WM im «Ally Pally»

12. Dezember 2018 09:12; Akt: 12.12.2018 09:15 Print

Die Darts-​​Machos zittern vor zwei Frauen

Erstmals spielen bei der Weltmeisterschaft Frauen mit. Ihre Gegner haben bereits Angst vor Spott.

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Jan Dekker war alles andere als begeistert. In der ersten Runde der am Donnerstag beginnenden Darts-WM trifft der Holländer auf Lisa Ashton. «Es wird richtig schwer. Es ist ein Spiel, bei dem ich eigentlich nur verlieren kann», klagte der 28-Jährige – und brachte damit die Gefühlslage seiner Artgenossen auf den Punkt.

Zum ersten Mal in der Geschichte der WM im legendären «Ally Pally» von London hat die Professional Darts Corporation (PDC) zwei Frauen einen Startplatz reserviert. Neben der vierfachen Weltmeisterin Ashton misst sich auch ihre Finalgegnerin von 2018, Anastassija Dobromyslowa, mit den besten Männern der Welt. Für die vor Testosteron schäumende Szene ein weiterer Meilenstein. Anfang Jahr wurden bereits die Walk-on-Girls abgeschafft – die anstehende WM 2019 ist die erste, die ohne Einlauf-Frauen durchgeführt wird.

Erstrundensieg mehr wert als WM-Titel

«Wir leben in sich verändernden Zeiten», begründete Barry Hearn gegenüber dem Daily Telegraph. Der 70-jährige PDC-Präsident war es, der aus der Darts-WM ein Bierfest und Darts-Legenden wie Phil Taylor oder Michael van Gerwen zu Preisgeldmillionären machte. Ashton verdiente mit ihrem WM-Titel im Januar 10.000 britische Pfund – mit einem Erstrundensieg gegen Dekker würde sie allein schon 15.000 Pfund verdienen.

Die garantierten Startplätze für Frauen hält Dobromyslowa nicht für eine reine Geste der Großzügigkeit, wie die 34-Jährige der Welt am Sonntag sagte: «Wer Barry (Hearn) kennt, der weiß, dass er das nicht einfach so und ohne guten Grund macht.» Vielmehr vermutet sie eine Werbemaßnahme für eine geplante Turnierserie für Frauen.

Das Beispiel van der Voort

Prominente Rückendeckung erhalten die beiden WM-Teilnehmerinnen von Michael van Gerwen. Der zweifache Weltmeister prognostizierte, dass Dobromyslowa zumindest die Startrunde gegen den Briten Ryan Joyce übersteht: «Wir werden herausfinden, wie gut sie sind, manche dieser Girls können wirklich spielen.»

So machte Michael van Gerwen vor zwei Jahren seinen zweiten WM-Titel klar. (Video: Tamedia)

Dekkers große Sorge vor dem Duell mit der 48-jährigen Ashton zeigt aber, dass der Prozess der weiblichen Akzeptanz im Darts-Sport bei weitem noch nicht abgeschlossen ist. Schließlich weiß Dekker genau, wovon er spricht. Die Russin Dobromyslowa bezwang beim Grand Slam of Darts 2009 Vincent van der Voort. Der «holländische Zerstörer» wird dafür heute noch verspottet.

(L'essentiel/fas)

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