Finanzkrise

18. Juni 2015 15:59; Akt: 18.06.2015 16:03 Print

Bunkern Griechen ihr Geld in Luxemburg?

LUXEMBURG/ATHEN – Wohlhabende Griechen fürchten offenbar den Euro-Austritt und Staatsbankrott. Und überweisen ihr Erspartes nach Luxemburg. Das behauptet ein Ökonom aus Athen.

storybild

Wandert der Inhalt griechischer Sparschweine besonders häufig nach Luxemburg? (Bild: DPA)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Griechenland zittert sich in dieser Woche abermals durch die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern. Die wohlhabende Privatleute aus dem Mittelmeerland bangen derweil um ihre Sparguthaben – und schicken ihre Euros auf die Reise in sicherere Gefilde. 80 Milliarden Euro haben das Land auf diese Weise seit Anfang 2010 verlassen. Wohin? «Am attraktivsten sind Luxemburg und Deutschland. Und Luxemburg ist einfacher – es gibt weniger Restriktionen.» Das sagt der Ökonom Nikolaos Georgikopoulos vom griechischen Wirtschaftsinstitut KEPE, dass unter anderem die Athener Regierung berät, im Gespräch mit L'essentiel. Georgikopoulos Job: Die Geldströme überwachen, die in und aus Griechenland fließen.

Daten aus dem Großherzogtum, die die Geldströme aus Griechenland Richtung Luxemburg belegen, gibt es offiziell nicht. Sowohl die Bankenaufsicht CSSF als auch der Bankenverband ABBL verweigern auf Nachfrage jede Auskunft. Einzig die Großbank BGL BNP Paribas durchforstet für L’essentiel ihre Statistiken. Einen Anstieg von Einzahlungen aus Griechenland finden die Banker jedoch nicht.

Dabei wäre es so einfach. Ökonom Georgikopoulos: «Kapital zu bewegen ist nicht schwer. Man geht zu einer Bank und eröffnet ein Konto. Die Frage ist nur: Wo?» Zypern, lange Zeit das Land der Wahl für solvente Griechen, habe seit der Finanzkrise selbst große Probleme, Asien und Südamerika seien risikobehaftet. «Also bleibt man in Europa», erklärt Georgikopoulos. Vielen falle da als attraktivstes Land sofort die Schweiz ein – «Aber dort muss man inzwischen viel bezahlen, um sein Geld anzulegen.»

«Den Superreichen sind Kontogebühren egal»

Den oberen Zehntausend ist das möglicherweise egal, sagt Georgikopoulos. Aber die hätten ihr Kapital schon schon lange aus Griechenland abgezogen. Jetzt gehe es um die wohlhabende aber bürgerliche Oberschicht. «Es geht um Menschen wie Sie und ich, die keine Millionen haben», erklärt der Wissenschaftler. «Die gehen dorthin, wo es einfach ist, Geld anzulegen – aber wo man nicht viel bezahlt.» Luxemburg und Deutschland seien über die Banken- und Handelssysteme leicht erreichbar. Und zudem brauche man sich in diesen Ländern nicht um sein Geld zu fürchten.

«Die Deutschen bieten beispielsweise keine hohen Zinsen, aber Sicherheit», sagt Georgikopoulos. «Und Deutschland ist gerade einmal zweieinhalb Flugstunden von Griechenland entfernt.» Der Vorteil von Luxemburg sei zudem die Verschwiegenheit der Banker im Großherzogtum. «Es geht hier nicht um illegales Geld – aber die Leute wollen trotzdem nicht, dass es irgendwo auftaucht.»

(Tobias Senzig/L'essentiel)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.