US-Nachwuchstalent

12. November 2019 07:21; Akt: 12.11.2019 10:16 Print

Sie hatte Knochenbrüche und Suizidgedanken

Die einstige Wunderläuferin Mary Cain äußert neue Anschuldigungen gegen das Nike Oregon Projekt und dessen Leiter Alberto Salazar.

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Mit 17 galt sie als schnellste Mittelstreckenläuferin und große US-Leichtathletikhoffnung. Dann schloss sich Mary Cain 2013 dem Nike Oregon Projekt (NOP) unter Cheftrainer Alberto Salazar an.

In der New York Times ­erklärt die 23-Jährige, man habe sie aufgefordert, ihr Gewicht zu reduzieren, sie erlitt dabei fünf Knochenbrüche, verlor ihre Periode und habe am Schluss an Selbstmord gedacht. «Ich wurde geistig und körperlich von einem System misshandelt, das Alberto entworfen und Nike gebilligt hat.»

«Ihr Hintern ist zu groß»

Salazar habe der 1,70 Meter großen Läuferin ein Ziel­gewicht von 52 Kilo verordnet, sie regelmäßig gewogen und bei Verfehlungen öffentlich gedemütigt. «Ich war in einem System gefangen, dass die Körper junger Frauen zerstört.» Steve Magness, ehemaliger Assistenztrainer, bestätigte die Vorwürfe. Er selbst musste Athletinnen systematisch zum Abnehmen drängen. Habe er bedenkliche Werte vorgelegt, sagte man ihm: «Ich interessiere mich nicht für Wissenschaft, ich weiß, was ich sehe: Ihr Hintern ist zu groß.»

Am 10. Oktober beendete Nike das Projekt, wenige Tage nachdem Salazar wegen Dopingverstössen für vier Jahre gesperrt worden war. Dies habe Cain die Augen geöffnet. «Nach dem Dopingbericht fühlte ich mich befreit und verstand, dass dieses System nicht okay ist. Nike hat nun die Chance, Änderungen vorzunehmen und seine Athleten in Zukunft zu schützen.»

(L'essentiel/tre)