ITUNES MATCH

15. November 2011 19:43; Akt: 15.11.2011 20:00 Print

Apples Cloud ist erstaunlich tolerant

Mit iTunes Match lanciert Apple einen Musik-Abgleichdienst, der selbst «gerippte» Musik akzeptiert. Schweizer Nutzer müssen sich zwar noch gedulden – doch Alternativen sollen schon bald lanciert werden.

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Als Apple am Montagabend (Luxemburger Zeit) den Online-Musikdienst iTunes Match lancierte, ging wenig später gar nichts mehr. Der Ansturm war zu groß - vorübergehend konnten keine Anmeldungen registriert werden.

Das war ein rein amerikanisches Problem. Denn iTunes Match steht nur den US-Nutzern zur Verfügung. Zumindest vorläufig. Ob und wann iTunes Match in der Schweiz angeboten wird, ist nicht bekannt. «Wir haben nichts weiter anzukündigen», erklärt ein Unternehmens-Sprecher auf Anfrage.

Zur Erinnerung: Als Apple 2003 den iTunes Store eröffnete, dauerte es anschließend 15 Monate, bis der Online-Laden auch in England, Frankreich und Deutschland an den Start ging. Seinerzeit hätten sich die Verhandlungen mit den Rechte-Verwertern hingezogen, schreibt macwelt.de. Denn in der EU gebe es keine gemeinsame Institution. So heißt es nun für Apple, intensiv zu verhandeln.

«Eldorado für Raubkopierer»

Um iTunes Match aktivieren zu können, ist zurzeit eine Apple-ID mit Rechnungsadresse in den Vereinigten Staaten erforderlich. Für eine Jahresgebühr von knapp 25 Dollar können die Nutzer ihre eigene Musiksammlung auf bis zu zehn Apple-Geräten mit Internet-Zugang abspielen.

Vor dem Start gilt es die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu akzeptieren. So muss man bestätigen, dass die Musiksammlung legal erworben wurde. Aber was passiert mit MP3-Songs aus dubiosen Quellen, die von einer fremden CD gerippt oder via Filesharing «organisiert» wurden? Laut ersten Testberichten werden auch solche Songs problemlos von iTunes Match akzeptiert. In US-Medienberichten und deutschen Blogs ist denn auch von einem Eldorado für Raubkopierer die Rede.

Damit ein Song aufgenommen wird, muss er beim Scannen («Matching») der Musiksammlung erkannt werden. Dazu greift der neue Online-Dienst auf die riesige iTunes-Datenbank mit 20 Millionen Titeln zurück. Alle identifizierten Songs werden als Kopierschutz-freie, mit 256 kBit/s kodierte Sound-Dateien angeboten. Wahlweise per Streaming aus der iCloud oder als Download, der lokal auf dem Gerät gespeichert und jederzeit gelöscht werden kann.

MP3-Songs in geringer Tonqualität werden durch iTunes Match veredelt, indem sie auf der virtuellen Festplatte durch qualitativ hochwertigere Versionen ersetzt werden. Wer das iTunes-Match-Abo kündigt, darf nebst den iTunes-Einkäufen auch die beim Matching ersetzten Songs behalten.

Strikte Limite

Nicht identifizierte Musik wie Bootlegs oder Club-Aufnahmen können vom Nutzer selbstständig hochgeladen werden. Wer in seiner iTunes-Mediathek mehr als 25 000 solcher Songs gespeichert hat, kann den Online-Musikdienst allerdings nicht benutzen. Zurzeit gebe es keine Möglichkeit, einzelne Titel auszuschließen, um diese Limite nicht zu überschreiten, berichtet The Next Web.

iTunes Match ist ein Teil des neuen Internet-Speicherdienstes iCloud, den Apple Anfang Oktober mit dem mobilen Betriebssystem iOS 5 eingeführt hat. Noch befindet sich der Musikdienst im Beta-Stadium. Er wird also in den kommenden Wochen und Monaten weiterentwickelt und wenn nötig durch iTunes-Updates verbessert.

Auch Amazon lancierte ein Cloud-basiertes Angebot

Neben Apple wollen sich auch andere IT-Unternehmen ein Stück vom Musik-Kuchen abschneiden. Amazon hat bereits ein Cloud-basiertes Angebot lanciert. Und der Internet-Konzern Google hat für Mittwoch eine Veranstaltung angesetzt. Dann dürfte laut unbestätigten Berichten eine Download-Funktion für «Google Music» vorgestellt werden. Eine erste Test-Version des Musik-Streaming-Dienstes hatte Google im Mai veröffentlicht – ganz ohne Lizenzen der großen Musik-Labels.

Gemäß US-Medienberichten ist Google noch nicht mit allen wichtigen Unternehmen einig geworden. Angeblich fehlen Vereinbarungen mit Sony und Warner.

(L'essentiel online/dsc)