Ohne Federer, Nadal und Djokovic

13. September 2020 14:58; Akt: 13.09.2020 15:05 Print

Zverev will den ersten US-​​Open-​​Sieg seit Becker

Im Finale gegen Thiem bietet sich Zverev eine historische Chance: In Abwesenheit der «Big Three» kann er als erster Deutscher seit Boris Becker das US Open gewinnen.

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31 Jahre nach Boris Becker bietet sich Alexander Zverev die ersehnte historische Chance. Deutschlands bester Tennisprofi will seinen US-Open-Lauf mit der ersten Grand-Slam-Trophäe krönen. «Der Job ist noch nicht erledigt, ich bin bereit», sagte der 23-jährige Hamburger vor dem Finale am Sonntag (ab 22 Uhr) in Flushing Meadows gegen seinen Kumpel Dominic Thiem.

Für ein paar Stunden wird die gute Freundschaft der beiden Athleten ruhen, einer von beiden wird sich als Premierensieger in den Grand-Slam-Statistiken verewigen.

Zverev im Finale Außenseiter

In Abwesenheit von Rafael Nadal und Roger Federer und nach der Disqualifikation von Novak Djokovic haben zwei der vielversprechendsten Protagonisten der nachrückenden Generation ihre Chance genutzt. Vieles bis alles spricht für den 27-Jährigen aus Österreich – und vielleicht liegt genau dort die Chance für Zverev, der erstmals während dieses so merkwürdigen US Open als Außenseiter in einen Match geht.

Für Thiem ist es der vierte Finale bei einem der vier großen Turniere nach dem French Open 2018 und 2019 sowie dem Australian Open in diesem Jahr, für Zverev der erste. Thiem musste im Turnier erst einen Satz abgeben, Zverev schon sechs. Im Direktduell-Vergleich führt Thiem 7:2.

Adria-Tour, Erkrankung des Vaters und neuer Trainer

«Ich bin noch nicht fertig», kündigte Zverev dennoch an, nachdem er im Halbfinale den Spanier Pablo Carreño Busta 3:6, 2:6, 6:3, 6:4, 6:3 niedergerungen und erstmals in seiner noch immer jungen Karriere einen 0:2-Satzrückstand wettgemacht hatte. Was ihm jedoch vor nicht allzu langer Zeit noch als Überheblichkeit oder Arroganz ausgelegt worden wäre, entspringt jetzt einer neuen Reife und einem Wandel zu einem «Mentalitätsmonster», wie es Boris Becker formulierte.

Ausgerechnet in diesem so schwierigen Jahr mit der Corona-Auszeit und dem Zuschauerausschluss in New York schaffte es Zverev in seinen ersten Grand-Slam-Finale – ein Status, den ihm Federer, Nadal und Co. schon lange zutrauen. Umso bemerkenswerter allerdings, dass es Zverev in diesem turbulenten Jahr gelungen ist, bei den Grand Slams zum Titelkandidaten zu werden.

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Denn die Saison hielt so einige Volten bereit: den verkorksten Jahresauftakt beim ATP-Cup in Australien, dann aber den erste Major-Halbfinale beim Australian Open gegen Thiem, die fatale Adria-Tour mit Verstößen gegen Hygieneempfehlungen mitten in der Coronavirus-Krise, die Erkrankung seines Vaters, aber auch die Verpflichtung des neuen spanischen Trainers David Ferrer.

Thiem: «Er ist eine ganz, ganz hohe Hürde»

Und jetzt also tatsächlich die Aussicht auf den ganz großen Coup, die scheinbar die meisten Berichterstatter voller Pathos formulieren lässt: Die Video-Pressekonferenz mit Zverev begann mit der Frage, dass beim letzten Sieg eines männlichen deutschen Tennisprofis in New York die Mauer noch stand und ob Zverev bewusst sei, dass er nach Becker 1989 wieder Geschichte schreiben könne. «Zunächst mal heißt das, dass Boris damals gewonnen hat. Das muss ich erst noch schaffen», sagte der Weltranglisten-Siebte nüchtern.

Im Halbfinale des Australian Open lieferten sich die beiden Freunde einen spektakulären Schlagabtausch mit dem knapp besseren Ende für Thiem. «Sascha ist eine ganz, ganz hohe Hürde, und ich weiß, wozu er in der Lage ist», sagte indes der Weltranglisten-Dritte.

Zverev wiederum weiß, welch gewaltige Chance sich ihm bietet: Er kann und will sich zum ersten deutschen Turniersieger beim US Open seit Becker 1989 krönen. Und vor allem will er endgültig den Makel tilgen, bei den ganz großen Gelegenheiten stets vor dem letzten Schritt zu scheitern. «Jetzt sind nur noch zwei Spieler dabei, und einer wird den Pokal am Ende in die Höhe halten», sagte Zverev. «Ich freue mich drauf.»

(L'essentiel/dpa)

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