Schluss mit TV-Analysen

28. November 2017 10:33; Akt: 28.11.2017 10:35 Print

Das steckt hinter Laudas plötzlichem Abgang

Niki Lauda ist nicht mehr Formel-1-Experte bei «RTL»! Nach 21 Jahren gibt die PS-Ikone das Mikro endgültig ab. Hier die Gründe für seine Entscheidung.

Niki Lauda verkündet seinen Abschied in Abu Dhabi live im TV. (Video: RTL)

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«Ich habe eine persönliche Entscheidung getroffen, und zwar, dass ich nächstes Jahr nicht mehr RTL-Experte sein werde!» Mit diesen Worten schockierte Niki Lauda nach dem Formel-1-Saisonfinale in Abu Dhabi die Motorsport-Fans. 21 Jahre lang analysierte er die Rennen der PS-Königsklasse auf RTL. Jetzt wird sich der 68-Jährige ganz auf seinen Job als Mercedes-Aufsichtsratsboss konzentrieren können. Das sind die Gründe für den Rückzug des dreifachen Weltmeisters.

Fehlende Perspektive

Der Vertrag von RTL für die TV-Übertragungen der Formel-1-Rennen läuft aus. Um eine Fortsetzung ab 2018 wird gepokert. Die Gespräche laufen seit Monaten, eine Einigung gibt es bisher allerdings noch nicht.

Streit mit den Chefs

Dementsprechend stockten auch die Verhandlungen mit Lauda über eine Fortsetzung des Engagements (geschätztes Honorar: eine Million Euro). Schon zuvor hatte er Ärger mit den RTL-Bossen. Man einigte sich darauf, dass Lauda nur noch bei 13 Rennen als Experte auftritt.

Schwierige Doppelrolle

Seit September 2012 ist Lauda auch Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Teams. Obwohl der Österreicher selbst zehn Prozent des Rennstalls besitzt, trat er stets als neutraler Experte auf – und gab den eigenen Piloten nicht immer uneingeschränkt Rückendeckung. Das gefiel einigen Mitarbeitern bei Mercedes nicht. Ebenso wenig die Tatsache, dass Lauda auch interne Informationen ausplauderte.

Unglückliche Aussagen

Ein Beispiel: Im Juli 2016 bestätigte Lauda auf ServusTV, dass Lewis Hamilton nach der Qualifikation für das Rennen in Baku in seinem Quartier ausgerastet war. Eine Information, die bis dahin nur als Gerücht existierte. Mercedes dementierte umgehend mit einer Pressemitteilung: «Niki be­dau­ert es sehr, wenn da­durch Miss­ver­ständ­nis­se ent­stan­den sein soll­ten. Seine Aus­sa­gen wur­den in einem lo­cke­ren Um­feld ge­tä­tigt und stark aus dem Zu­sam­men­hang ge­ris­sen.»

Reaktionen auf Rücktritt

Fest steht: Fans wie Kollegen bedauern den Abgang Laudas bei RTL. «Ich habe erst gedacht, Niki verarscht mich. Aber dann habe ich ihm tief in die Augen geschaut und gemerkt, dass es ihm ernst ist», sagt Moderatoren-Kollege Florian König. Sebastian Vettel ergänzt: «Er war immer sehr direkt und geradeaus. Aber er wird sicher immer noch seine Meinung sagen, wenn man ihn fragt.» Weltmeister Lewis Hamilton: «Er redet nicht um den heißen Brei herum, sondern sagt klar, was Sache ist. Für mich ist er eine große Legende dieses Sports.»

(L'essentiel/heute)