«Sehr undankbar!»

22. November 2017 06:58; Akt: 22.11.2017 07:33 Print

US-​​Präsident kritisiert schwarze Sportler

Erst wirft Donald Trump dem Vater eines Basketballers Undankbarkeit vor, dann rügt er einen protestierenden Footballer. Spielt deren Hautfarbe eine Rolle?

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Verletzte Eitelkeit? Aufruf zum Patriotismus? Oder Rassismus? Diese drei möglichen Erklärungen kommen für US-Medien infrage, nachdem US-Präsident Donald Trump am Wochenende und am Montag erneut schwarze Sportler auf Twitter kritisiert hat.

Möglicherweise treffen alle drei Gründe zu. Trump mag es nicht, wenn man ihn missachtet. So musste es ihn kränken, als der Vater eines der drei in China verhafteten Basketball-Studenten Trumps Beitrag an der Befreiung herunterspielte. «Wer?», stellte LaVar Ball die Rolle des Präsidenten infrage. «Weshalb war er dort drüben? Sag' mir nichts. Alle möchten es so darstellen, als hätte er mir geholfen.»

«Ich habe Schlimmeres erlebt»

Balls Sohn LiAngelo hatte zusammen mit Cody Riley und Jalen Hill in Hangzhou in Luxusboutiquen Sonnenbrillen und anderes gestohlen. Nach der Verhaftung drohte den drei Studenten der Universität von Kalifornien eine längere Haftstrafe. Vater Ball wehrte ab: «Ich komme aus L.A. Ich habe viel Schlimmeres erlebt als einen Typen, der Brillen abgreift.»

Trump schien letzte Woche beruhigt, als ihm alle drei UCLA-Spieler nach ihrer Rückkehr in die USA dankten. Doch auf LaVar Balls Wortmeldung musste er reagieren. In einem Tweet beklagte er, dass der Vater «nicht akzeptiert, was ich für seinen Sohn getan habe … Ich hätte sie im Knast lassen sollen!»:

«Sehr undankbar!»

Am Abend twitterte Trump: «Ladendiebstahl ist in China etwas Schwerwiegendes, was es auch sein sollte.» Er hätte die drei Spieler erst bei seiner nächsten Chinareise herausholen sollen, fährt er fort. «Sehr undankbar!»

Der US-Präsident sieht seine Rolle als Repräsentant des ganzen Volks. Daher ist für ihn die Undankbarkeit von Vater Ball ein Affront gegen das ganze Land.

«Große Respektlosigkeit»

Als Verstoß gegen das Gebot des Patriotismus interpretierte Trump am Montag auch das Verhalten des Footballspielers Marshawn Lynch vom Vortag. Auf Fotos war zu sehen, dass der «Running Back» der Oakland Raiders während der amerikanischen Nationalhymne sitzen blieb, aber beim Abspielen der mexikanischen stramm stand. «Große Respektlosigkeit», twitterte Trump. Von der Football-Liga NFL forderte er: «Das nächste Mal sollte die NFL ihn für den Rest der Saison suspendieren. Zuschauerzahlen und Einschaltquoten sind im Keller.»

«Im besten Fall unreif»

Mit der neuen Rüge nahm Trump ein Thema auf, das in den letzten Monaten das ganze Land gespalten hatte. Er machte keinen Hehl daraus, dass er Protestaktionen von Spitzensportlern in patriotischen Momenten ablehnt. Ursprünglich aus Protest hatten Footballer damit begonnen, während des Absingens der Nationalhymne niederzuknien. Doch bald drückte sich in den Aktionen bloß die Ablehnung gegenüber Trump aus.

Da Trump so heftig gegen die vorwiegend afroamerikanischen Sportler wetterte, erhielt sein Gegenprotest einen rassistischen Beigeschmack. Kritiker verdächtigen den Präsidenten heute, er wolle Ressentiments gegen Schwarze hervorkitzeln, um seine Anhängerschaft zufriedenzustellen. «Im besten Fall ist es unreif», sagte etwa der CNN-Medienkritiker Brian Stelter über Trumps Twitterei. «Doch für viele Leute erscheint es wie Rassenhetze.»

(L'essentiel/sut)

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