Auch ohne Chelsea-Fraktion

01. Juni 2018 09:05; Akt: 01.06.2018 09:08 Print

Wieso Spanien vor der WM erstaunlich ruhig bleibt

Trotz umstrittener Personalentscheide des Nationaltrainers sind die erwarteten Diskussionen ausgeblieben. Das untermauert die Stärke des Weltmeisters von 2010.

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Traf mutige Entscheidungen: Spaniens Nationaltrainer Julen Lopetegui (links). (Bild: Rodrigo Jimenez)

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Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären Nationaltrainer. Und stellen Sie sich vor, Sie haben für Ihr erstes großes Turnier die Wahl zwischen einem Stürmer von Chelsea und einem von Celta Vigo. Oder zwischen einem Außenverteidiger von Real (der nebenbei auch alle Positionen im Mittelfeld beherrscht) und einem Rechtsverteidiger von Real Sociedad San Sebastián.

Nun, das war die Ausgangslage für Julen Lopetegui, den spanischen Nationalcoach. Und beide Male traf er die weniger offensichtliche Wahl. So wird Iago Aspas für Spanien auf Torjagd gehen, und die Alternative zum derzeit verletzten Dani Carvajal hinten rechts heißt Álvaro Odriozola. Ähnlich überraschend ließ Lopetegui unter anderem Chelseas Mittelfeldspieler Francesc Fàbregas sowie die Abwehrspieler Marc Bartra und Marcos Alonso zu Hause. Bartra, im Winter von Dortmund zu Betis Sevilla gewechselt, um vor der WM zu genug Spielzeit zu kommen, sagte enttäuscht: «Ich habe alles gegeben und viel geopfert, um in Russland dabei zu sein. Aber es gilt, die Entscheidung des Trainers zu respektieren.»

Nur die drei Superstars trafen öfter als Aspas

Dennoch blieben die großen Diskussionen auf der iberischen Halbinsel aus – was nicht nur damit zu tun hatte, dass der Champions-League-Finale mit Real Madrid gerade mehr interessierte. Vielmehr sind die namhaften Absenzen ein eindrucksvoller Beleg für den Fundus an Qualität, aus dem sich der 51-jährige Baske bedienen kann. Oder hätten Sie für Fàbregas auf einen der folgenden Spieler verzichtet? Busquets, Koke, Thiago, Isco, Saul? Außerdem schoss dieser Celta-Stürmer Aspas in der vergangenen La-Liga-Saison 22 Tore. Nur Messi, Ronaldo und Suarez trafen häufiger. Und Odriozolas Qualitäten hat nicht nur Lopetegui erkannt, sondern auch die technische Leitung von Real Madrid: Laut spanischen Medien will der Rekordmeister die festgeschriebene Ablösesumme von 40 Millionen Euro bezahlen.

Trotzdem ist es erstaunlich, wie viel Mut Spaniens Nationalcoach vor seiner ersten großen Bewährungsprobe, seinem ersten Großanlass, bei der Selektion bewies. schließlich wird nichts anderes von ihm erwartet, als nach zwei enttäuschenden Endrunden Spanien wieder dorthin zu bringen, wo es sich seit 2008, seit seinem ersten großen Titel der Neuzeit, sieht.

Starke Leistungen in der Qualifikation

Vielleicht liegt es auch an den beeindruckenden Leistungen unter dem früheren Porto- und U-21-Nationaltrainer, dass ihm ein weiterhin ruhiges Arbeiten möglich ist. In einer gefährlichen Qualifikationsgruppe mit Albanien und Italien holten die Iberer 28 von 30 möglichen Punkten – dazu kam Ende März das brillante 6:1 im Test gegen Argentinien.

So kann sich der Schweizer Testspielgegner vom Sonntag ohne unangenehme Nebengeräusche auf die WM vorbereiten. Gestört werden könnte diese Harmonie erst am 15. Juni – dann dafür richtig. Am zweiten WM-Tag treffen die Spanier auf Portugal. Bei einer Niederlage würden bei den traditionell ungeduldigen Medien bestimmt erste kritische Stimmen laut, und mit einem Sieg gegen den Europameister dürften einige euphorisierte Fans und Experten bereits mindestens eine Hand am WM-Pokal sehen.

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(L'essentiel)

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