Fall Peng Shuai

02. Dezember 2021 12:13; Akt: 02.12.2021 12:19 Print

China kritisiert WTA für Turnierabsagen

Am Mittwoch greift der Frauentennis-Weltverband im Fall der verschwundenen Spielerin Peng Shuai durch: keine Turniere mehr in China. Peking kontert am Donnerstag.

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«Die WTA zwingt Peng Shuai dazu, die Attacke des Westens auf das chinesische System zu unterstützen», eröffnet der für seine markigen Worte bekannte Hu Xijin seinen Tweet. Damit reagiert der Chefredakteur der chinesischen Staatszeitung «Global Times News» auf die Entscheidung der WTA, China bis auf weiteres die Durchführungsrechte der Turniere zu entziehen. Hu Xjin weiter: «Sie verweigern Peng Shuai das Recht auf freie Meinungsäußerung und verlangen, dass ihre Schilderung ihrer derzeitigen Situation ihren Erwartungen entsprechen muss.»

WTA greift durch

Der Hintergrund: Aufgrund der Situation um die Tennisspielerin Peng Shuai hat die Damen-Tennis-Tour WTA alle Turniere in China und Hongkong ausgesetzt. Dies gab WTA-Chef Steve Simon am Mittwoch bekannt. «Mit gutem Gewissen sehe ich nicht, wie wir unsere Athleten fragen können, dort anzutreten, wenn es Peng Shuai nicht erlaubt ist, frei zu kommunizieren», erklärte der WTA-Chef am Mittwoch in einer Mitteilung. Peng Shuai werde anscheinend unter Druck gesetzt, ihre Vorwürfe der sexuellen Übergriffe zu widerrufen. «Ich bedaure sehr, dass es so weit gekommen ist», sagte Simon.

Peking gegen «Politisierung des Sports»

Auch die «Global Times News» selbst kommentiert am Donnerstagmorgen mit einem Tweet, worin Außenministeriumssprecher Wang Wenbin (50) zitiert wird: «China hat sich schon immer entschieden gegen die Politisierung des Sports ausgesprochen.»

IOC trifft Peng Shuai im Januar

Offenkundig gegen eine Politisierung des Sports spricht sich auch stets das Internationale Olympische Komitee (IOC) aus. Aufgrund des wachsenden Drucks der Öffentlichkeit rund um das Verschwinden Peng Shuais wurde der Dachverband der Sportwelt vor gut zwei Wochen dennoch aktiv: IOC-Präsident Thomas Bach verlangte in China nach einem Lebenszeichen der Tennisspielerin und durfte sich mit einem schließlich im Rahmen eines halbstündigen Video-Calls mit Shuai austauschen. Dies wurde breit kritisiert und als naiv abgetan. Forderungen nach einem härteren Kurs des IOC gegenüber China wurden laut. «Wir wählen gezielt den Weg der ruhigen Diplomatie», verteidigt der Deutsche am Donnerstag sein Vorgehen. Dieser Weg habe sich in humanitären Angelegenheit erfahrungslaut als effektiv erwiesen, so Bach.

Der 67-jährige bestätigt, dass ein Team aus IOC-Mitarbeitern am Mittwoch eine zweite Videokonferenz mit Peng Shuai führen konnte, wobei man der Chinesin weitgreifende Unterstützung angeboten habe. «Wir führen regelmäßigen Kontakt mit ihr und haben ein persönliches Treffen im Januar vereinbart», verspricht Bach.

Djokovic unterstützt WTA

Derweil spricht sich Novak Djokovic (34) positiv über den WTA-Rückzug aus China aus: «Ich unterstütze die Haltung der WTA voll und ganz, weil wir nicht genug Informationen über Peng Shuai und ihr Wohlergehen haben», sagte die Weltnummer 1 der Männer am Rande des Davis Cups in Madrid. Die Gesundheit von Peng Shuai sei für die Tenniswelt von größter Bedeutung, so der Serbe.

Die WTA hat die Aussagen aus Peking bisher nicht kommentiert. Auch nicht auf die Aufforderung von Hu Xijin, seinen Tweet zu kommentieren.

(L'essentiel/Silvan Haenni)

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