Alles rückgängig machen!

06. Oktober 2017 07:00; Akt: 05.10.2017 22:34 Print

Hat Trump einen Obama-​​Komplex?

Donald Trump scheint einem Prinzip zu folgen: Was auch immer Barack Obama vollbrachte, muss vernichtet werden. Das lässt sich erklären.

Der Biograf David Cay Johnston lässt im Interview kein gutes Haar an Donald Trump.

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Im Vergleich zu früheren US-Präsidenten ist bei Donald Trump keine festgefügte Ideologie zu erkennen. Als TV-Star und Immobilienmann stand er während vieler Jahre den New Yorker Demokraten nahe. Seine Verbundenheit mit den Republikanern in Washington scheint wenig stabil.

Mittlerweile folgt er einem Grundsatz: Obamas Leistungen müssen rückgängig gemacht werden. Wie die Nachrichtenagentur AP kürzlich aufgelistet hat, folgen diesem Prinzip viele von Trumps Verordnungen:

Immigration: Trump droht, die von Obama verfügte Aufenthaltserlaubnis für Illegale aufzuheben, die als Jugendliche eingewandert sind.

Klima: Trump will die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen lassen.

Bildung: Trump hebt Obamas Richtlinien zur Untersuchung sexueller Übergriffe auf.

Transgender: Trump streicht Obamas Regel, dass Transsexuelle Schultoiletten ihrer Wahl benützen dürfen, und er sperrt die Aufnahme von Transgendern in die Streitkräfte.

Einreiseverbot: Trump reduziert die unter Obama großzügige Höchstzahl von Flüchtlingen und verbietet Menschen aus zumeist muslimischen Risikostaaten die Einreise.

Steuerreform: Trump will den höchsten Einkommenssteuersatz, den Obama auf 39,5 Prozent heraufgesetzt hatte, wieder auf 35 Prozent senken.

Wie durchgängig Trump Obama konterkariert, fiel unlängst auch dem Spätabend-Talker Jimmy Kimmel auf. «Seine Agenda scheint hauptsächlich daraus zu bestehen, alles umzukehren, was Obama tat», sagte Kimmel. «Hoffentlich holt er nicht bin Laden zurück ins Leben.»

Psychologen hätten sich noch nicht ausdrücklich der Frage von Trumps Obama-Fixierung angenommen, sagt die in dieser Frage kenntnisreiche Fachjournalistin Sharon Begley auf Nachfrage von 20 Minuten. Die Besessenheit «passt aber zu seinem Narzissmus.»

Tiefere Zweifel am eigenen Wert

Nach gängiger Deutung maskiere solche Selbstliebe tiefergründigere Zweifel über den Wert einer Person, schreibt Begley in einem E-Mail. «Diese Zweifel werden verschärft in Gegenwart einer Figur, die dich zu überschatten droht oder die Geltung der oberflächlichen Überlegenheitsgefühle in Frage stellt. Für Trump scheint Obama diese Figur zu sein.»

Begley erklärt damit nicht nur das offensichtliche Bedürfnis Trumps, Obamas Vermächtnis aufzuheben. Wichtig sei auch die Erklärung, dass die politischen Vorhaben Obamas schlecht und misslungen seien. «Das Misslingen und das Schlechte verkleinern die Figur, mit der Trump sich vergleicht. Das Ergebnis leistet dem Gefühl der eigenen Größe Vorschub.» Sprich: Indem Trump Obama und seine Leistungen kleinmacht, erhebt er sich über diesen und macht sich selbst größer.

Auch ein Rassist

In die gleiche Kerbe schlägt auch der Biograf David Cay Johnston, einer der besten Kenner Trumps. Bereits im Januar zeigte sich Johnston in einem Interview mit 20 Minuten äußerst kritisch gegenüber Trump. In einem Video-Interview erklärt er Trump jetzt nicht nur für einen Narzissten. Er hält den amtierenden US-Präsidenten auch für einen Rassisten. Das Vorbild Obamas, des ersten schwarzen Präsidenten, müsse müsse daher besonders unerträglich sein, glaubt Johnston (siehe Interview oben).

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • oli am 06.10.2017 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hatt Bettel einen CSV Komplex

  • dusninja am 06.10.2017 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und in der Liste fehlt noch das grösste Vermächtnis Obamas: Jahrzehntelange Eiszeit mit Kuba beendet. Jetzt kommt diese abstruse Idee mit den Schwallwellen, nicht nur dass das nach Experten unwahrscheinlich ist, die Apparatur wäre ja nicht unbemerkt geblieben. Es war nicht alles gut unter Obama, aber ich meine er hat ein (weltweites) Charisma entfaltet, was Trump nie schaffen wird.

  • dusninja am 06.10.2017 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und irre ich mich, oder wird Trump langsam amtsmüde ob der Misserfolge? Ich meine seine Twitterfrequenz und deren Retweet in den Nachrichten wird immer weniger.

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  • oli am 06.10.2017 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hatt Bettel einen CSV Komplex

  • dusninja am 06.10.2017 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und irre ich mich, oder wird Trump langsam amtsmüde ob der Misserfolge? Ich meine seine Twitterfrequenz und deren Retweet in den Nachrichten wird immer weniger.

  • dusninja am 06.10.2017 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und in der Liste fehlt noch das grösste Vermächtnis Obamas: Jahrzehntelange Eiszeit mit Kuba beendet. Jetzt kommt diese abstruse Idee mit den Schwallwellen, nicht nur dass das nach Experten unwahrscheinlich ist, die Apparatur wäre ja nicht unbemerkt geblieben. Es war nicht alles gut unter Obama, aber ich meine er hat ein (weltweites) Charisma entfaltet, was Trump nie schaffen wird.