Nach Hinrichtung von Ringer

14. September 2020 07:47; Akt: 14.09.2020 07:54 Print

Die Sport-​​Welt fordert Sanktionen gegen den Iran

Trotz Protesten aus dem Ausland ist Ringer Navid Afkari im Iran hingerichtet worden. Das IOK zeigt sich ebenso geschockt wie viele Athleten und Menschenrechtler.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Hinrichtung des Ringers Navid Afkari hat die Rufe nach einer Verbannung des Iran aus dem Weltsport neu entfacht. Trotz internationaler Proteste war das Todesurteil gegen den 27-Jährigen nach Behördenangaben am Samstag im Gefängnis Adel-Abad in der südiranischen Stadt Schiras vollstreckt worden.

Athleten-Verbünde und Menschenrechtler forderten nun Sanktionen gegen den Iran und nahmen auch das Internationale Olympische Komitee in die Pflicht. Der Iran verdiene «nicht länger das Privileg, an internationalen Wettbewerben teilzunehmen», mahnte die Sportler-Union «Global Athlete».

IOK gibt sich zurückhaltend

US-Außenminister Mike Pompeo verurteilte die Hinrichtung Afkaris als «abscheulichen Angriff auf die Menschenwürde». Die World Players Association versicherte: «Wir sind fest entschlossen, dass Navid sein Leben nicht umsonst verloren hat.»

Das IOK teilte mit, es sei «geschockt» über die «sehr traurige Nachricht». Präsident Thomas Bach habe zuvor per Brief Gnadengesuche an die politische Führung des Iran gerichtet. Wie schon zuletzt erwähnte das IOK aber auch, dass es die Souveränität des Landes respektiere. Von möglichen Sanktionen gegen den Iran ist nicht die Rede. Schon vor der Hinrichtung Afkaris hatten Sportler und Organisationen das IOK ermahnt, den Druck auf den Iran zu erhöhen und das Land aus der globalen Sportgemeinschaft auszuschließen.

Iran lehnt Einmischung in innere Angelegenheiten ab

Afkari hatte nach Angaben der iranischen Justiz bei einer Demonstration 2018 in der südiranischen Stadt Schiras einen Sicherheitsbeamten getötet. Er habe die Tat gestanden, hieß es. Der Sportler, seine Familie und Menschenrechtsorganisationen führten dagegen an, das Geständnis sei durch Folter erzwungen worden. Das Todesurteil war zuvor auch vom obersten Gerichtshof bestätigt worden. Der Iran wies die Kritik aus dem Ausland zurück und lehnte sie als Einmischung in innere Angelegenheiten ab.

Die Menschenrechts-Organisation Amnesty International konterte, die Hinrichtung «nach einem unfairen Prozess ist ein Hohn für die Gerechtigkeit und verlangt nach sofortigen internationalen Maßnahmen». Wie das IOK ließ auch der Ringer-Weltverband wissen, es sei «zutiefst verstörend», dass alle Proteste von Sportlern und die Bemühungen internationaler Verbände nicht zum Ziel geführt hätten. «Wir sind am Boden zerstört», teilte die IOK-Athletenkommission mit.

« Ich verstehe diese Eile für die Hinrichtung nicht »

Afkari wurde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in der Nacht zum Sonntag beerdigt. Laut dem Menschenrechtsaktivisten Mehdi Mahmudian, der auch ein Freund der Familie Afkaris ist, durfte seine Familie nicht an der Beerdigung teilnehmen.

Über die bevorstehende Hinrichtung war Afkaris Anwalt Hassan Junessi vorab nicht informiert worden. «Zumindest hätte die Justiz eine letzte Begegnung Afkaris mit seiner Familie erlauben sollen. Ich verstehe diese Eile für die Hinrichtung nicht», twitterte Junessi.

(L'essentiel/dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.