Luxemburger Fussballerin

13. Januar 2017 14:35; Akt: 13.01.2017 16:20 Print

USA-​​Abenteuer wird zum Gefühlsrodeo

LUXEMBURG - Als Fußballerin Amy Thompson die Chance bekommt, in den USA zu kicken und zu studieren, wird für sie ein Traum wahr - doch nichts lief wie geplant.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Sie war mehrmals kurz davor aufzugeben. Schon bevor die Reise los ging. Nach den ersten Tagen. Nach dem ersten Semester. Doch Amy Thompson kämpfte. Sie wollte es allen beweisen. Ihrer Familie, ihren Freunden, ihren Kritikern – und in erster Linie sich selbst. Sie zog es durch – und sollte es nicht bereuen. Die Luxemburgerin war eineinhalb Jahre in den USA, um dort Fußball zu spielen und zu studieren. Sie erlebte eine emotionale Achterbahnfahrt, die man nicht besser erfinden kann. «Wenn ich jetzt darauf zurückblicke, würde ich alles noch einmal genau so machen», erzählt Thompson nach ihrer Rückkehr ins Großherzogtum.

Thompson ist eine der besten Fußballerinnen Luxemburgs. Von 2013 bis 2015 spielte sie beim 1. FC Saarbrücken in der 2. deutschen Bundesliga. Dort zählte sie die meiste Zeit zum Stammpersonal. Doch gegen Ende 2014 fiel die 18-fache Nationalspielerin (12 Tore) in ein emotionales Loch. Dann hörte sie von einem Probetraining für Fußballerinnen, die in den USA studieren wollen. «Das war etwas, was ich schon immer wollte», sagt Thompson. Sie spielte vor. Fünf Trainer von fünf Universitäten waren dort – und alle wollten sie. Sie entschied sich für die Stony Brook in der Nähe von New York und erhielt sogar ein Vollzeitstipendium.

Fußball-Sperre im ersten Semester

Doch bevor es los ging, kam der erste Schock. Die Soziologie-Studentin bekam nicht alle Kurse anerkannt, welche sie in Luxemburg bereits belegt hatte. Dadurch fehlten ihr Punkte für das Studium. Aufgrund verschiedener Regeln in den USA bedeutete das, dass sie zunächst nicht für die Uni spielen durfte. «Das war sehr schwierig. Aber es gab für mich keine andere Wahl. Ich wollte das unbedingt», erzählt sie. Also nahm sie die Fußball-Sperre zu Beginn in Kauf und reiste im August 2015 über den großen Teich.

Als Thompson dann bei den ersten Trainingseinheiten mitmachte, traf sie fast der Schlag. «Die sind da alle rumgerannt wie ein Hühnerhaufen. Ich hatte mir das Niveau ganz anders vorgestellt», sagt die 148,5 Zentimeter (auf die ,5 besteht sie) kleine Technikerin. «Ich wollte mit meinem Vater direkt wieder zurück.» Doch sie blieb, trainierte und belegte Kurse. Ein Teil der Mannschaft wurde sie aber nicht. «Ich war nur im Training dabei und konnte dem Team nicht helfen. Das war hart.» Sie sehnte die Semesterferien herbei und war froh, wieder in Luxemburg zu sein.

Traumhaftes Debüt

Im zweiten Semester hatte sie dann endlich ihre Spielerlaubnis. Doch die Saison war vorbei und im April gab es nur fünf Off-Season-Spiele. Mit ihr gewann die Uni alle fünf Partien. Dann folgte ihr drittes und letztes Semester. Thompson war nun voll dabei. Sie war integriert, fühlte sich wohl und stand im ersten Spiel auf dem Platz. 20 Minuten. Dann musste sie verletzt raus. Anriss des vorderen Kreuzbandes. Fünf Wochen Pause. «Ich war am Boden zerstört. Ich wollte doch nur Fußball spielen», erzählt die 22-Jährige. Knapp einen Monat später saß sie zum ersten Mal wieder auf der Bank. Sie wurde eingewechselt. Dann geschah das, was es sonst nur in Filmen gibt. Sie traf in der Verlängerung per Golden-Goal zum 2:1-Sieg. «In dem Moment war ich komplett überfordert. Es kam alles aus mir raus und die Tränen schossen mir in die Augen. Ein unglaubliches Erlebnis», gibt sie zu.

Nun lief es rund für Thompson und die Stony Brook. Mit der Luxemburger Offensivkraft gewann das zuvor mittelmäßige Team acht der nächsten elf Partien. Thompson erzielte fünf Tore und bereitete vier Treffer vor. Vor dem ersten Spiel der Playoffs folgte der nächste Dämpfer. Sie zog sich eine Zerrung zu. Ohne ihre Antreiberin verlor die Stony Brook in der ersten Runde gegen Vermont im Elfmeterschießen. Aus und vorbei. Trotz der wenigen Spiele wurde die Rechtsfüßerin von ihrer Uni zur Spielerin des Jahres gewählt und schoss auch das Tor des Jahres. Ein schönes Andenken. Doch es gibt Wichtigeres, wie sie selbst erkennt: «Ich habe viel über mich selbst gelernt und einige Freunde fürs Leben gefunden. Die Zeit werde ich nie vergessen.»

(Henning Jochum/L'essentiel)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • McJemp am 13.01.2017 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Schéin, mee daat heescht 1,485 Meter oder 148,5 CM

Die neusten Leser-Kommentare

  • McJemp am 13.01.2017 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Schéin, mee daat heescht 1,485 Meter oder 148,5 CM