Wenig Freiheiten

27. Oktober 2021 14:44; Akt: 27.10.2021 15:00 Print

100 Tage vor den Winterspielen in Peking

China verfolgt eine strikte «Null-Covid-Politik»: Alle Teilnehmer der Winterspiele dürfen sich nur kontrolliert in «Blasen» bewegen. In der Pandemie schottet sich China ab.

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Die Winterspiele im Februar in Peking werden wegen Chinas rigoroser «Null-Covid-Strategie» anders als alle anderen olympischen Wettkämpfe bisher. Hundert Tage vor Beginn der Spiele wird immer klarer: Es wird wenig Bewegungsfreiheit für Sportler, Trainer, Helfer und Journalisten geben. Alle Teilnehmer werden sich nur in «geschlossenen Kreisläufen» bewegen dürfen: Von der Ankunft bis zur Abreise, vom Bett bis zu den Wettkampfstätten - alles in hermetisch abgesperrten Transportsystemen. Regelmäßig wird auf Corona getestet werden. Wer nicht geimpft ist, muss drei Wochen in Zwangs-Quarantäne.

Die Spiele vom 4. bis 20. Februar, gefolgt von den paralympischen Wettbewerben vom 4. bis 13. März werden auch ganz anders als die Spiele im Sommer in Japan. War es in Tokio eher eine «Blase mit vielen Löchern», durch die Teilnehmer auch mal ins Land schlüpfen konnten, wie vereinzelt geschildert wurde, zieht China vielmehr «doppelte Wände» hoch. Es soll verhindert werden, dass auch nur eine einzige Infektion unkontrolliert ins Land gebracht wird.

Internationales Sportereignis trifft auf Abschottung

Das strenge Regime ist die Konsequenz aus der strikten Corona-Politik, mit der das bevölkerungsreichste Land die Pandemie besser in den Griff bekommen hat als andere. Gab es anfangs Kritik an der langsamen Reaktion auf die ersten Infektionsfälle im Dezember 2019 in Zentralchina, reagieren die Behörden seither scharf und schnell mit Ausgangssperren, Quarantäne, Massentests und Kontaktverfolgung. Seit Sommer 2020 hat es in China nur noch kleinere Ausbrüche gegeben.

Allerdings hat sich das Milliardenreich auch weitgehend gegenüber dem Ausland abgeschottet. Von den wenigen, die einreisen dürfen, werden bis zu drei Wochen in einer Quarantäne-Einrichtung verlangt. Dazu passt eigentlich kein internationales Sportereignis von der Größe Olympischer Spiele: Rund 2900 Athleten reisen an – zusätzlich mit Tausenden Sportfunktionären und Medienvertretern.

Nach Olympia 2008 ist Peking die einzige Metropole, die sowohl Sommer- als auch Winterspiele abhält. An drei Orten finden die Wettkämpfe statt: In der Hauptstadt selbst, in dem Vorort Yanqing und in Zhangjiakou in der angrenzenden Provinz Hebei. Die Sportstätten sind längst fertig. Es laufen gerade internationale Testwettkämpfe, zu denen auch schon 460 Sportler eingereist sind. Helfer in Schutzanzügen empfingen sie am Flughafen. So werden auch die «geschlossenen Kreisläufe» und Transportsysteme erstmals getestet.

«Großartig und prachtvoll»

«Internationale Testwettkämpfe mit Ausländern stattfinden zu lassen, erhöht das Covid-19-Risiko, aber wir haben einen weitgehenden Plan zur Eingrenzung und eine Überwachung eingeführt, um die Sicherheit aller Teilnehmer und besonders die Bewohner der gastgebenden Orte zu schützen», sagte Huang Chun, der für die Vorbeugung gegen die Pandemie zuständige Vizedirektor des Organisationskomitees.

«Die Wettkampfstätte ist großartig und prachtvoll», rühmt die Niederländerin Isabel Grevelt das neu gebaute Eislauf-Stadion. «Die Vorbeugungsmaßnahmen gegen die Pandemie geben mir ein sicheres Gefühl», zitieren sie Staatsmedien und geben damit auch die gewünschte Botschaft der Organisatoren wieder. Das chinesische Eiskunstlauf-Paar Sui Wenjing und Han Cong will seinem Land, das selbst keine große Wintersportnation ist, alle Ehre machen: «Unser Ziel für Peking 2022 ist es, die Nationalhymne auf dem Medaillen-Platz zu hören und die Nationalflagge gehisst sehen.»

Wie bei den Sommerspielen vor 14 Jahren in Peking rufen Menschenrechtsgruppen auch diesmal wieder zu einem Boykott der Spiele auf. Die Kritiker prangern Verfolgung der Tibeter und Uiguren an, die Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong und die schlechte Menschenrechtslage. Bei der Entzündung der olympischen Flagge in Griechenland protestierten Aktivisten mit einer tibetischen Flagge und einem Banner mit der Aufschrift «Keine Völkermord-Spiele».

Olympia als Propaganda-Ereignis

Die Aufrufe bleiben aber folgenlos. Zuletzt wurde meist nur noch ein politischer Boykott gefordert. Aber ausländische Politiker reisen ohnehin wegen der Pandemie nicht nach Peking. Überhaupt sind keine internationalen Zuschauer erlaubt. Nur Publikum aus China darf teilnehmen - nach strengen Coronatests. Immerhin, denn in Tokio fanden die Spiele weitgehend vor leeren Rängen statt.

Wie 2008 scheut die chinesische Führung auch diesmal keine Mühen und Kosten, um den Sportlern aus aller Welt herausragende Spiele zu organisieren. War Olympia in Peking damals aber ein Symbol für die Öffnung des Landes, sind die Spiele heute eher das Gegenteil: Ein Propaganda-Ereignis für ein zunehmend autoritäres politisches System, das sich angesichts wachsenden Widerstands gegen den Aufstieg Chinas von der Welt abkapselt und auf seine eigenen Kräfte besinnen will.

(L'essentiel/DPA)

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