Vendée Globe

27. Januar 2021 21:46; Akt: 27.01.2021 21:54 Print

Als Erster im Ziel und doch zittert er um den Sieg

Am Mittwochabend ist es der Franzose Charlie Dalin, der bei der Vendée Globe als Erster ins Ziel kommt. Allerdings steht er noch nicht als Sieger fest.

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Endlich ist es vollbracht: Nach 80 Tagen 6 Stunden und 15 Minuten auf hoher See, in denen er Wind, Sturm, Hitze, Kälte und Einsamkeit trotzte, überquert Charlie Dalin nach 52.350 gesegelten Kilometern im Dunkeln die Ziellinie der Vendée Globe. Der Franzose beendet am Mittwoch, dem 26. Januar, als Erster die härteste Segelregatta der Welt. Noch darf sich der 36-Jährige Bootsbauingenieur bei seiner ersten Teilnahme allerdings noch nicht als Sieger des Wettkampfes wähnen, der mit einer Erstbesteigung des Mount Everest verglichen wird. Auch wenn es eine Glanzleistung ist, segelt er doch mit einer reparierten Jacht ins Ziel.

Denn hinter dem Rookie Dalin ist die Regatta noch in vollem Gang, tobt ein erbitterter Kampf und Schlusskrimi um die Podestplätze, um den Sieg. So wird im Verlauf des Abend beziehungsweise der Nacht auf Donnerstag noch der Deutsche Boris Herrmann im Ziel erwartet. Der 39-Jährige, der ebenfalls zum ersten Mal an der Weltumseglung teilnimmt und momentan auf Position 3 durch die Bucht von Biskaya segelt, könnte noch zum großen Gewinner werden. Und als Erster die Dominanz der Franzosen bei der Vendée beenden. Denn so wird Herrmann nach seiner Zielankunft noch eine Zeitgutschrift von 6 Stunden erhalten. Dies, weil er bei einer dramatischen Rettungsaktion beteiligt war, vor dem Jahreswechsel seinen Kurs ändern musste. Auch der zur Zeit Fünftplatzierte, Yannick Bestaven wird eine Bonifikation von 10 Stunden erhalten. Wird gar er zum glücklichen und späten Sieger? Mit einer endgültigen Entscheidung wird derweil für Donnerstagmorgen gerechnet. Es ist einzigartig in der Geschichte der Vendée, dass wohl erstmals Stunden, wenn nicht sogar Minuten über den Sieg entscheiden.

Noch sind 25 der ursprünglich gestarteten 33 Skipperinnen und Skipper unterwegs nach Les Sables-d’Olonne, wo die Regatta am 8. November startete und wo sie auch wieder enden wird. Viele ihrer Geschichten sind bemerkenswert, so die des einhändigen Franzosen Damien Seguien, der als erster Segler mit Handicap die Regatta beenden könnte. Da ist aber auch der Oldie Jean Le Cam, mit 61 Jahren der älteste Teilnehmer im Feld, der mit einer Jacht der älteren Generation ohne flügelähnliche Tragflächen auf eine Platzierung in den vorderen Rängen hoffen kann.

Nicht mehr in Reichweite liegt diese für den jüngsten Skipper, Alan Roura. Der 27-jährige Mann aus Genf befindet sich auf Rang 16, hat eben erst den Äquator passiert. Mit beschädigtem Boot und rationiertem Proviant ist für den Schweizer inzwischen nur schon eine sichere Ankunft ein Sieg. Keine Selbstverständlichkeit, zeigt doch ein Blick auf die Geschichte, dass es nur rund 50 Prozent der gestarteten Frauen und Männer jeweils auch bis ins Ziel schaffen.

(L'essentiel/Erik Hasselberg)

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