Spielermarktes gab es noch nie.»

«Grundsätzlich hat man gemerkt, dass in der Zeit seit März, seit der Corona-bedingten Unterbrechung der Saison und ihren finanziellen Folgen, bei vielen Clubs eine Art Umdenken stattfand», sagte Alexander Rosen, Sportchef von Hoffenheim. Ob ein Salary Cap durchsetzbar sei, wisse er nicht: «Aber man darf sich Gedanken machen über den Prozess.» Bestätigt sieht DFB-Präsident Fritz Keller seine Einstellung zu diesem Thema. «Ich habe bereits vor einigen Wochen für mehr Nachhaltigkeit im Fußball auch auf die Sinnhaftigkeit von Gehaltsobergrenzen hingewiesen», erklärte er.

Hoeneß hält nichts davon

Dagegen hält der frühere Präsident von Bayern München, Uli Hoeneß, nichts davon. «Das wird nicht funktionieren», sagte er im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Bei der G-14, dem früheren Zusammenschluss der großen europäischen Clubs, habe man mal ein Gentlemen’s Agreement geschlossen, sich gegenseitig die Spieler nicht wegzukaufen. «Bis zur nächsten Sitzung hatten wieder zwei von den Größten den anderen was weggeholt», sagte er. Da habe man das wieder beendet.

Eine Einführung eines Salary Cap nur in der Bundesliga wird im Gutachten als «wenig zielführend» angesehen. Da auch die Europäische Kommission einer rechtlichen Regelung von sich aus «eine klare Absage» erteilt habe, liege es an der Uefa, für mehr Chancengleichheit durch niedrigere Löhne zu sorgen. Am Montag wollte der europäische Verband die Gutachten nicht kommentieren.

(L'essentiel/va/dpa)

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