Lebensgefährliche Aktion

10. September 2018 15:10; Akt: 10.09.2018 15:10 Print

Moto2-​​Pilot wird nach Skandal entlassen

Bis gestern kannten Romano Fenati nur Motorsportfans. Nun ist er in aller Munde. Doch es war nicht sein erster Skandal – aber vielleicht sein letzter.

Lebensgefährliche Aktion: Sie rasen mit 200 km/h die Gerade entlang, dann brennen Romano Fenati die Sicherungen durch und er zieht die Bremse an der Maschine seines Konkurrenten. Video: SRF

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Beim GP von San Marino läuft das Moto2-Rennen. Hinter den Punkteplätzen liefert sich Romano Fenati mit Landsmann Stefano Manzi einen erbitterten Kampf. In Kurve vier schneidet Manzi seinem Konkurrenten den Weg ab, beide berühren sich und verlieren Plätze. Vier Kurven später dreht Fenati durch und zieht bei seinem Rivalen bei Tempo 200 die Bremse. Manzi kann gerade so einen Sturz verhindern.

Die Aktion sorgte weltweit für Aufsehen. Fahrerkollegen und Experten zeigten kein Verständnis und forderten eine lebenslange Sperre für den Rüpel. Nun erhielt er von seinem Rennstall die Quittung: die sofortige Kündigung. «Mit großem Bedauern müssen wir feststellen, dass seine unverantwortliche Tat das Leben eines anderen Fahrers gefährdet hat und auf keinen Fall entschuldigt werden kann», ließ der Rennstall verlauten.

Rasanter Aufstieg

Die Begeisterung für Zweiräder hat der kleine Romano vom Großvater geerbt. Im zarten Alter von sieben Jahren beginnt Fenati, Jahrgang 1996, mit dem Motorsport. Zuerst Pocketbikes, 2010 gibt er in der italienischen 125er-Meisterschaft sein Debüt. Im Folgejahr wird er Europameister in der 125er-Kategorie. Er wechselt 2012 in die Moto3-Serie. In seinem zweiten Rennen steht er bereits ganz oben auf dem Podest – 36 Sekunden Vorsprung auf das Feld. Zwei Saisons später wechselt er ins Nachwuchs-Team des großen Valentino Rossi.

Ein rasanter Aufstieg des Teenagers aus Ascoli Piceno. Doch 2015 fällt der Nachwuchspilot erstmals negativ auf. Im Warm-up zum GP von Argentinien legt er sich bei langsamer Fahrt mit Niklas Ajo an. Er tritt seinem Konkurrenten an die Maschine und fuchtelt mit Fäusten vor dessen Gesicht herum. Bei den Startübungen greift Fenati Ajo in den Fahrer und stellt dessen Motor ab. Ein Jahr später fliegt er nach dem Qualifying in Österreich aus Rossis Nachwuchsteam.

Der Rennstall teilt mit, man habe sich aufgrund «charakterlicher Schwächen» per sofort vom schnellen Italiener getrennt. Der Pilot hatte sich nach der Qualifikation allzu heftig über die schlechte Performance seines Bikes beschwert. Es soll zu einem Handgemenge gekommen sein. «Es ist so, als hätten wir eine Schlacht verloren. Es tut uns leid, denn Fenati ist ein Fahrer mit einem außergewöhnlichen Talent. Wir wollten auch für die Zukunft auf ihn setzen. Aber leider mussten wir aufgeben.» Die Worte Rossis scheinen Fenati treffend zu beschreiben: jung, hochtalentiert und unverbesserlich.

Und dann dreht er richtig durch

Nachdem Fenati den Rest der Saison 2016 ohne Team dastand, kam er für 2017 beim Marinelli-Snipers-Team unter. Die Verpflichtung Fenatis war riskant. Dafür wurde das Team belohnt. Fenati war am Saisonende WM-Zweiter, sein bisher größter Erfolg. Und das Team belohnte auch ihn mit dem Aufstieg in die Moto2-Klasse. Seine Bilanz aus den bisherigen elf Saisonrennen: wenig Punkte und viele Ausfälle. Und dann fiel er am vergangenen Sonntag in San Marino wieder negativ auf. Er kollidiert mit Stefano Manzi und zieht diesem vier Kurven später die Bremse – ein lebensgefährliches Manöver.

Der 19-jährige Manzi wird für die von ihm verursachte Kollision bestraft. Am nächsten Rennen in Aragon wird er sechs Plätze nach hinten versetzt – eine normale Strafe für einen verschuldeten Rennunfall. Fenati wird für sein lebensgefährliches Handeln sofort aus dem Rennen genommen und mit zwei Rennsperren bestraft. Er verpasst den GP in Aragon und jenen von Thailand.

Fenati zeigt keinerlei Einsicht

Die Strafe sorgt im Motorrad-Zirkus für Verwunderung; Fenati ist immerhin Wiederholungstäter. So sagte der britische MotoGP-Pilot Cal Crutchlow: «Ich denke, er sollte nie wieder ein Motorradrennen bestreiten. Wir riskieren so schon unser Leben. Es gab vorher Kontakt, aber den gibt es immer, das ist Rennsport. Aber wenn jemand an deine Bremse greift, hat er es verdient, rausgeworfen zu werden.»

Fenati äußerte sich nun zum Vorfall. Er werde die Strafe akzeptieren und nicht in Berufung gehen. «Es sind immer die Gleichen, die Fehler machen. Es ist notwendig, fairer zu sein», so Fenati weiter. Er zeigt keinerlei Reue und sieht sich vielleicht sogar noch im Recht. Er beweist einmal mehr: Er ist unverbesserlich.

(L'essentiel/Tim Zimmermann)

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