Notfallplan greift

22. September 2015 12:07; Akt: 22.09.2015 12:21 Print

So will Luxemburg die vielen Flüchtlinge unterbringen

LUXEMBURG – Mithilfe eines zweistufigen Notfallplans, der jetzt greift, will die Regierung in der Flüchtlingskrise das Heft in der Hand halten.

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Familienministerin Corinne Cahen sowie weitere Kabinettskollegen haben am Dienstag den Notfallplan zur Bewältigung der Flüchtlingskrise vorgestellt. (Bild: Editpress)

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Die bislang zur Verfügung stehenden Räume für die Erstaufnahme von Flüchtlingen in Luxemburg sind nahezu erschöpft. Um dem Problem entgegenzuwirken, greift nun der am 11. September verabschiedete Notfallplan des Hochkommissariats zum nationalen Schutz. Dieser umfasst zwei Phasen: Zunächst werden bereits bestehende Gebäude zu provisorischen Notunterkünften umfunktioniert, dann werden Container-Dörfer gebaut.

Das ehemalige Logopädie-Zentrum in Strassen soll ab dem morgigen Mittwoch und bis Mitte 2016 Platz für 300 Flüchtlinge bieten. Dort sollen vor allem Familien und Minderjährige unterkommen. Solche sollen auch in der früheren CHNP-Kaserne Ettelbrück Unterschlupf finden. Diese Erstaufnahmestelle mit 220 Betten soll ab Ende Oktober bezugsfertig sein. In der alten CHL-Maternité in der Route d'Arlon in Luxemburg-Stadt sollen ab kommender Woche hingegen 130 Flüchtlinge untergebracht werden, die bereits sehr alt oder krank sind.

Zelte zur Privatsphäre

Falls diese Plätze nicht genügen, ist ab Ende Oktober die Luxexpo für bis zu 360 Flüchtlinge bezugsbereit. Dort sollen dann sämtliche Flüchtlinge, die nach Luxemburg kommen, als erstes vom Roten Kreuz empfangen werden. «Dort bleiben sie dann aber nur 48 Stunden, bevor sie auf die anderen Standorte verteilt werden», erklärte Familienministerin Corinne Cahen am Dienstag. In der Halle der Luxexpo würden Zelte aufgeschlagen, um «ein Minimum an Privatsphäre zu garantieren».

Mittelfristig sollen die Flüchtlinge dann in Container-Dörfern untergebracht werden. Drei Standorte für jeweils zwischen 300 und 400 Menschen sind bereits gefunden: eine 1,6 Hektar große Fläche hinter dem P&R-Platz in Steinfort, ein 3,6 Hektar großes Gelände neben der Kaserne Diekirch sowie ein 2,3 Hektar großer Platz im Mamer in der Nähe der Europaschule. Die Dörfer werden ausgestattet mit sanitären Anlagen, Küchen und Spielplätzen. Pro Container sind zwei bis vier Personen vorgesehen. Durch zusätzliche Betten soll die Kapazität der Dörfer von 300 auf 600 Personen aufgestockt werden. Bevor diese gebaut werden können, gilt es aber noch, einige administrative Hürden zu nehmen. Dies könne vier bis sechs Monate dauern, erklärte Infrastrukturminister François Bausch am Dienstag.

100 Wörter auf Luxemburgisch

Sobald die Asylanträge gestellt sind und für eine Unterkunft gesorgt ist, gilt es, die Flüchtlinge zu integrieren. Bildungsminister Claude Meisch erklärte, dass die betroffenen Kommunen zusätzliches Lehrpersonal einstellen können. Flüchtlingskinder erhalten zudem wöchentlich zwei Stunden zusätzlichen Sprachunterricht. Den Älteren sollen zunächst «die ersten 100 Wörter auf Luxemburgisch oder in einer anderen Sprache des Landes beigebracht werden», so der DP-Politiker.

Innenminister Dan Kersch kümmert sich derweil darum, freistehenden Wohnraum in den Gemeinden ausfindig zu machen. Dort sollen dann sowohl Flüchtlinge längerfristig untergebracht werden als auch jene Personen, die auf den Wartelisten des Fond du logement stehen. «Ideal wäre es, wenn die Flüchtlinge gleichmäßig über das Land verteilt werden können», so Bausch: «Viele Gemeinden haben schon ihre Bereitschaft erklärt. Wenn wir jeweils 12 bis 15 Menschen in jedem Ort unterbringen können, vermeiden wir zu große Konzentrationen». Und es vereinfache die Integration.

(jw/pw/L'essentiel)

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