Massen beim Tennis

14. Juni 2020 16:46; Akt: 14.06.2020 18:54 Print

Corona? Für Djokovic ist das Virus weit weg

Social Distancing gibt es nicht mit dem Serben: Bei seiner Adria-Tour sind die Stadien gut gefüllt und die Fans vergnügt. Er will es damit auch Amerika zeigen.

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Keine Berührungsängste: Novak Djokovic gibt an der Adria-Tour den nahbaren Gastgeber. Corona ist für ihn weit weg. (Bild: Foto: Andrej Cukic (Keystone))

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Die Absichten von Novak Djokovic schienen durchaus hehr. Er hatte wie viele andere den Drang, so bald wie möglich zur Normalität zurückzukehren. Weshalb er die Adria-Tour auf die Beine stellte, eine Tournee mit Schaumatches in Belgrad, Zadar (Kroatien) und Sarajevo, deren Erlös karitativen Zwecken gespendet wird. Mit Dominic Thiem und Alexander Zverev konnte er dafür sogar zwei Top-10-Spieler gewinnen. Und doch ist es nun wieder nicht recht.

Vor allem in den USA und Großbritannien, die zusammen mit Brasilien die meisten Covid-19-Toten beklagen, war der Aufschrei in den (sozialen) Medien groß, als am Freitag und Samstag Bilder vom Anlass kursierten: ein volles Stadion, die Zuschauer dicht gedrängt aneinander, und Sportler, die jegliche Abstandsregeln vermissen lassen. Wer dies sieht, könnte meinen, das Coronavirus sei besiegt. Solche Verhaltensweisen berühren vor allem in Ländern unangenehm, in denen es sich aktuell weiter oder wieder rasant verbreitet.

Als Djokovic die Tour plante, wusste er nicht, ob vor Zuschauern gespielt werden könnte. Doch das rasante Tempo der Lockerungen in Serbien hat ihm in die Karten gespielt. Seit dem 5. Juni ist die Anzahl Besucher von Veranstaltungen unter freiem Himmel nicht mehr limitiert. Und nur noch ältere Menschen und chronisch Kranke sollen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Geschäften Masken tragen. Am Mittwoch fanden sich in Belgrad zum Fußball-Stadtrivalenderby über 20’000 Zuschauer ein – Partizan besiegte Roter Stern 1:0 und zog in den Cupfinal ein.

«Das ist eine positive Botschaft», verteidigte Djokovic seine Adria-Tour. «Natürlich kann man kritisieren und sagen, dies sei gefährlich. Aber es ist nicht an mir, die Entscheidungen zu treffen, was gesundheitstechnisch richtig ist. Wir folgen einfach den Richtlinien, die uns die serbische Regierung vorgibt. Wenn wir die Möglichkeit haben, auf diese Weise zusammenzukommen, dann nutzen wir sie.»

Serbien ist mit seinen rund sieben Millionen Einwohnern bisher ziemlich glimpflich durch die Pandemie gekommen – mit gut 12’000 Fällen und offiziell 253 Corona-Toten. Allerdings steigen die Neuinfektionen wieder leicht an: In der vergangenen Woche waren es täglich rund 70, also gut doppelt so viele wie jüngst in der Schweiz. Djokovic hatte vorgehabt, mit seiner Adria-Tour auch im Kleinstaat Montenegro aufzutreten, doch da wird ihm nun die Einreise verweigert.

Ob der Serbe mit seiner Tour die Gesundheit der Zuschauer und Spieler leichtfertig aufs Spiel setzt, wird man erst in einigen Wochen sehen, anhand der Fallzahlen. Die andere Frage ist, welches Signal die prominenten Tennisprofis mit ihren Auftritten aussenden. Dirk Hordorff, der Vizepräsident des Deutschen Tennis-Bunds, zeigte sich gegenüber dem deutschen Sport-Informationsdienst SID sehr kritisch: «Man muss eine gewisse Verantwortung zeigen, was man in Zeiten einer Pandemie nach außen transportiert. Wenn man sich in den USA zur gleichen Zeit noch Sorgen um die Sicherheit der Menschen macht, ist es vielleicht nicht das richtige Zeichen.»

Ein Fingerzeig nach New York

Man könnte es auch so interpretieren: Djokovic zeigt den Amerikanern, wie es auch gehen könnte. Der Weltranglistenerste hat die rigorosen Maßnahmen für das ab 31. August geplante US Open harsch kritisiert und gedroht, unter diesen Umständen nicht teilzunehmen. Vorgesehen ist dort, dass die Spieler für das Turnier quasi kaserniert werden im Hotel und nur eine Begleitperson mitnehmen dürfen. Zuschauer sind auch keine erlaubt.

Was für ein Kontrast, wenn man sieht, wie unbekümmert sich die Tenniscracks und Zuschauer dieser Tage in Belgrad präsentieren. Djokovic zeigt mit seiner Adria-Tour die Welt nach Corona. Oder zwischen den Infektionswellen.

(L'essentiel/Simon Graf)

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