Final-Drama

15. Juli 2019 10:58; Akt: 15.07.2019 11:05 Print

«Danke, dass Sie mich an 2008 erinnern»

Roger Federer konnte seine Gefühle nach der epischen Finalniederlage gegen Novak Djokovic nicht richtig einsortieren.

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Sie verpassten bei 8:7 im 5. Satz zwei Matchbälle. War das schwer zu verkraften?

Ich versuchte, positiv zu bleiben. Es war ja immer noch 8:8. Ich lag nicht mit einem Break zurück. Aber es war schon hart, diese Chancen verpasst zu haben.

Bedauerten Sie, dass die Partie bei 12:12 im 5. Satz mit einem Tiebreak entschieden wurde?

Es ist, wie es ist. Ich respektiere die neue Regeln.

Sie gewannen 14 Punkte mehr als Djokovic. Haben Sie das Gefühl, der bessere Spieler gewesen zu sein?

Das ist egal. Ich weiß, was ich gut gemacht hatte. Und wie nahe dran ich war. Ich kann zufrieden sein mit meiner Leistung.

Wie haben Sie die beiden verpassten Matchbälle erlebt?

Wenn beim ersten der erste Aufschlag drin ist, wäre er vielleicht ein Ass gewesen. Denn Novak war schon in die andere Richtung gegangen. Ich überlegte mir dann, Aufschlag-Volley zu spielen. Aber dann dachte ich, ich spiele so, wie ich vorher immer gespielt habe. Das ging leider nicht auf. Aber ich kann mir nichts vorwerfen. Ich habe alles gegeben.

Sie verloren alle drei Tiebreaks, obwohl Sie der bessere Aufschläger waren. Was lief falsch?

Es ist anders, Tiebreaks zu spielen als Aufschlagspiele. Das Momentum ist ein anderes. Jeder Punkt ist wichtig. Ich kann jetzt auch nicht mehr genau sagen, was ich falsch gemacht habe. Manchmal war ich vielleicht zu passiv, dann wieder zu aggressiv. Und er hat gut gespielt. Wenn du mehr auf Sicherheit spielst wie er, spielst du einfach dein Spiel in den Tiebreaks und schaust, was der andere bringt. Ich habe mich immer wieder in gute Situationen hineingespielt, konnte diese aber nicht verwerten.

Hinter Ihnen lauern Nadal und Djokovic, die Sie nach Grand-Slam-Titeln überholen wollen. Ist das stressig für Sie?

Es war eine große Sache, als ich den Rekord (von Sampras) brach. Aber heute ist es anders. Ich ziehe Motivation aus verschiedenen Dingen. Aber nicht so sehr daraus, dass ich jetzt unbedingt ­vorne bleiben will nach Grand-Slam-Titeln. Ich habe den Rekord gebrochen, wenn ihn nun jemand anders wieder bricht, gut für ihn. Man kann nicht alles verteidigen. Ich spiele nicht Tennis wegen solcher Dinge. Sondern, weil ich Wimbledon gewinnen, auf dem Centre Court spielen wollte vor einem solch großartigen Publikum wie heute. Ich denke, ich kann sehr zufrieden sein mit dem Niveau, das ich heute noch bringe.

Die Niederlage erinnerte von der Dramatik her an 2008. Wie empfinden Sie das?

Danke, dass Sie mich an 2008 erinnern! Das habe ich jetzt gerade noch gebraucht. (lacht) Na ja, diesmal hatten wir keine Regenpausen, es war nicht dunkel am Schluss. So gesehen war es unkomplizierter. Aber natürlich war es auch diesmal ein episches Ende. Und ich war beide Male der Verlierer. Das war also gleich.

Damals wirkten Sie nach der Partie total zerstört. Jetzt ­scheinen Sie gefasster. Stimmt der Eindruck?

Ich bin älter geworden. Aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich mich im Moment fühle. Enttäuscht, traurig, verärgert? Ich habe eine unglaubliche Chance verpasst, kann es fast noch nicht glauben. Ich würde sagen, ich bin vor allem verärgert.

Wie verarbeiten Sie dieses Match? Reden Sie oft darüber?

Irgendwann vergisst du es. Meistens geht das bei mir recht schnell. Jede weniger ich darüber rede, desto besser. Ich kann das Match nicht nochmals spielen, das nützt also nichts. Ablenkung habe ich genug. Und die nächsten vier Wochen bin ich nicht bei einem Turnier, also muss ich auch nicht mehr mit Journalisten über dieses Match reden. Du musst nach vorne schauen, es vergessen. Und die guten Dinge mitnehmen. Davon gab es sehr viele. Jetzt tut es weh. Aber ich möchte nicht allzu lange deprimiert sein wegen eines großartigen Tennismatches.

Wie geht es für Sie weiter?

Ich werde jetzt ein bisschen frei nehmen. Das ist schon lange so vorgesehen. Dann geht es weiter mit der Hartplatzsaison. Weil Wimbledon so spät ist, habe ich nicht so lange frei. Aber wir ­haben letzte Woche entschieden, dass ich nicht in Montreal spiele, sondern erst in Cincinnati.

(L'essentiel)

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