Wütende Mütter

05. November 2020 11:12; Akt: 05.11.2020 11:14 Print

Turnstar Biles setzt sich gegen Sexismus ein

Die 23-jährige US-Amerikanerin ist derzeit in Werbespots eines Essens-Lieferdienstes zu sehen. Zusammen mit dem nicht-binären Jonathan Van Ness. Das gefällt nicht jedem.

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Biles setzt sich auf Twitter für die LGBTQIA-Community ein. (Bild: Foto: Keystone)

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Simone Biles geht es nicht gut. Sie leidet, ist wütend. Zum einen hat das wohl mit dem knappen Ergebnis der US-Wahl zu tun, bei der sie offen für Joe Biden plädierte. Zum anderen wohl auch damit, dass sich die erfolgreichste Kunstturnerin der Geschichte mit 25 WM-Medaillen derzeit mit einer Gruppe von wütenden, konservativ-christlichen Müttern herumschlagen muss.

Ein Blick auf ihren Twitter-Account zeigt ihre Gefühlslage. Neben Wahlaufrufen ist dort ein Tweet zu sehen, der bestens zeigt, wie es ihr geht. Darin heißt es: «Die Welt, in der wir leben, macht mich traurig, aber ich würde x1000000 mehr Werbung mit dir machen, nur um alle wütend zu machen! Die LGBTQIA (Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual, Queer, Intersex, Asexual) wird immer meine Unterstützung haben und sich in meinen sozialen Netzwerken willkommen fühlen.»

Was war also passiert?

Die Mütter wettern gegen alles

Nun, Uber Eats präsentiert derzeit eine groß angelegte Werbekampagne. In dieser zu sehen: Turnstar Biles sowie Jonathan Van Ness, ein US-amerikanischer Friseur, Podcaster, TV-Persönlichkeit. Eine Person, die sich als nicht-binär bezeichnet. Also als ein Mensch, der sich weder als Mann noch als Frau fühlt. Der Essens-Lieferdienst drehte mit den beiden mehrere Videos.

Die Handlung ist grundsätzlich immer die gleiche. Biles macht irgendeine Sportübung. Dabei sagt sie, was sie essen will. Momente später wird von Uber Eats das Gewünschte geliefert. Van Ness kommt ins Bild, sagt, dass er dieselbe Bestellung hat – und macht dann die Sport-Übung von Biles nach. Die Message dahinter: «Alles, was Simone Biles kann, kann Jonathan Van Ness auf seine eigene, erstaunliche Weise – und auch du!»

Die Videos sind witzig, kurzweilig. Kurz: Uber Eats hat es geschafft, sich auf eine humorvolle Art und Weise zu bewerben. Dass diese Meinung aber nicht alle teilen, ist klar – das zeigt auch Biles’ Twitter-Post. Besonders die konservativ christliche Mütter-Gruppe «One Million Moms» wettert gegen die Videos, den Lieferdienst, den Turnstar.

Dass die Gruppe so wild um sich schlägt, ist nicht verwunderlich. Sie ist dafür bekannt, Inhalte mit LGBTQIA-Charakteren und -Stars zu kritisieren. Im Dezember 2019 zogen etwa mehrere US-amerikanische TV-Sender eine Fernsehwerbung, in der ein lesbisches Paar heiratete und sich küsste, zurück. Dies, nachdem eine Petition der Gruppe fast 26.000 Unterschriften erhalten hatte.

Uber Eats widerspricht der Kritik

Die Vorwürfe der Gruppe sind happig. Sie wirft den Machern vor, die Zuschauer «einer Gehirnwäsche» unterziehen zu wollen, «anstatt sich auf den Lieferdienst zu konzentrieren während der Pandemie». Und: «Anstatt dem Publikum durch die Verherrlichung eines LGBTQ-Lebensstils den Appetit zu verderben, sollte sich Uber Eats auf das konzentrieren, für was es steht, und in kontroversen Fragen neutral bleiben.» «One Million Moms» lanciert gar eine Online-Petition, die das Ziel der Kampagnen-Absetzung hat. Über 6000 Menschen haben sie bereits unterschrieben.

Dennoch – eine wirkliche Chance werden die konservativ-christlichen Mütter mit ihrem Anliegen nicht haben. Das zeigen die klaren Worte der jungen US-Amerikanerin und auch die Reaktion von Uber Eats. So widerspricht das Unternehmen den Müttern vehement. Gegenüber «NBC Stars» sagte ein Sprecher: «Wir setzen uns ohne Wenn und Aber für die Darstellung des Geschmacksspektrums ein.» Und: «Von Tacos bis Talent mögen wir es scharf. JVN und Simone dienen dem Turnen und dem Selbstbewusstsein. Eigenschaften also, die Millionen von Müttern überall unterstützen.»

Und so verpufft der Angriff wohl in der Luft. Auch dank Simone Biles, der US-amerikanischen Turnerin, die mit 25 Medaillen die erfolgreichste WM-Teilnehmerin aller Zeiten ist.

(L'essentiel/Nils Hänggi)

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