Nach Corona-Demo

06. August 2020 10:50; Akt: 06.08.2020 11:10 Print

Gekündigter Basketballer sieht sich im Recht

Joshiko Saibou spielt eigentlich für die Baskets Bonn. Nun hat der Verein den Profi fristlos entlassen, nachdem dieser an der Corona-Demonstration in Berlin teilgenommen hatte.

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«Ich bin Basketballer aber in erster Linie bin ich Mensch. Wenn ich eine polarisierende Meinung habe, ist Gegenwind verständlicherweise vorprogrammiert. Daraufhin jedoch meinen Job zu verlieren ist totalitär und ein Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit», macht der deutsche Basketball-Nationalspieler Joshiko Saibou auf Instagram seinem Unmut Luft.

«Ich habe immer geglaubt, bei den Bonn Baskets steht Toleranz an oberster Stelle, aber jetzt wird mir hiermit das Gegenteil bewiesen», schreibt der 30-Jährige.

Seine Freundin fühlte sich ihrer Freiheit beraubt

Die Bonner hatten am Dienstag Saibou wegen «Verstößen gegen Vorgaben des laufenden Arbeitsvertrags als Profisportler» fristlos gekündigt. Saibou habe laut Vereinsmitteilung «wiederholt auf Social-Media-Kanälen seine Haltung zur Pandemie oder zum Virus an sich geäußert und am vergangenen Wochenende bei einer Großdemonstration auch praktiziert, indem er vorsätzlich gegen die bekannten Schutzregeln verstieß».

Von Saibou und dessen Freundin, der deutschen Leichtathletin Alexandra Wester (26), waren in den sozialen Netzwerken Fotos von ihrer Teilnahme an der Demonstration gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie am Wochenende in Berlin zu sehen.

Die Olympia-Teilnehmerin von 2016 hatte zuletzt in einem auf Instagram veröffentlichten Video beklagt, durch die Corona-Maßnahmen ihrer Freiheit beraubt zu werden. Zudem sprach sie in dem Beitrag von einem Impfzwang für die Bevölkerung oder von Ärzten und Anwälten, die die Menschenrechte verteidigen und dafür in Gefängnispsychiatrien eingesperrt würden. Saibou hatte unter dem Hashtag #AppellandenVerstand ein Video auf Instagram gestellt, in dem er seine Follower mit Bezug auf die Corona-Beschränkungen provoziert.

Zweifel aus arbeitsrechtlicher Sicht

Aus juristischer Sicht könnte Saibous Kündigung jedoch angreifbar sein. «Aufgrund der aus Presseveröffentlichungen bekannten Umstände kommen aus arbeitsrechtlicher Sicht Zweifel an der Haltbarkeit der fristlosen Kündigung auf», sagte der Arbeitsrechtler Oliver Simon von der Kanzlei CMS Hasche Sigle am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

«Dass sich ein Athlet zu Verschwörungstheorien äußert oder in sozialen Netzwerken entsprechende Inhalte ohne Bezug zu seinem Arbeitgeber teilt, dürfte in der Regel kein geeigneter Grund für eine fristlose Kündigung sein. Auch insoweit ist das grundrechtlich geschützte Recht auf freie Meinungsäußerung zu beachten», formulierte es der Jurist und verwies darauf, dass die rechtlichen Anforderungen an eine fristlose Kündigung hoch seien. Die Teilnahme an einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen habe zunächst einmal nichts mit seiner Tätigkeit als Profisportler zu tun.

Der Präsident spricht von «Fürsorgepflicht»

Bei den Bonn Baskets verwies Präsident Wolfgang Wiedlich darauf, dass «die anderen Clubs sich auf uns verlassen können müssen, dass das Infektionsschutzgesetz beachtet und die Hygieneregeln eingehalten werden. Wenn wir das nicht schaffen, gefährdet das nicht nur unsere, sondern die Existenzgrundlage aller Vereine der BBL.»

Ende März gab es bei den Baskets «fünf Infizierte, davon drei Erkrankte und darunter eine Person, die wochenlang auf der Intensivstation lag und künstlich beatmet wurde», teilte er erstmals mit. «Es kann uns keiner verdenken, dass wir nach dieser Erfahrung zu Anfang der Pandemie unsere Fürsorgepflicht für Mitarbeiter und Spieler sehr ernst nehmen», erklärte Wiedlich.

(L'essentiel/dpa/erh)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Knouter am 07.08.2020 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Et geet jo net drem fir seng Meenungsfraiheet anzeschränken, mee do drem dann hien ongeschützt mat den Demonstranten ennerwee war. Hien keint de Rest vun der Mannschaft ustiechen, an dann dierft deen Verein guer keen Spill méi spillen. Hien huet géint d'Hygieneregelungen vun sengem Patron verstouss - an hien wousst dat!

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  • Gastleser am 07.08.2020 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wer in der heutigen Zeit noch immer nicht verstanden hat, dass es eben nicht nur um die eigene Meinungsfreiheit geht, sondern auch und vor allem um Rücksichtnahme auf unsere Mitmenschen und untereinander, der muss auch mit den Konsequenzen leben können. Vielleicht ist die Konsquenz etwas hart ausgefallen, aber es wäre wunschenswert, wenn man durch solche Ereignisse zum Nachdenken angeregt wird, wie das eigene Verhalten in solch einer Vorbildfunktion auf Andere wirkt und wie man damit etwas bewirken kann. Hier höre/lese ich leider nur 'mimimi' :-(

Die neusten Leser-Kommentare

  • Knouter am 07.08.2020 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Et geet jo net drem fir seng Meenungsfraiheet anzeschränken, mee do drem dann hien ongeschützt mat den Demonstranten ennerwee war. Hien keint de Rest vun der Mannschaft ustiechen, an dann dierft deen Verein guer keen Spill méi spillen. Hien huet géint d'Hygieneregelungen vun sengem Patron verstouss - an hien wousst dat!

    • The Masked Knadderer am 13.08.2020 08:42 Report Diesen Beitrag melden

      Dach dat do as Meenungsfraiheet ageschrenkt. Hien huet net geint d'Hygienereglung vun sengem Patron verstouss well dat do war an senger Freizeit also sei privat Liewen. Stellt ierch vir de Patron verbitt ierch op der Arbecht Alkohol ze drenken a well der lo Privat awer Alkohol gedronk hut geheit en aerch eraus. An senger Plaatz giff ech gerichtleg geint de Patron virgoen well deen bewegt sech ferm op denem Eis.

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  • Gastleser am 07.08.2020 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wer in der heutigen Zeit noch immer nicht verstanden hat, dass es eben nicht nur um die eigene Meinungsfreiheit geht, sondern auch und vor allem um Rücksichtnahme auf unsere Mitmenschen und untereinander, der muss auch mit den Konsequenzen leben können. Vielleicht ist die Konsquenz etwas hart ausgefallen, aber es wäre wunschenswert, wenn man durch solche Ereignisse zum Nachdenken angeregt wird, wie das eigene Verhalten in solch einer Vorbildfunktion auf Andere wirkt und wie man damit etwas bewirken kann. Hier höre/lese ich leider nur 'mimimi' :-(