Australian Open

28. Januar 2020 13:10; Akt: 28.01.2020 13:15 Print

Federer nach epischem Comeback im Halbfinale

Für Roger Federer schienen die Australian Open vorbei. Aber weder körperliche Probleme noch sieben Matchbälle konnten ihn stoppen.

Roger Federer schafft in Melbourne eines der wohl verrücktesten Comebacks seiner Karriere. (Video: Tennis Australia via AP)

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Roger Federer gelang bei seinen 21. Australian Open gegen die Weltnummer 100, Tennys Sandgren, sein wohl unwahrscheinlichster Comeback-Sieg. Gegen den Amerikaner verwertete er nach 3:31 Stunden seinen ersten Matchball zum 6:3, 2:6, 2:6, 7:6 (10:8), 6:3, worauf er mit Ovationen gefeiert wurde. Auf dem Weg in sein 15. Halbfinale in Melbourne, seinem 46. insgesamt bei Grand-Slam-Turnieren, hatte er im vierten Satz sieben Matchbälle abwehren können.

Federer gewann damit zum 24. Mal eine Partie, nachdem er nur noch einen Punkt vor dem Ausscheiden entfernt gewesen war. Mehr Matchbälle als gegen Sandgren hatte er noch nie annullieren können. Sieben hatte er schon 2003 in Cincinnati gegen Scott Draper überstanden. «Wie in der Welt sind Sie der Sieger in diesem Match?», fragte ihn Jim Courier im Siegerinterview. Er habe nur gehofft, dass ihm der Amerikaner keinen Winner reinhaue, er habe nichts mehr unter Kontrolle gehabt. Diesen Sieg verdiene er nicht, aber sei umso glücklicher, so Federer.

Gegen Sandgren wartete im Viertelfinale ein ganz anderer Test als in den ersten drei Runden. Erstmals musste er tagsüber antreten, wenn die Bedingungen wesentlich anders, schneller sind. Und noch dazu gegen einen Gegner voller Selbstvertrauen, der nichts mehr zu verlieren hatte, nachdem er den ersten Satz verloren hatte.

Verwarnung gegen Federer

Nachdem der große Favorit den zweiten Satz aber mit einem sehr schlechten Game eröffnet hatte und erstmals gebreakt worden war, änderte sich die Geschichte. Federer war plötzlich nur noch ein Schatten seiner besten Tage. Er verlor neun der nächsten elf Games, und als er 0:3 zurücklag, bestätigten sich die Vermutung, dass er körperlich angeschlagen war. Er bezog außerhalb des Courts ein medizinisches Time-out. Marijana Velijovic, die Schiedsrichterin, hatte zudem eine Verwarnung gegen Federer ausgesprochen, weil er laut einer Linienrichterin geflucht hatte. Eine sehr harte Sanktion, die laut Experten dutzendfach geschieht, ohne bemahnt zu werden.

Das Gesicht der Partie aber änderte sich vorerst nicht mehr markant. Sandgren hatte schon vorher große Partien bei den Australian Open gewonnen und genoss seinen Moment im Rampenlicht, spielte sich Punkt um Punkt seinem vermeintlich größten Sieg entgegen. Zu eingeschränkt war Federer, der in der Folge alles tat, längere Grundlinienduelle zu vermeiden. Er war läuferisch sichtbar gehemmt und als Rückschläger harmlos. Trotzdem konnte er Sandgren nochmals prüfen, als er im zehnten Game des vierten Satzes drei Matchbälle abwehrte und sich noch einen Breakball erspielte, den ersten seit langem.

Im Halbfinale wartet Djokovic

Sandgrens vier weitere Matchbälle kamen im Tiebreak, in dem Federer 3:6 zurückfiel. Ein Rückhandfehler des Gegners, ein Aufschlagpunkt und ein Vorhandwinner brachten ihm das 6:6. Beim siebten Matchball gewann er einen Ballwechsel mit dem 19. Schlag, einem tückischen Slice. Als Federer seinen zweiten Satzball zum 10:8 verwertete, war das Unwahrscheinliche plötzlich wieder möglich.

Tatsächlich war nun auch Sandgren angeschlagen, körperlich und mental, während Federer wieder frischer wurde, sich besser bewegte und besser servierte. Nach dem Break zum 4:2 hatte er keine Mühe, seinen sechsten Fünfsätzer in Folge in Melbourne zu gewinnen.

Nach den Nummern 75, 41, 47, 67 und 100 wartet im Halbfinale am Donnerstag nun ein Gegner von anderem Kaliber: Novak Djokovic, der große Favorit. Der serbische Titelverteidiger und Weltranglisten-Zweite gewann am Dienstag sein Viertelfinale gegen den früheren kanadischen Wimbledon-Finalisten Milos Raonic 6:4, 6:3, 7:6 (7:1). Djokovic und Federer stehen sich am Donnerstag zum insgesamt 50. Mal gegenüber. Djokovic liegt in der Bilanz mit 26:23-Siegen vorn.

Viertelfinale:

Rafael Nadal (ESP) – Dominik Thiem (AUT)
Stan Wawrinka (SUI) – Alexander Zverev (GER)
Tennys Sandgreen (USA) – Roger Federer (SUI)
Milos Raonic (CAN) – Novak Djokovic (SRB)

Halbfinale:

Roger Federer (SUI) – Novak Djokovic (SRB)

(L'essentiel)

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