Wegen Enthüllungsbuch

05. Januar 2018 15:18; Akt: 05.01.2018 15:17 Print

Steve Bannon ist wohl endgültig weg vom Fenster

Das größte Opfer des neusten Trump-Buchs «Fire and Fury» wird womöglich Steve Bannon. Der Präsident hat mit seinem Ex-Strategen gebrochen.

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Während ein Schneesturm die amerikanische Ostküste mit einem «Bomben-Zyklon» lahm legte, platzte am Mittwoch in Washington eine politische Bombe. Das in Auszügen veröffentlichte Buch «Fire and Fury» von Michael Wolff versetzte die US-Hauptstadt in helle Aufregung und führte zu einem tiefen Bruch zwischen Donald Trump und seinem einstigen Guru Steve Bannon.

Der letzten August als Chefstratege entlassene Bannon habe «nicht nur den Job verloren, sondern den Kopf», spottete Trump. Mit seinem «historischen Wahlsieg habe der vormalige Kampagnenleiter «sehr wenig» zu tun gehabt, dafür mit dem Verlust eines Senatssitzes in Alabama», wütete der Präsident. «Steve vertritt nicht meine Wählerbasis, nur sich selbst.»

Narrenschiff mit dummem Kapitän

Trump war angeblich außer sich über die im Buch kolportierten Aussagen gegen ihn und seine Familie. Das Weiße Haus erscheint darin als Narrenschiff mit einem dummen Kapitän am Steuer, der nie irgendetwas liest und ständig die gleichen Geschichten erzählt.

Besonders beleidigende Bemerkungen werden Bannon zugeschrieben. Wie in Auszügen bekannt wurde, nannte Bannon das Treffen von Trumps Sohn Donald Junior vom 9. Juni 2016 mit einer russischen Anwältin, die Schmutz gegen Hillary Clinton versprochen hatte, als «dumm», «landesverräterisch» und «unpatriotisch». Trumps Gegner würden Don Jr. «am Fernsehen aufschlagen wie ein Ei», prophezeite Bannon.

Kleinlaut danach

Am Donnerstag machte Trump klar, dass er ab sofort mit Bannon nichts mehr zu tun haben will. «Ich rede nicht mit ihm», sagte er an einem kurzen Auftritt vor der Presse. Bannon dagegen reagierte vergleichsweise kleinlaut. Am Breitbart-Radio sagte er am Mittwoch Abend: «Nichts wird je zwischen uns und Präsident Trump und sein Programm kommen.» Dann sagte er: «Der Präsident der Vereinigten Staaten ist ein großer Mann. Ich unterstütze ihn jeden Tag.»

Im Effekt wird Bannon Mühe haben, seinen Einfluss als konservativer Revolutionär und Vertreter der Trump-Basis in der republikanischen Partei aufrecht zu erhalten. «Bannon wurde auf dem Südrasen erschossen und von einem Panzer überfahren, und der Präsident legte den Rückwärtsgang ein und fuhr noch einmal über ihn», sagte der republikanische Stratege Ed Rollins. Trumps Anwälte wollen ihm jetzt einen Maulkorb anlegen. Sie forderten ihn mit einem Brief auf, dem von ihm unterzeichneten Stillhalteabkommen nachzukommen und nichts mehr aus seiner Zeit im Weißen Haus auszuplaudern.

Schlappe in Alabama wirkt nach

Angeblich überlegen sich bereits die ersten von Bannon unterstützten Kandidaten für die Kongresswahlen vom Herbst, ob sie weiterhin auf den abgestraften Ex-Berater setzen wollen. Ihr Zögern beruht auch auf dem schmählichen Scheitern Bannons in Alabama: Dort verlor im Dezember der von ihm portierte und sexueller Missetaten beschuldigte Ex-Richter Roy Moore einen seit 30 Jahren von Republikanern gehaltenen Senatssitz an einen demokratischen Herausforderer.

Womöglich büßt Bannon bald auch seinen Einfluss bei der wichtigen Website Breitbart.com ein. Unter anderem wegen des Misserfolgs in Alabama hat er die Unterstützung der wichtigsten Breitbart-Geldgeberin Rebekah Mercer verloren. Die Milliardärin soll über die häufigen von Bannon ausgelösten Streitigkeiten frustriert sein. Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders ging am Donnerstag weiter und sagte, Breitbart solle erwägen, sich von Bannon zu trennen.

Man dürfe den streitbaren Vordenker jedoch nicht unterschätzen, glaubt Keith Koffler, Autor einer Bannon-Biografie. Koffler empfiehlt Trump, den bei vielen Wählern populären Mann nicht ganz fallenzulassen. «Wenn der Präsident Elvis ist und Bannon Ozzy Osborne - nun, Ozzy hat immer noch seine Fans.»

(L'essentiel/sut)

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