Rassismus in den USA

22. Juni 2020 13:57; Akt: 22.06.2020 14:23 Print

Nascar-​​Fahrer findet Galgenstrick in Garage

Der einzige afroamerikanische Nascar-Fahrer Jungeba Wallace erhielt am Wochenende eine Drohung, die es in sich hatte. Die Verantwortlichen reagierten sofort.

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In der Garage des derzeit einzigen afroamerikanischen Nascar-Fahrers Jungeba Wallace an der Rennstrecke Talladega Superspeedway im US-Bundesstaat Alabama ist am Wochenende ein Galgenstrick gefunden worden.

«Wir sind wütend und aufgebracht und können nicht stark genug betonen, wie ernst wir diese abscheuliche Tat nehmen», teilte Amerikas beliebteste Motorsport-Serie daraufhin mit. Es gebe in der Nascar-Szene keinen Platz für Rassismus. Am späten Sonntagnachmittag seien die Verantwortlichen auf den Galgenstrick aufmerksam gemacht worden, daraufhin habe man eine Ermittlung eingeleitet. Das für Sonntag vorgesehene Rennen war wegen schlechten Wetters auf Montag verschoben worden.

«Es macht mich traurig»

Wallace, der sich für die Bewegung «Black Lives Matter» einsetzt, war über den Galgenstrick entsetzt. Er verurteilte den Vorfall scharf. «Der heutige verabscheuungswürdige Akt von Rassismus und Hass macht mich unglaublich traurig und dient als schmerzliche Erinnerung daran, wie viel weiter wir als Gesellschaft gehen müssen und wie beharrlich wir im Kampf gegen Rassismus sein müssen», schrieb der 26-Jährige auf Twitter und Instagram. Und: «Wie meine Mutter mir heute sagte: ‹Sie versuchen nur, dir Angst zu machen.›» Der Vorfall werde ihn nicht brechen, er werde weiterhin mit Stolz für das eintreten, woran er glaube.

Und er war nicht der Einzige, der über das rassistische Statement entsetzt war. Andrew Murstein, Mitinhaber von Richard Petty Motorsports, dem Stall, für den Wallace fährt, sagte: «Ich bin schockiert und traurig.» Auch der NBA-Superstar LeBron James meldete sich zu Wort. Unter Wallaces Twitter-Statement schrieb der Basketballer: «Wisse, dass du nicht allein stehst! Ich bin genau hier mit dir und jedem anderen Athleten. Ich möchte nur weiterhin sagen, wie stolz ich auf dich bin, dass du dich hier in Amerika und im Sport weiterhin für Veränderungen einsetzt!»

Viele Fans sind sauer

Dass die amerikanische Autorennserie Nascar mit Rassismus zu kämpfen hat, ist nichts Neues. So warf das Verbot der umstrittenen Konföderiertenflagge Mitte Juni hohe Wellen. Die Rennserie ist im Süden der USA entstanden und dort besonders populär, und bei den Rennen ist die rote Südstaatenflagge mit dem blauen Kreuz traditionell oft zu sehen.

Während manche Nascar-Fahrer das Verbot begrüßten, reagierten andere vehement. Ray Ciccarelli zum Beispiel. Bei ihm kam die Verbannung des Symbols für Rassismus und Sklavenhaltung schlecht an. Er erklärte wegen des Entscheids seinen Rücktritt per Ende Saison. Und auf Facebook schrieb er: «Das geht in die falsche Richtung. Ich glaube nicht, dass es das Richtige ist, den Menschen ihre Flagge wegzunehmen.»

Auch viele Fans waren sauer. Ein Umstand, der auch am Wochenende zu sehen war. Zwar waren wegen der Corona-Epidemie nur 5000 Fans zugelassen, Proteste für die Konföderiertenflagge gab es dennoch. So fuhren rund zwei Dutzend Demonstranten mit ihren Trucks vor. Allesamt zeigten sie die die rote Südstaatenflagge mit dem blauen Kreuz.

Charles Burdette, der Organisator der Demonstration, erklärte sich gegenüber Kickin the Tires. «Unser südländisches Erbe wird zu Tode getragen, und wir haben es satt», meinte er. Und: «Die Verantwortlichen nehmen alles heraus, wofür es steht. Nascar wurde von Rednecks, Moonshinern und Hillbillies zusammengestellt.» Und Ed Suggs, ein anderer Demonstrant, meinte gegenüber dem Guardian, dass er nicht glaube, dass die Befürworter der Flagge rassistisch seien. Er sagte: «Es ist nur eine südländische Sache.»

Das letzte Wort im Streit scheint demnach noch nicht gesprochen zu sein. Man darf also gespannt sein, was die nächste Episode bringt. Sicher ist: Einen zweiten Galgenstrick braucht es definitiv nicht.

(L'essentiel/nh/dpa)

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