Kontrovers

10. September 2018 20:44; Akt: 10.09.2018 20:44 Print

Von «Danke, Serena» bis zu «schäm dich, Serena»

Sexismus oder nicht? Nach dem Eklat beim US-Open-Finale zwischen Serena Williams und Naomi Osaka gehen die Meinungen weit auseinander.

Serena Williams kann ihre Emotionen nicht zurückhalten und wird dreimal verwarnt. Video: SRF

Zum Thema
Fehler gesehen?

Update:Serena Williams ist für ihr Fehlverhalten im Finale vom US Open mit einer Strafe von 17.000 Dollar bestraft worden. Die 36-jährige Amerikanerin hatte während der Zweisatz-Niederlage gegen die Japanerin Naomi Osaka drei Verwarnungen kassiert: für das Coaching ihres Trainers auf der Tribüne (4000 Dollar), für das Zertrümmern ihres Schlägers (3000 Dollar) und für die Beleidigung von Stuhlschiedsrichter Carlos Ramos (10.000 Dollar).

Das Gute an Twitter ist ja, dass sich ein jeder bemerkbar machen kann. Das Schlechte an Twitter ist ja, dass sich ein jeder bemerkbar machen kann. Und so wird am größten Stammtisch der Welt auch jetzt wieder debattiert, diskutiert und beleidigt. Aktueller Anlass: Der Finale der US Open der Frauen, Naomi Osaka gegen Serena Williams, Newcomerin gegen Legende, Japan gegen die USA.

Dass Osaka das Spiel gewinnt, verkommt zur Nebensache. Denn als sie ihren schönsten Triumph feiern soll, da buht der Großteil des Publikums. Nicht gegen Osaka, sondern gegen den Schiedsrichter Carlos Ramos. Was war passiert? Williams wird während dem zweiten Satz dreimal verwarnt. Weil ihr Coach ihr aus der Box Anweisungen gibt (was er später zugab), weil sie ihren Schläger zertrümmert und weil sie Ramos als Dieb und Lügner bezeichnet. Das Publikum stellt sich also hinter ihre Heldin und buht.

Und es buht virtuell weiter. Williams unterstellt Ramos Sexismus, weil viele Männer schon viel wüstere Beleidigungen als «Dieb» benutzten. Die weißrussische Tennisspielerin Victoria Azarenka sieht es gleich und findet in einem ersten Tweet nur die Worte: «Das ist BS.» Bullshit. Danach schreibt sie: «Bei einem Männerturnier wäre das nicht passiert.»

Beth Behrs, Darstellerin in der Sitcom «2 Broke Girls», sieht es ähnlich: «Es ist Zeit für eine Veränderung. Eine Frau sollte ihre Emotionen ausdrücken – nicht unterdrücken.»

Behrs macht in ihrem Tweet auch auf einen Vorfall von vergangener Woche aufmerksam. Da wechselte die Französin Alizé Cornet auf dem Court ihr Dress, weil sie es davor verkehrt herum trug. Dafür wurde sie umgehend verwarnt. Erst nach vielen negativen Reaktionen, unter anderem von der Tennis-Ikone Billie Jean King und der zweimaligen US-Open-Siegerin Tracy Austin, nahm der Verband die Entscheidung zurück.

Apropos Billie Jean King, auch sie steht Williams zur Seite. Nachdem sie erst ganz fair Osaka zum Sieg gratuliert, macht sie im Ärger Luft.« Coaching sollte im Tennis immer erlaubt sein», schreibt sie auf Twitter, «eine Spielerin wurde für Aktionen ihres Coaches bestraft». Und: «Wenn eine Frau emotional wird, ist sie hysterisch und wird bestraft. Wenn ein Mann dasselbe tut, ist er einfach geradeheraus und es gibt keine Strafe.»

Fox, Behrs und King sind nur drei von unzähligen Prominenten, die ihre Meinung zum Finale auf Twitter kund taten. Formel-1-Fahrer Lewis Hamilton nennt Williams auf Instagram eine Inspiration, Schauspielerin Reese Witherspoon bedankt sich bei der 23-fachen Grand-Slam-Siegerin dafür, dass sie für die Frauen einstehe, und die ehemalige Weltnummer 1 bei den Männern, Andy Roddick, spricht von der schlechtesten Schiedsrichter-Leistung aller Zeiten.

Wo es für Fürsprecher gibt, gibt es meist auch Gegner. Im Fall Williams gegen den Sexismus ist das nicht anders. «Schäm dich, Serena Williams», titelt zum Beispiel die Aargauer Zeitung. Der Sexismus-Vorwurf sei völlig absurd und sie habe das doch nicht nötig. Und die Süddeutsche Zeitung: «Wer brüllt und beleidigt, muss die Konsequenzen tragen.»

Der Tennis-Korrespondent der New York Times, Ben Rohtenberg, sagt derweil, er sehe keine Schuld beim Schiedsrichter und es sei alles fair abgelaufen. Bobby Marks, NBA-Experte von ESPN schreibt: «Serena Williams sollte den Court einfach verlassen und nie mehr bei den US Open spielen.»

(L'essentiel/red)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.